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Hattrick von Timo Werner:Er demütigt Gladbachs Verteidiger

Kaum zu stoppen: Leipzigs Timo Werner.

(Foto: Martin Meissner/AP)
  • Timo Werner erzielt beim Leipziger 3:1 in Gladbach seine Saisontore drei bis fünf - und seinen ersten Hattrick in der Bundesliga.
  • Mit Werner in der Spitze spielt Leipzig gerade sehr attraktiven Fußball.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Timo Werner spreizte drei Finger ab, als er in der Nachspielzeit die rechte Hand in den Nachthimmel hob: Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Man kennt dieses Zeichen auch als Drei-Finger-Schwur, aber seine Treue zu RB Leipzig meinte der beste deutsche Mittelstürmer nicht, als er mit diesem Signal die Partie bei Borussia Mönchengladbach beendete. Werner hatte alle drei Tore geschossen zum 3:1-Endstand und Leipzig hatte damit auch sein drittes Spiel in dieser erst drei Spieltage alten Saison gewonnen.

Drei Tore, drei Siege und Werners Treueschwur - so viel kann in drei Fingern drinstecken. Werner jedenfalls fand hinterher verständlicherweise alles "super": die Leistung der Mannschaft, die Vorlagen seiner Mitspieler und im Vorausblick das nächste Spiel daheim gegen den FC Bayern München.

Mit neun Punkten aus drei Spielen ist Leipzig noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet, und Timo Werner noch nie mit fünf Toren in drei Spielen. Außerdem war es sein erster Bundesliga-Hattrick. Natürlich wurde er hinterher gefragt, ob er nicht doch richtig befreit aufspiele, nachdem diese monatelange Hängepartie mit seinem Vertrag jetzt beendet sei, aber auf diese Geschichte hat Werner verständlicherweise keine Lust mehr. "Das ist mir jetzt zu einfach, das immer wieder auf die Vertragsverlängerung zu schieben", sagte er - außerdem werde es dem attraktiven Spiel von RB Leipzig nicht gerecht.

"Sie haben mich wieder super bedient", schwärmt Werner

Vom Duell zweier Power-Mannschaften war zuvor die Rede gewesen, aber Gladbach spielt den erwünschten Hochgeschwindigkeits-Fußball seines neuen Trainers Marco Rose bislang wie ein Pianist, der Mozarts blitzschnellen Türkischen Marsch erst mal in langsamem Tempo üben muss. Die Leipziger hingegen müssen diese Art von Fußball nicht mehr üben, sie spielen ihren Mozart schon sehr schnell.

"Wir spielen einfach sehr gut da vorne mit unserer alt-eingespielten Truppe", sagte Werner über seine direkten Hinterleute Marcel Sabitzer, Kevin Kampl und Emil Forsberg. Die vier spielen alle schon länger bei RB, da kann bislang noch kaum ein Neuzugang mithalten. "Sie haben mich wieder super bedient", schwärmte Werner, "wir machen es als Mannschaft einfach sehr gut." Sie laufen viel, sie passen präzise, sie kreieren viele Chancen und haben in drei Spielen bereits neun davon genutzt.

Vor der Saison hatte der neue Trainer Julian Nagelsmann um Geduld gebeten und gesagt, es könne ein bisschen dauern, ehe die Mannschaft den idealen Fußball aus seinem Kopf spiele, aber nach einem Pokalsieg in Osnabrück und drei Siegen in der Bundesliga muss man sagen, dass die Mannschaft schon vieles gut macht. "Ja, sie setzen vieles schon gut um", sagt Nagelsmann, "aber es ist nicht so, dass ich nur blauen Himmel sehe." Dieses Spiel in Mönchengladbach sei das bislang beste der vier Pflichtspiele gewesen. Timo Werner sagte: "Wir spielen Fußball, wie wir ihn im Blut haben."

Der 23 Jahre alte Nationalstürmer hat aber offenbar vor allem Benzin in den Adern. Es war demütigend für die Gladbacher Innenverteidiger Matthias Ginter und Nico Elvedi, wie er ihnen bei den drei Toren (38., 48., 94.) weggelaufen ist. "Timo Werner hatte einen richtig guten Tag - aber das kommt schon mal vor bei einem Nationalspieler", sagte Gladbachtrainer Rose lakonisch. Einen Angreifer mit solchem Tempo hätte der gebürtige Leipziger gerne, aber da können Alassane Plea, Marcus Thuram und Breel Embolo nicht mithalten. Was das angeht, war Leipzigs Kapitän Willi Orban froh über die Mannschaftszugehörigkeit. "Es ist gut, dass Timo den neuen Vertrag unterschrieben hat", sagte Orban, "ich persönlich habe ihn einfach gern in der eigenen Mannschaft."

© SZ.de/ebc
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