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Bundesliga:Rangnick legt die Messlatte hoch für Nagelsmann

Kevin Kampl (2. v. l.) ist eine der ruhigen Stützen der Leipziger Mannschaft.

(Foto: AP)

RB Leipzig ist als Dritter stramm in Richtung Champions League unterwegs. Das liegt auch an der Raffinesse von Trainer Ralf Rangnick.

In der Hinrunde hatte Ralf Rangnick, der coachende Oberbulle von RB Leipzig, für Verwunderung gesorgt, als er donnerstags, bei den Spielen der Europa League, seine Mannschaft meist ersatzgeschwächt aufstellte, um anschließend sonntags mit der Schaufensterelf in der Bundesliga zu gewinnen. Unbestätigtem Gedankenlesen zufolge könnte Rangnick damals im Hinterkopf das kühne Vorhaben entwickelt haben, mit Leipzig in einer Saison, in der die Bayern schwächelten, sogar um die Meisterschaft mitzuspielen. Dass RB den Europacup zu Gunsten des nationalen Erfolgs vernachlässigte, ist Fakt, das geschah unmaskiert - ob Rangnicks Kalkül im Herbst tatsächlich so weit ging, auf seinen ersten Ligatitel als Trainer zu hoffen, sei dahingestellt. Aus heutiger Sicht lässt sich allerdings sagen: Komplett übertrieben ballaballa wäre dieser Gedanke nicht gewesen.

Die Schlagzeilen und Emotionen dieser Saison gehören dem Titelkrimi BVB gegen FCB. Doch im Kleinergedruckten ist Leipzig inzwischen ein stabiler Dritter im Rückraum, stramm unterwegs in Richtung Champions League - mit Kollateralerfolg im Pokal, wo es demnächst gegen den HSV ums Berliner Finale geht. Sie haben also vieles richtig gemacht, auch mit ihrer Herbstrotation, die dem damals noch sehr schlanken Kader geschuldet war. Und heute könnte man fragen, ob in der Liga sogar diese eine Schippe mehr drin gewesen wäre, wenn es personell noch geschmeidiger gelaufen wäre. Wenn nicht der Schlüsselspieler Forsberg lange gefehlt hätte - und wenn die beiden Wunschspieler aus dem globalen RB-Fußballnetz, Tyler Adams (New York) und Amadou Haidara (Salzburg), wie geplant schon im Sommer gekommen wären, nicht erst verspätet im Winter.

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RB dominiert gegen Wolfsburg und hätte deutlich höher als 2:0 siegen können. Bei Gladbach bringt ein Ersatzmann den Sieg und Werder trifft auch im 33. Saisonspiel.

Natürlich sind solche Konjunktive müßig. Und auch mit der Realität sind sie ja superzufrieden in Leipzig. Denn es war durchaus eine Versuchsanordnung mit Eigentor-Gefahr, vor einem Jahr den beliebten und keineswegs erfolglosen Chefcoach Hasenhüttl zu verabschieden, die heiße Traineraktie Nagelsmann bereits mit langem Vorlauf vom Markt zu nehmen und bis zu dessen Ankunft den Sportdirektor Rangnick als Einjahres-Trainer zu platzieren. Stand heute ist dieses unorthodoxe Modell geglückt. Leipzig hat zwölf Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2018, nur 22 Gegentore sind der mit Abstand beste Defensivwert der Liga. Auf der Zielgeraden wären ein Verfehlen der Champions League und ein Pokalaus in Hamburg herbe Enttäuschungen.

Bundesweit geliebt, das werden die Leipziger nie sein, dafür haftet an ihnen zu sehr das Dosending und das Konzerngeld aus Fuschl am See. Aber wie sie aktuell kicken, mit stillen Leistungsträgern wie Kevin Kampl in der Zentrale oder Peter Gulacsi im Tor; wie sie ihre Ballkontrolle verfeinert haben, wie sie wieder wie früher mit hoher Drehzahl anlaufen und trotz ihrer offensiven Wucht besser verteidigen denn je - das nimmt die Liga mit Respekt zur Kenntnis. Auch ein Trainer aus Hoffenheim, für den die Messlatte bei den Rasenballern hoch liegen wird.

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