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Bundesliga:Es wird düster für Labbadia

Hertha BSC v SV Werder Bremen - Bundesliga

Hat schon wieder verloren: Hertha-Trainer Bruno Labbadia.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)

An einem turbulenten Samstag mit 23 Toren und drei gehaltenen Elfmetern gewinnt Werder in Berlin, Leverkusen verliert, Frankfurt tanzt auf der Alm. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Carsten Scheele und Martin Schneider

Hertha BSC - Werder Bremen 1:4 (1:2), Tore: 0:1 Selke (10., Foulelfmeter), 0:2 Toprak (29.), 1:2 Cordoba (45.+2), 1:3 Bittencourt (57.), 1:4 Sargent (77.)

Der Unterschied zwischen Hertha BSC und anderen Bundesligateams? Oh, da gibt es aktuell viele. Einer war am Samstagabend im Olympiastadion zu bestaunen. Da erhielt Werder Bremen einen Elfmeter - Davie Selke trat an und schlenzte den Ball lässig wie selbstbewusst in den Winkel. Dann Elfmeter für Berlin, Matheus Cunha schnappte sich den Ball, er hatte seit November nicht mehr getroffen in der Bundesliga. Heraus kam ein Schüsschen, mit der Seite, in die Arme des Torwarts.

Für die Mannschaft von Bruno Labbadia, die es schon gewohnt ist, Rückschläge einzustecken, war dies der nächste Knacks. Ömer Toprak erhöhte für Werder sogar auf 2:0, ehe Jhon Cordoba, ziemlich unverhofft kurz vor der Pause zum Anschluss einköpfelte. Labbadias Team brauchte einen Sieg, vor allem, um ihrem Trainer den Job zu retten.

Das misslang gründlich: Nicht Hertha stürmte, sondern Werder, Leonardo Bittencourt drehte eine Pirouette, das 1:3. Dann Josh Sargent, aus 20 Metern, das 1:4. Labbadia verweilte ziemlich regungslos in seiner Coaching Zone. Er weiß: Nach so einem Spiel, nur einem Punkt aus vier Spielen und dem Absturz auf Platz 14 bleiben ihm wenig gute Argumente, weshalb er unbedingt weiter das ambitionierte Berliner Fußballprojekt anleiten sollte. Die nächsten Tage könnten düster werden.

Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg 0:1 (0:1), Tor: 0:1 Baku (35.)

Es war ein kleines Wunder, dass das Wolfsburger Führungstor durch Ridle Baku in der 35. Minute tatsächlich als erster Treffer dieser Partie notiert werden musste. Schließlich hatten sich beide Teams vom Anpfiff weg etliche sehr gute Gelegenheiten erspielt, nach einer halben Stunde hätte es 2:1, 2:2, aber auch 3:2 stehen können. Dann endlich flankte Wolfsburgs Renato Steffen in den Strafraum auf den freistehenden Baku - das 1:0.

Bislang hatten die Wolfsburger gegen alle Spitzenteams der Liga zuverlässig verloren, diesmal verteidigten sie ihre Führung ziemlich souverän. Wout Weghorst hätte fast auf 2:0 erhöht, scheiterte aber mit seinem Lupfer am langen Arm von Bayer-Torwart Hradecky. Auch Josip Brekalo hatte noch eine Riesengelegenheit. Leverkusen dagegen wehrte sich viel zu zaghaft, Daley Sinkgraven vergab noch die beste Chance zum Ausgleich. "Wolfsburg hat zu Recht gewonnen", urteilte Leverkusens Coach Peter Bosz: "Wir hatten am Ende nicht mehr die Kraft und die Frische am Ende."

FC Augsburg - Union Berlin 2:1 (1:1), Tore: 1:0 Niederlechner (17.), 1:1 Ingvartsen (25.), 2:1 Niederlechner (47.)

Es war das Spiel von Florian Niederlechner, ein bisschen auch von Ex-Unioner Rafal Gikiewicz. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams, die in der Bundesliga am besten darin sind, den Gegner in die Falle laufen zu lassen, begann ereignisreich. Niederlechner traf nach einem Spielzug aus dem FCA-Lehrbuch (langer Schlag, gewonnenes Kopfballduell, eiskalter Abschluss), Union konterte über den seit Wochen stark spielenden Marcus Ingvartsen. Danach musste Schiedsrichter Felix Brych sein Freistoßspray austauschen, es ging in die Pause und Niederlechner war sofort wieder da.

Einen André-Hahn-Schuss konnte Luthe nur zur Seite parieren, der Bayer schob zu seinem zweiten Saisontor ein. Kurz darauf verursachte wer einen Elfmeter? Richtig: Niederlechner, der Prömel am Fuß traf. Ingvartsen trat gegen seinen Ex-Torhüter an, eine fiese Situation, weil man sich ja aus diversen Trainings kennt - und vergab. Es blieb die beste Chance des Überraschungsteams aus Köpenick. Denn an der Aufgabe, gegen Augsburg einem Rückstand hinterher zu laufen, scheiterten schon mehrere Spitzenteams. "Das war eine absolute Willensleistung", freute sich Augsburgs Trainer Heiko Herrlich.

