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Bundesliga: Hertha BSC Berlin:Warten auf die Zauberformel

Hertha BSC Berlin befindet sich in einer desaströsen Lage. Für die Mitgliederversammlung am Montag kündigen die Verantwortlichen "klare Antworten" an.

S. Krass

Am Montagabend kommen die Mitglieder von Hertha BSC Berlin zu ihrer Jahreshauptversammlung zusammen, und die Lage vor diesem Treffen könnte aussichtsloser kaum sein: 14 Spieltage sind absolviert, gerade mal fünf Punkte hat die Hertha bisher erkämpft, und um wenigstens auf 35 Punkte zu kommen, müssten die Berliner zehn der ausstehenden 20 Spiele gewinnen - oder sieben Partien gewinnen und neunmal remis spielen. Bis zur Winterpause stehen in der Liga aber noch folgende Aufgaben an: Schalke auswärts, Leverkusen zu Hause und FC Bayern auswärts. Kurzum, Hertha ist so gut wie abgestiegen. In der Stadt leben Erinnerungen an die Saison 1990/1991 wieder auf: Hertha endete als abgeschlagener Letzter und brauchte sechs Jahre, um wieder hochzukommen.

Hertha-Coach Friedhelm Funkel malte nach dem 1:3 gegen Frankfurt ein verbales Panorama des Versagens.

(Foto: Foto: ddp)

Und niemand weiß, woher Hoffnung auf Besserung zu nehmen wäre. Als Trainer Friedhelm Funkel nach dem 1:3 gegen Frankfurt ein paar Worte sagen musste, malte er ein verbales Panorama des Versagens: "Die Mannschaft hat nicht gut verteidigt, im Mittelfeld viele Bälle leichtfertig verloren und sich vorne, vor allem in der ersten Halbzeit, überhaupt nicht durchsetzen zu können." Torhüter Jaroslav Drobny sagte es kürzer: "Jeder hat gesehen, wie schlecht wir sind."

An einem aber ließ Funkel keinen Zweifel: dass er mit seiner Mannschaft geschlossen am Montagabend zur Hertha-BSC-Mitgliederversammlung kommen wird, "das ist doch selbstverständlich" - trotz des Europa-League-Spiels in Ventspils/Lettland am Donnerstag. Von der Wut, die sich im Internationalen Congress Centrum Bahn brechen wird, dürfte der im Verein noch neue Trainer weitaus weniger abbekommen als Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer. Preetz sagt dennoch: "Größere Sorgen macht mir die Tabelle."

Gegenbauer versucht, von vornherein unliebsame Personaldebatten zu unterdrücken. Er sei "nach wie vor überzeugt, das Preetz und Funkel die richtigen Antworten finden werden", bekräftigt der Präsident. Um "den Bock umzustoßen", wird der Klub trotz des eigentlich unumstößlichen Sparkurses etwa 3,5 Millionen Euro für Wintertransfers bereitstellen. "Natürlich muss man das zurückbezahlen", sagt Gegenbauer. "Aber das wäre der geringere Schaden als zuzusehen, nicht die Wünsche der sportlichen Leitung zu erfüllen und abzusteigen."

Es wird nicht leicht, dies Geld sinnvoll auszugeben. Reflexhaft kursieren wieder die Namen Pantelic und Woronin. Aber welcher Spieler von Renommee tut sich die Rückrunde mit dieser Hertha an? Die Ankündigung von Verstärkungen ist sicher auch ein Versuch, die erwarteten etwa 1000 Mitglieder etwas milder zu stimmen. "Wir brauchen Ruhe im Umfeld", sagt Gegenbauer. "Die kann es nur geben, wenn wir am Montag klare Antworten geben. Die werden wir geben."

Was genau er damit meinte, blieb offen. Es müssten Zauberformeln sein, damit das klappt. Denn verschiedene Oppositionelle haben Anträge auf Abwahl des Präsidiums gestellt. Die Erfolgsaussichten sind allerdings marginal. Bisher war noch keine ernsthafte Alternative zu Gegenbauer zu erkennen, und es braucht ein Quorum von 75 Prozent, um ihn zu stürzen.

Da er also damit rechnen kann, trotz allem im Amt zu bleiben, musste Gegenbauer auch noch die Frage beantworten, ob der Verein schon anfange, für die zweite Liga zu planen. Das werde man erst tun, gab er zurück, "wenn's rechnerisch nicht mehr geht. Davon sind wir noch eine Weile weg."

© SZ vom 30.11.2009

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