Todesfälle im Boxen:Schwer erträgliche Bilder

Todesfälle im Boxen: Maxim Dadaschew (l.) ist einer von zwei Boxern, die innerhalb einer Woche aufgrund von Kopfverletzungen gestorben sind.

Maxim Dadaschew (l.) ist einer von zwei Boxern, die innerhalb einer Woche aufgrund von Kopfverletzungen gestorben sind.

(Foto: AFP)
  • Nach zwei Todesfällen innerhalb weniger Tage geht es im Boxen um die Gefahr von Gehirnverletzungen.
  • Einer der beiden Verstorbenen, der Argentinier Hugo Alfredo Santillán, hatte vor seinem Kampf eine Schutzsperre ignoriert.

Von Benedikt Warmbrunn

Manche Bilder, die der Boxsport erzeugt, sind nur schwer erträglich. Am vergangenen Samstag holte der Ringrichter in einer kleinen Halle in der Nähe von Buenos Aires die Kämpfer zu sich in die Ringmitte, die Urteilsverkündung stand an. Der Ringrichter fasste beide Boxer an den Händen, den Argentinier Hugo Alfredo Santillán an dessen rechter. Dann wurde knapp eine Minute lang das Urteil gesprochen. Es gibt ein Video von dieser Urteilsverkündung, darauf ist zu sehen, wie Santillán immer wieder kurz das Bewusstsein verliert. Sein Kopf kippt nach vorne, irgendwann der gesamte Oberkörper. Nach einer Minute zieht der Ringrichter beide Arme in die Höhe, ein Unentschieden. Santilláns Körper baumelt an der Hand des Ringrichters.

Santillán wurde sofort in eine Ecke gebracht, auf den Boden gelegt, kurzzeitig schien er wieder das Bewusstsein zu erlangen. Ein Arzt brachte eine Sauerstoffmaske, nach fünf Minuten wurde Santillán ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde er wegen eines Nierenversagens notoperiert, er fiel ins Koma. Während der Behandlung im Krankenhaus erlitt Santillán drei Herzattacken, eine davon am späten Mittwochabend. Am frühen Donnerstagmorgen erklärten die Ärzte ihn für tot.

Die Bilder von Santilláns letztem Kampf sind auch deshalb schwer erträglich, weil er bereits der zweite tote Boxer innerhalb weniger Tage ist. Am Dienstag war der Russe Maxim Dadaschew gestorben, der nach einem Kampf am Freitag in Maryland/USA notoperiert werden musste und anschließend ins künstliche Koma versetzt wurde; er hatte viele schwere Treffer kassiert, bevor der Kampf gestoppt wurde. Bei Santillán sind die Bilder aber auch schwer erträglich, weil sie von einer Frage überschattet werden: Hätte sein Tod verhindert werden können?

Statt auf auf seinen Trainer zu hören, trennte Santillán sich von ihm

Beim Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) sagen sie: ja. "Das ist schockierend", sagte Präsident Thomas Pütz dem Sportinformationsdienst. "Er wäre noch am Leben, wenn man auf uns gehört hätte."

Am 15. Juni hatte Santillán, 23, Rufname Dinamita, in Hamburg geboxt, gegen Artem Harutyunyan. Der Deutsche hatte klar gewonnen, Santillán hatte mehrere schwere Treffer kassiert. Der BDB, der als Dachverband die Veranstaltung begleitete, verhängte eine Schutzsperre bis zum 30. Juli. Zehn Tage vor deren Ende boxte Santillán wieder, obwohl ihm sein Trainer davon abriet. Statt auf ihn zu hören, trennte Santillán sich von ihm. Also kämpfte er gegen Eduardo Javier Abreu, es ging um den Latino-Silver-Titel.

Nach dem Ende der zehnten Runde riss Santillán noch selbst seine Arme in die Höhe. Raúl Quijano, der Santillán im Krankenhaus betreute, erzählte, dass ihm der Vater des Boxers berichtet habe, dass der Sohn beim Abstreifen der Handschuhe gesagt habe: "Ich glaube, ich habe gewonnen." Erst danach brach er zusammen. Im Krankenhaus entdeckten die Ärzte im Gehirn Schwellungen, die so groß waren, dass sie auch die anderen Organe beeinträchtigten.

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