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Bundesliga:Finger in der Wunde

Der Fußballplatz, ein Ort der Schmerzen: Thomas Müller und André Hahn kriegen's im Gesicht ab, Karl-Heinz Rummenigge äußert beißende Kritik - und ein Schalker verletzt sich schwer. Die Verwundeten des Spieltags.

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Sebastian Langkamp

Borussia Dortmund v Hertha BSC - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Der Verteidiger von Hertha BSC Berlin ist nur 1,90 Meter groß. Das muss hier mal festgehalten werden, denn die Fußballwelt tat ihm unrecht. Julian Weigl aus Dortmund hatte ihm vorgeworfen "zwei Meter groß" zu sein, ein Riese quasi. Und als Riese lasse man sich doch nicht von einem Zwerg (namens Emre Mor), der "gefühlt nur einen Meter" hoch sei, einfach umwerfen.

Nach Mors Schubser flog Langkamp nach hinten, als hätte ihn eine Dampframme getroffen. Überraschenderweise trug der Hüne beim Aufprall auf dem Rasen keine Wunden davon. Mor (eigentlich statthafte 1,69 Meter hoch) sah Rot, Hertha holte einen Punkt. Immerhin rettete Langkamp die Ehre aller Riesen und gab seine Theatralik nach dem Spiel zu. "Es ist ein bisschen übertrieben, was ich aus der Szene gemacht habe. Das tut mir leid."

(hum)

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Karl-Heinz Rummenigge

Rummenigge verabschiedet Götze

Quelle: dpa

"Man muss hin und wieder den Finger in die Wunde legen, wenn eine Wunde da ist", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. Welche Wunde meinte er? Die fahrige taktische Vorstellung? Die vielen Fehlpässe? Die Platzwunde von Thomas Müller? Zu Müllers Glück nicht. Rummenigge meinte die "Einstellung" der Spieler. Diese müssten "eine andere Gangart zeigen".

Drei Spiele in Serie ohne Sieg, in Frankfurt in Überzahl noch das 2:2 gefangen und verdient nur einen Punkt geholt - das ist man in München nicht mehr gewohnt. Da muss Rummenigge eben den Finger in die Wunde legen, damit die Spieler dann die Wunden lecken können, um dem Trainer die Möglichkeit zu geben, die Wunden heilen zu lassen. So ungefähr jedenfalls.

(hum)

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Thomas Müller

Eintracht Frankfurt v Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Die einzig echte Wunde der Münchner trug Thomas Müller aus Frankfurt davon. Nach einem Zusammenprall mit dem Frankfurter Michael Hector lag er minutenlang neben dem Spielfeld, die Münchner Mediziner mussten seine Platzwunde über dem Auge versorgen.

Aber so was wirft einen echten Oberbayern selbstverständlich nicht um (Siehe Kollege Schweinsteiger damals in Rio!). Schwerer wiegt, dass der Müllerthomas in der Bundesliga einfach nicht mehr treffen will. Es ist ein Baustein der Münchner Probleme, zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr hatte er schon sechs Treffer erzielt. 2:2 in Frankfurt? "Das ist man als Bayern-Spieler nicht gewohnt und daran will man sich auch nicht gewöhnen." Finger in die Wunde gelegt. Recht so.

(hum)

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André Hahn

-

Quelle: AP

Zu den kernigsten Duellen zählen im Fußball bekanntlich jene Aufeinandertreffen, bei denen Stürmer es mit Torhütern zu tun bekommen. Wer einmal in einen Toni Schumacher oder Olli Kahn hineingelaufen ist, dem dröhnt heute noch die Birne. Der Gladbacher André Hahn weiß jetzt, dass auch ein René Adler ganz schön Aua machen kann. Hahn gegen Adler, das war gewissermaßen ein ganz eigenes Duell beim 0:0 zwischen der Borussia und dem HSV.

Erst scheiterte Hahn als einer von zwei Gladbachern per Elfmeter, dann wurde es bei einem Sprint plötzlich dunkel: Hahn rauschte so dermaßen in die Wand namens Adler hinein, dass er eine Rambo-Wunde am Mund davontrug. Dass der Hamburger die Partie hinterher als "geile Schlacht" beschrieb, wird Hahn wohl nur bedingt bestätigen können. Er verließ das Stadion wie ein vermöbelter Boxer.

