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Boxen:Klitschko ist wütend auf kranken Fury

FILE PHOTO: Tyson Fury Announces his Retirement from Boxing on Twitter

Wladimir Klitschko (l.) gegen Tyson Fury: Bleibt wohl ein einmaliges Ereignis

(Foto: Dennis Grombkowski)
  • Wladimir Klitschko rechnet öffentlich mit seinem Bezwinger Tyson Fury ab: "Fury zieht das Boxen in den Schmutz", sagt der Boxer.
  • Fury ist in stationärer Behandlung wegen einer bipolaren Störung, er hat Kokain-Konsum zugegeben.
  • Der Boxsport macht nicht nur wegen der Affäre einen recht schmuddeligen Eindruck.

Von Saskia Aleythe

Wladimir Klitschko kann grimmig gucken. Auf eine besondere Art, er muss dafür nicht die Zähne fletschen oder die Augen zusammenkneifen, Klitschko steht einfach da, starrt seinen Gegenüber an und zieht die Mundwinkel leicht angewidert nach unten. Als er 2012 im Ring von Dereck Chisora ins Gesicht gespuckt wurde, blinzelte er ein bisschen und leckte sich die Lippen, lächelte sogar leicht. Ausrasten? Gibt es nicht bei Klitschko. Wütend sein schon.

Und wütend ist der 40-Jährige im Moment. Monatelang wurde er von Tyson Fury hingehalten, um einen Rückkampf zu bekommen und damit die Chance, sich seinen WM-Gürtel zurückzuholen. Nun muss er erfahren, dass der Brite seit Mai nicht trainiert hat. Und spätestens seit Mai auch weiß: Kämpfen wird er so schnell nicht mehr. "Fury zieht das Boxen in den Schmutz", sagte Klitschko der Bild-Zeitung. Sein Manager Bernd Bönte findet: Fury sei ein unfairer Typ. "Er belügt Fans und TV-Partner, hält Wladimir hin. Er blockiert die WM-Titel." Der Fall Fury ist längst nicht abgeschlossen, er hat moralische Komponenten hinzubekommen - steht aber auch für den speziellen Charakter des Boxgeschäfts.

Seit Montag weiß man, dass Fury in stationärer Behandlung ist wegen einer bipolaren Störung. Er sei manisch-depressiv, sagt Fury selber. Das bestätigte auch sein Onkel, der ihn trainiert, wenn er denn nun mal trainiert. Er wolle sterben, sagte Fury dem Rolling Stone, er hasse das Boxen und würde wegen seiner Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit der Irish Traveller schlimmer behandelt "als jeder Sklave im 19. Jahrhundert". Er habe in den vergangenen Monaten jede Menge gekokst, sei alkoholabhängig. Darf man einen kranken Menschen nun einen miesen Typen nennen?

Lust am großen Geld ist enorm

Fury war schon vor seinem Zusammenbruch kein Gentleman gewesen. "Frauen sind in der Küche und auf dem Rücken am besten aufgehoben", Zitat Tyson Fury, verheiratet, drei Kinder. Gegner hat er schon mit allem möglichen beschimpft, was die untersten Schubladen so hergeben. Und obwohl er sich in stationärer Behandlung befindet und meinte, er hätte genug vom Boxen, saß er eines Abends Ende September bei einem Boxkampf in Manchester. Dass Klitschko an seinen Motiven zweifelt, hat Gründe. Es ist ein schwieriges Metier, in dem sich die Beteiligten nun bewegen. Aber der Frust im Klitschko-Lager ist groß.

Den Boxer Fury muss man an dieser Stelle wohl außen vor lassen. Auch Tyson Fury hat ein Management, er hat einen Trainerstab um sich - Leute also, die durchaus wussten, wie es ihm geht. Die Verträge aushandelten und zwei Mal einen Kampf ansetzten, im Wissen, dass er nie zustande kommen wird. Oder waren alle verblendet im Angesicht der Millionen, die Fury als Kampfbörse bekommen sollte?

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