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Bundesliga: Mainz - Hoffenheim:Der sagenhafte siebte Streich

Lewis Holtby ist an vier Treffern beteiligt, selbst der Bundestrainer gluckst vor Freude: Der FSV Mainz 05 stellt mit einem 4:2 gegen Hoffenheim tatsächlich den Bundesliga-Startrekord ein.

Carsten Eberts

"Wie den Hoffenheimern vor zwei Jahren" werde es dem FSV Mainz 05 ergehen, sagte Franz Beckenbauer. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München gedachte wohl, mal wieder als erster einen Trend aufzuspüren - just bevor die Mainzer gegen Hoffenheim versuchen konnten, den Bundesliga-Startrekord einzustellen. Mainz würde also einbrechen, aus Mangel an internationaler Erfahrung, wie Hoffenheim, das 2008/09 als Hinrundenerster nur Gesamtsiebter wurde. Glaubte Beckenbauer.

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1:0 in der zweiten Spielminute: Lewis Holtby (links, fliegend) freut sich mit Adam Szalai (rechts) und Torschütze Sami Allagui.

(Foto: AFP)

Es dauerte gerade einmal hundert Sekunden, bis Mainz den Pessimisten und Fußballkaisern dieser Republik eindrucksvoll widersprochen hatte. Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw machte sich Demnächst-Nationalspieler Lewis Holtby auf den Weg, im perfekten Moment gelang ihm der perfekte Pass auf Adam Szalai, der rasant auf Hoffenheims Torhüter Tom Starke zusteuerte. Auch Szalai beherrscht die Kunst des richtigen Augenblicks: Er schaute kurz nach links, sah Sturmpartner Sami Allagui, der nur noch das leere Tor vor sich hatte - und traf.

Holtby, Szalai, Allagui

Was anschließend folgte, daran hat man sich in den vergangenen Wochen fast schon gewöhnt: strahlende Mainzer Gesichter, nach oben gerissene Arme, der Sprint mehrerer Spieler zur Eckfahne, ein beherzter Griff - und die Eckfahne wird zur Gitarre. Diesmal war es Szalai, der den Musikanten mimte.

Holtby, Szalai, Allagui - es waren also genau die Protagonisten, die bereits am überraschenden Mainzer Erfolg beim FC Bayern München den größten Anteil hatten. Holtbys Pass sei "allein das Eintrittsgeld wert gewesen", floskelte Bundestrainer Löw, der sich endgültig als großer Fan des blonden Mainzers outete. Doch es entwickelte sich kein einseitiges Spiel. Manch einer hatte zurecht prophezeiht, dass Mainz es gerade gegen Hoffenheim schwer haben würde: Gegen eine ähnlich spielstarke Mannschaft, die gleichfalls gutes Pressing beherrscht, deren Trainer Ralf Rangnick einst Lehrmeister des Mainzer Trainers Thomas Tuchel war.

Folglich schickte sich Hoffenheim trotz des frühen Rückstands an, den Spielverderber für den Mainzer Rekordversuch zu spielen. Das Team bestach mit frühzeitiger Abwehrarbeit, hatte vor allem durch Sehad Salihovic passable Möglichkeiten: Erst scheiterte er aus halblinker Position am blendend reagierenden Mainzer Torhüter Christian Wetklo (17.), zehn Minuten später setzte er einen Distanzschuss knapp drüber (27.). Folgerichtig der Ausgleich: Ein langer Antritt von Luiz Gustavo, der in den Lauf von Demba Ba passte, der den Ball gar nicht erst annahm, sondern mit ausgestreckten Bein direkt an Wetklo vorbei ins Netz bugsierte (41.).

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