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Brasiliens Fußball-Nationaltrainer:Scolari räumt das Feld

File photo of Brazil's coach Luiz Felipe Scolari reacting during their 2014 World Cup third-place playoff in Brasilia

Das war's: Brasiliens nationaler Fußballverband (CBF) bestätigt das Ende der Zusammenarbeit mir Trainer Luiz Felipe Scolari.

(Foto: REUTERS)

Er wurde 2002 als Weltmeister-Coach gefeiert, bei der WM 2014 wurde nun ihm die Schuld für das katastrophale Aus der brasilianischen Nationalmannschaft zugeschoben. Luiz Felipe Scolari reicht offiziell seinen Rücktritt ein, der Verband akzeptiert.

  • Der brasilianische Fußballverband bestätigt das Ende der Zusammenarbeit mit Trainer Luiz Felipe Scolari.
  • Der Ex-Weltmeister Tostão fordert eine "Revolution" im brasilianischen Fußball.

Fußballverband verkündet offizielles Aus von "Felipão" als Trainer der Nationalelf

Luiz Felipe Scolari hat sein Amt als brasilianischer Fußball-Nationaltrainer niedergelegt und damit die Konsequenzen aus einer am Ende desaströsen Fußball-WM gezogen. Der brasilianische Verband CBF gab am Montagabend wie erwartet das Ende der Zusammenarbeit mit dem 65-Jährigen bekannt. Scolari hatte tags zuvor seinen Rücktritt eingereicht, den der CBF akzeptierte. Damit endet die gescheiterte Mission Scolaris, der bei der WM 2002 noch mit der Seleção triumphiert hatte.

Tostão attestiert der Seleção Primitivität

Drastische Veränderungen hat die brasilianische Fußball-Legende Tostão gefordert. "Es müsste eine Revolution geben, alles müsste auf den Kopf gestellt werden, es bräuchte andere Persönlichkeiten mit einer anderen Vision, neue Trainer mit anderen Vorstellungen", sagte der Weltmeister von 1970 und angesehene Kolumnist zur Zeitung Die Welt. Bei den Verbandsfunktionären, denen er eine Mentalität der Korruption vorwirft, sieht Tostão jedoch "überhaupt keine Bereitschaft zur Veränderung".

Sportlich stellte der 67-Jährige dem Rekord-Weltmeister ein grottenschlechtes Zeugnis aus. "Unser Fußball ist primitiv. Es ist nicht der Fußball, der in den großen Clubs der Welt gespielt wird", sagte er. Brasilien agiere mit "vielen Fernschüssen, vielen langen Bällen, viel Rennen, Zweikämpfen und Einzelaktionen". Das deutsche Team spiele hingegen "den modernen Fußball dieser Zeit. Mit vielen Pässen, mit Ballbesitz und Spielkontrolle, mit außergewöhnlichen Spielern im Mittelfeld."

Die Brasilianer hatten sich zuletzt mit dem 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland - der höchsten Länderspiel-Niederlage überhaupt in der 100-jährigen Geschichte des CBF - und mit dem 0:3 gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei blamiert. Der angepeilte sechste WM-Titel wurde klar verpasst. Scolaris Vertrag wäre nach der WM ohnehin ausgelaufen.

Kompletter Trainerstab tritt zurück

Nach Informationen der Sportzeitung Lance hat der komplette Stab mit Parreira und Co-Trainer Flavio Murtosa seine Demission erklärt. Hinter den Kulissen ging es beim CBF zuletzt ähnlich drunter und drüber wie auf dem Platz. Der designierte Präsident Marco Polo Del Nero hatte sich für einen Verbleib des einst so beliebten "Felipão" ausgesprochen, zumindest für die nächsten Testspiele. Nach der Blamage im kleinen Finale sagte hingegen Noch-Verbandschef José Maria Marin, die Situation mit Scolari sei "unhaltbar". Als Nachfolgekandidaten gelten Adenor "Tite" Bacci (zuletzt Corinthians São Paulo) und U-20-Nationaltrainer Alexandre Gallo.

Die Zeit drängt für die Brasilianer: Am 5. September steht in Miami gegen Kolumbien das nächste Länderspiel an, danach geht es gegen Ecuador und im Oktober gegen Argentinien und die Türkei. 2015 steht die Copa América an und 2016 in Rio de Janeiro das olympische Fußball-Turnier.