Nascar-Fahrer Bubba Wallace:Es sind beachtliche Sprünge

Die aktuellen Veränderungen in der Rennserie mögen von außen wie Babyschritte wirken, es sind jedoch beachtliche Sprünge, und Wallace hat daran entscheidenden Anteil. Er war im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal auf einer Rennstrecke rassistisch beleidigt worden, 2003 wurde sein damals 19 Jahre alter Cousin von einem hellhäutigen Polizisten erschossen. Er habe sich nie als Aktivist gesehen, sagte er kürzlich der New York Times, doch hätten ihm die Ereignisse der vergangenen Wochen gezeigt, dass er seine Prominenz einsetzen müsse: Er lackierte nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd das Protest-Motto "Black Lives Matter" auf seinen Wagen und forderte Nascar auf, die Konföderationenflagge zu verbieten.

Die hellhäutigen Kollegen solidarisierten sich mit ihm, der siebenmalige Champion Jimmie Johnson organisierte ein gemeinsames Video gegen Rassismus mit Stars wie Dale Earnhardt junior und Kyle Busch. Es wirkte. Nascar verbot die Flagge, und der einzige, der sich darüber aufregte, war ein Fahrer, der schon lange kein Rennen mehr absolviert hatte. Es ist freilich nicht so, dass damit alle Probleme gelöst wären: Die Konföderationenflagge war auch in Talladega vereinzelt zu sehen, am Samstag flog jemand über die Rennstrecke und zog die Flagge sowie die Botschaft "Defund Nascar" (in Anlehnung daran, dass in den USA gefordert wird, Polizeimittel an andere Behörden zu leiten) hinter sich her. Und es gab den Strick in Wallace' Garage.

Bislang reagierte die Rennsportserie häufig zurückhaltend auf rassistische Elemente wie despektierliche Darstellungen des damaligen Präsidenten Barack Obama. Sie wollte das Kernpublikum nicht verärgern - doch nun gab es eine Todesdrohung gegen einen Fahrer, der letzte Schritt vor tatsächlicher Gewalt. Und der Galgen ist als rassistisches Symbol aus der Zeit der Segregation nicht zu leugnen. "Wir nehmen diese abscheuliche Tat sehr ernst", heißt es im Statement der Serie, das nicht weichgespült wirkt wie viele Mitteilungen bislang: "Wir werden alles dafür tun, die Verantwortlichen zu finden und von unserem Sport auszuschließen." Auch das FBI und die Abteilung für Bürgerrechte des Justizministeriums schalteten sich ein.

Es ist durchaus interessant, dass nun darüber spekuliert wird, dass Wallace oder Nascar den Galgenstrick platziert haben könnten. Der schwarze Schauspieler Jussie Smollett hatte 2019 einen rassistisch motivierten Überfall vorgetäuscht, um seine Popularität zu erhöhen. Es gibt noch immer eine Wir-gegen-die-Mentalität, nicht nur im US-Sport. Wallace sagte nach dem Rennen: "Wir sind noch lange nicht am Ziel." Die Nascar-Fahrer haben nun immerhin gezeigt, wo sie stehen: gegen Rassismus, gemeinsam.

© SZ vom 24.06.2020/jbe
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