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Boxen:Klitschko traute ihm schon seine Nachfolge zu

Eine leichte Aufgabe kommt da nicht auf Klitschko zu, als Anthony Joshua auf dem Podium sitzt, pressen sich die Arme wie Bowlingkugeln in die Ärmel. Körperlich hat Joshua keinerlei Nachteile, mit 1,98 Meter ist er genauso groß wie Klitschko, eine Reichweite von 2,08 Meter kommt auch seinem Jab zu Gute. Experten trauen ihm viel zu. Die beiden Boxer kennen sich schon länger, als der heute 27-jährige Joshua 2012 in London Olympia-Gold holte, bekam das auch Klitschko mit: "Als ich ihn da zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: Er wird mal in meine Fußstapfen treten."

Zwei Jahre später wählte ihn der langjährige Schwergewichts-Weltmeister als Sparringspartner aus. Mittlerweile hat Joshua 18 Profi-Kämpfe hinter sich, 18 Mal siegte er durch K.o.. "Das wird ein 50:50-Kampf", sagt Klitschko. "Wenn er gewinnt, werde ich ihm gratulieren. Wenn ich gewinne, werde ich ihm helfen, zurückzukommen." Klitschko hat seine Gegner stets respektiert, aber solche Sätze sind dann doch selten.

Für den jungen Briten geht es darum, den großen Durchbruch zu schaffen: Im Gegensatz zu vielen anderen Boxern weiß er, dass er die richtig großen Kämpfe noch nicht bestritten hat. "Ich bin jetzt IBF-Weltmeister", sagt Joshua, "aber nun liegt es an mir, die richtigen Leute zu besiegen, um in die Geschichte einzugehen." Tyson Fury klagte über Motivationsprobleme, weil er selber ja schon auf dem Boxthron angelangt sei, Anthony Joshua sagt: "Es geht nicht darum, einmal zu gewinnen. Es geht darum, es immer wieder zu tun." An gesunder Selbsteinschätzung fehlt es ihm nicht.

"Ich habe Respekt vor ihm, er ist eine Inspiration", sagt Joshua noch über Klitschko, kein Gepöbel, kein Gepose. "wir sind sozusagen Freunde", sagt Klitschko. In der Szene sorgte die Pressekonferenz sogleich für Erstaunen, Tyson Fury schimpfte auf Twitter, David Haye kommentierte: "Ich hoffe, keiner der beiden wird schwanger von dem verbalen Nümmerchen".

Ist der Auftritt der beiden Boxer nun zu langweilig, um einen Kampf verkaufen zu können? "Die Welt ist gerade verrückt genug", sagt Klitschko, "deswegen ist es gut, dass es hier anders ist." Ein Kampf, der rein sportlich dafür spricht, dass Ende April 90 000 Zuschauer ins Wembley-Stadion strömen - das wäre ja auch eine ganz hübsche Geschichte.

© SZ.de/hum/lala
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