Umstrittene Entscheidung im DFB-Pokal:Korrektur aus 50 Metern Entfernung

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Umstrittene Entscheidung im DFB-Pokal: Das Schiedsrichterteam erkennt das Tor von Niclas Füllkrug nicht an.

Das Schiedsrichterteam erkennt das Tor von Niclas Füllkrug nicht an.

(Foto: Ulrich Hufnagel/Imago)

Beim Sieg des SC Paderborn wird Werder Bremen ein Führungs-Tor in der Verlängerung aberkannt. In Abwesenheit des VAR interveniert dabei der Schiedsrichter-Assistent - was zu emotionalen Diskussionen führt.

Von Ulrich Hartmann

Niclas Füllkrug war außer sich. Werder Bremens Stürmer konnte sich gar nicht mehr beruhigen am Mittwochabend in Ostwestfalen. In der 11. Minute der halbstündigen Verlängerung war ihm ein Treffer zur 3:2-Führung nachträglich wieder aberkannt worden - obwohl es in Zweitrunden-Pokalspielen gar keinen Video-Assistenten gibt. Diese Funktion übernahmen in Paderborn aber kurzerhand der Schiedsrichter-Assistent Guido Kleve und der Vierte Offizielle Frederick Assmuth.

Sie wollen vom Spielfeldrand aus gesehen haben, dass dem Kopfballtor von Füllkrug ein Foul des Bremers Fabio Chiarodia am Paderborner Robert Leipertz vorausgegangen war. Der Schiedsrichter Frank Willenborg hatte das vermeintliche Foul nicht bemerkt, weil er dem Bremer Ilia Gruev beim Eckball zuschaute. Er informierte sich bei seinen Assistenten über deren Wahrnehmung des vermeintlichen Fouls und ließ daraufhin den Eckstoß wiederholen. Der Treffer wurde annulliert, es blieb beim 2:2. Später schied Bremen gegen den Zweitligisten SC Paderborn im Elfmeterschießen aus. Zu Füllkrugs Beruhigung trug das nicht bei.

Sein Problem formulierte der Bremer hernach so: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand aus 50 Metern sieht." Hinzu kam: Die Zeitlupe wirft Zweifel auf, ob das vermeintliche Foul überhaupt eines war. Somit ergaben sich gleich mehrere Bedenken sowohl an der Sinnhaftigkeit des Vorgehens als auch an der Richtigkeit der Entscheidung. Dass es bei nachträglicher Feststellung des Bremer Fouls nicht Freistoß für Paderborn gab, sondern eine Wiederholung der Bremer Ecke, schien auch fragwürdig, da der Ball beim vermeintlichen Vergehen schon in Bewegung zu sein schien.

Die Szene spielte sich im Detail so ab: In der 101. Minute schlug der Bremer Gruev gerade den Eckball herein, als im Strafraum der Paderborner Leipertz zu Boden ging, offenbar im Gesicht getroffen von der Schulter des Bremers Chiarodia. Von genau dieser Stelle aus köpfelte eine Sekunde später neben dem am Boden liegenden Leipertz der Bremer Füllkrug den Ball ins Tor. Willenborg zeigte auf den Mittelpunkt, erkannte den Treffer also an. Dann meldeten sich seine Assistenten, es gab ein Gespräch zwischen Assmuth, Willenborg und Kleve, ehe Willenborg anzeigte, dass die Ecke wiederholt wird.

Der weitreichende Eingriff des Assistenten war überdies verwirrend, weil für einen rechtmäßigen Video-Assistenten dieses strittige Foul nicht als Anlass zum Eingriff hätte gelten dürfen, da Willenborgs Entscheidung auf Tor definitiv keine klare Fehlentscheidung war. Schiedsrichter-Sprecher Lutz Michael Fröhlich war für eine Erklärung zunächst nicht zu erreichen.

Der ehemalige Schiedsrichter Manuel Gräfe twitterte: "Grundsätzlich ist Mut zur Verantwortung zu begrüßen, aber hier geht der Vierte Offizielle zu weit, denn das Risiko, dass man so weit weg etwas nicht richtig erfassen kann und falsch bewertet, ist zu groß. Und so liegt es hier auch: Es war kein Foulspiel. Der Treffer hätte zählen müssen."

"Bemerkenswert" nannte einigermaßen lakonisch der Bremer Trainer Ole Werner die Entscheidung. "Dass das Tor zurückgenommen wird, hat mich vor allem deshalb gewundert, weil diese Entscheidung der Vierte Offizielle aus sicherer Entfernung getroffen hat." Füllkrug hatte gar den Verdacht, dass "der Vierte Offizielle etwas zugerufen bekommen hat".

Für die Bremer ging mit diesem Pokalabend eine Reihe unerfreulicher Tage weiter, denn nachdem man am vergangenen Samstag in der Bundesliga mit 0:2 gegen Mainz verloren hatte, wurde der Stürmer Marvin Ducksch von seinem Klub vor dem Pokalspiel in Paderborn aus dem Kader gestrichen, weil er am Sonntag relevante Mannschaftstermine verpasst hatte. Gerüchte besagen, er habe in der Nacht zuvor ausgiebig gefeiert. Zufall oder nicht, ohne Ducksch taten sich die Bremer in Paderborn anfänglich schwer, lagen zur Pause mit 0:2 hinten und fanden erst spät ins Spiel. Leonardo Bittencourt (65.) und Mitchell Weiser (84.) retteten Bremen überhaupt erst in jene Verlängerung, in der es dann zur umstrittenen Szene kam.

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