SC Freiburg - VfB Stuttgart 2:1 (2:1), Tore: 0:1 Wamangituka (7., nach Videobeweis), 1:1 Demirovic (14.), 2:1 Jeong (37.)

Wird Christian Streich vielleicht bald Trainer in Dortmund oder Gladbach? "Ich bin ja ein eitler Mensch, dann ist man ja auch geschmeichelt, wenn man ehrlich ist", sagte Streich am Samstagnachmittag im Fernsehen, er schmunzelte aber und schob hinterher: "Ich denke an solche Sachen nicht." Seine Freiburger haben trotzdem den nächsten Beweis geliefert, dass sie unter Streich ihre nächste richtig gute Saison spielen.

Stuttgart ging zwar in Führung, durch einen Treffer von Silas Wamangituka, bei dem der Kölner Videokeller eine Minute benötigte, um die Anerkennung auszusprechen. Danach erging es den Stuttgartern aber schlecht, erst schaffte Ermedin Demirovic den Ausgleich, dann stellte Woo-Yeong Jeong (37.) auf 2:1. Nicolas Gonzalez hatte vor der Pause per Elfmeter die Chance zum Ausgleich, Freiburgs Torwart Florian Müller parierte das Schüsschen aber mit einem Lächeln. In der zweiten Halbzeit stürmten die Stuttgarter wütend, die Freiburger schafften es nicht mal zu einem Entlastungsangriff, doch die Führung hielt, bis zum Schluss. "So viel Glück wie in der zweiten Halbzeit hatten wir in dieser Saison noch nicht", gab Streich zu.

Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 1:5 (1:3), Tore: 0:1 Silva (25.), 0:2 Kostic (27.), 0:3 Silva (33.), 1:3 Cordova (36.), 1:4 Nilsson (51., Eigentor), 1:5 Jovic (75.)

Zuletzt fiel auf, dass sich Arminia Bielefeld nicht an Absprachen hält. Zehn Punkte aus den vergangenen fünf Spielen, zuletzt das furiose 3:0 gegen den VfB Stuttgart, das war kaum vorgesehen beim nominellen Absteiger Nummer eins. Zum Rückrundenstart lässt sich jedoch konstatieren: Es gibt doch noch Spiele, in denen Bielefeld wie ein auf dem Papier chancenloser Aufsteiger auftritt. "Die hohe Niederlage schmerzt", sagte Arminia-Trainer Uwe Neuhaus.

Bei Frankfurt stand Luka Jovic erneut nicht in der Startelf, das machte aber nichts: Die Eintracht legte bestens los, Silva und Kostic erwirkten binnen acht Minuten eine Drei-Tore-Führung, von der sich die Arminia nicht mehr erholte. Sergio Cordova verkürzte zwar für Bielefeld, der Nachmittag nahm aber seinen Lauf. Jovic kam und traf natürlich auch noch. Trainer Adi Hütter konstatierte treffend: "Wir hatten einen richtig guten Tag."

1.FSV Mainz 05 - RB Leipzig 3:2 (2:2), Tore: 0:1 Adams (15.), 1:1 Niakhate (24.), 1:2 Halstenberg (30.), 2:2 Niakhaté (35.), 3:2 Barreiro (50.)

Bei keinem Spiel waren die Vorzeichen so eindeutig: Tabellenzweiter gegen Vorletzter und außerdem hat Leipzig Mainz mal mit 8:0 überfahren - und dann gewinnt Mainz und findet plötzlich verloren geglaubte Hoffnung auf den Klassenverbleib wieder. Schon zu Beginn des Spiels entwickelte sich auf dem Mainzer "Rasen" ein schöner Schlagabtausch. Erst staubte Tyler Adams nach einem Lattenknaller von Marcel Sabitzer ab, dann war Moussa Niakhaté zur Stelle, als Peter Gulacsi einen Dominik-Kohr-Kopfball (Startelfdebüt für Mainz zusammen mit seinem Ex-Frankfurt-Kollegen Danny da Costa) nach vorne abwehrte.

Auf Marcel Halstenbergs erneute Führung antwortete wieder Niakhaté nach einer Ecke - ausgerechnet Niakhaté, der im Spiel gegen Frankfurt noch zwei Elfmeter verursachte. "Was ist bloß mit Moussa Niakhaté los?" fragte die Allgemeine Zeitung danach.

Damit nicht genug: Nach Wiederanpfiff flitzte Da Costa bis zur Grundlinie durch, spielte scharf auf den kurzen Pfosten und bevor Gulacsi den Ball aufnehmen konnte, brachte Leandro Barreiro seinen Fuß dazwischen - die Führung. Die Leipziger Antwort folgte natürlich, Trainer Julian Nagelsmann wechselte offensiv, doch Robin Zentner parierte ein 18-Meter-Pfund von Christopher Nkunku, danach hielt er einen ebenso gefährlichen Versuch von Nordi Mukiele. Leipzig verpasste es, den Tabellenführer aus München zumindest ein wenig unter Druck zu setzen. "Grundsätzlich müssen wir über Bayern nicht sprechen, wenn wir die Spiele nicht gewinnen", motzte Nagelsmann.

© SZ
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