(jbe)

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Breel Embolo

FC Augsburg v FC Schalke 04 - Bundesliga

Quelle: Adam Pretty/Getty

Mit "Horror-Verletzung" überschrieben Schweizer Medien das dramatische Bild, das Breel Embolo auf der Trage zeigte. Embolo ist einer begabtesten Fußballer des Landes und wenn dieser vor Schmerz schreiend zu Boden geht, bewegt das die Menschen. Der Stürmer des FC Schalke ahnte in diesem Moment schon, dass er sich folgenschwer verletzt hatte: Sein Augsburger Gegenspieler Konstantinos Stafylidis war ihm zwischen die Beine gerauscht. Bruch des linken Sprunggelenks, Bruch des Wadenbeins sowie einen Riss der Syndesmose und des Innenbandes lautete die Diagnose.

Dabei hatte Embolo nach Anlaufschwierigkeiten gerade seine Form gefunden, hatte seine Wucht entfaltet und Tore erzielt. Am Samstag lag der 19-Jährige schon auf dem Operationstisch, er fällt nun viele Monate aus. Seine Wunden werden noch länger sichtbar sein, der Ärger der Schalker dürfte andauern. Zum Beispiel bei Coach Markus Weinzierl, der sagte: "Absicht unterstelle ich ihm [Stafylidis] nicht, aber Dummheit." Zumindest entschuldigte sich der Grätschgrieche am nächsten Tag bei Embolo.

(schma)

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Christian Streich

TSG 1899 Hoffenheim v SC Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

"Machenschaft" ist ein schönes Wort und laut Duden-Definition eine "im Verborgenen abspielende, unlautere Handlung, Unternehmung, mit der sich jemand einen Vorteil zu verschaffen oder einem anderen zu schaden sucht." Freiburgs Trainer Christian Streich hatte diesen Begriff angesichts einiger fragwürdiger Entscheidungen nach dem 1:2 in Hoffenheim eingeführt. Näher erläutern wollte er seine Anschuldigungen nicht, aber jeder wusste, wem er eine unlautere Handlung vorwarf: Dem Gegner. "Wir werden hier als Aggressiv-Leader hingestellt. Wir! Freiburg! Unglaublich! Das habe ich erst gar nicht glauben können", tobte Streich.

Es sind seelische Wunden, die den Gerechtigkeitsfanatiker plagen, nachdem Hoffenheims Manager Alexander Rosen vor dem Spiel davon gesprochen hatte, dass Freiburgs Kampflust grenzwertig sei. Streich verstand die Fußballwelt nicht mehr und gestand, dass er sich wehren musste, "sonst steht überall, dass wir eine Kloppertruppe sind. Wir, die fairste Mannschaft der vergangenen Saison in der zweiten Liga." Ein wahrlich finsteres Szenario.

(schma)

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Antonio Čolak

1. FSV Mainz 05 v SV Darmstadt 98 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Auf ganz andere Weise verwundbar zeigte sich dagegen der Darmstädter Antonio-Mirko Čolak. Er bekam jenen Schmerz zu spüren, der fast jeden Fußballer irgendwann einmal heimsucht: Die Seuche vor dem Tor. Wie an diesem Spieltag üblich, verschoss der Angreifer in Mainz zunächst einen Elfmeter - seinen matten Versuch fischte FSV-Keeper Lössl so locker aus der Ecke, dass er dazu auch noch eine Fleischwurst vom Mainzer Marktfrühstück hätte verspeisen können.

Was Čolak dann aber in der zweiten Hälfte widerfuhr, tat wirklich weh: Nach einem Flachpass des Kollegen Schipplock hätte er zwei Meter vor dem Tor nur noch den Fuß hinhalten müssen. Aber genau diese Übung ist eben manchmal auch für Profis so schmerzhaft schwierig. Der Ball kullerte an Čolaks Fuß vorbei. Aua!

(jbe)

© SZ.de/jbe
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