Boxen:Der Don unter den Königen

1988 - Mexico - Muhammad Ali with promotor Don King and Mike Tyson. ALI THE GREATEST PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY -; Boxen

Immer im Mittelpunkt: Don King 1988 zwischen Muhammad Ali (links) und Mike Tyson.

(Foto: ZUMA Press/Imago)

Ali, Frazier, Foreman, Tyson: Im Boxgeschäft wimmelt es von harten Typen. Aber keiner verbreitete so viel Schrecken wie Don King. An diesem Freitag wird der umstrittene Promoter 90 Jahre alt.

Von David Pfeifer

Man muss Don King nicht mögen, nur weil er sehr unterhaltsam ist. Natürlich schmunzelt man erst mal, wenn man ihn sieht, das ist ja vermutlich die Absicht, mit Albernheiten von der eigenen Bösartigkeit abzulenken, die grauen Haare wie unter Strom nach oben strebend, das Lachen festgefroren, immer einen Spruch für die Kameras. Doch der Mann ist nicht nur ein Seelenfänger und Menschenhändler, sondern ein Killer. Zum ersten Mal tötete King einen Mann, als dieser sein Wettbüro ausrauben wollte. King wurde freigesprochen: Notwehr. Dem zweiten schlug er mit einem Pistolenknauf lange auf den Schädel, und hinterher trat er auf ihn ein, so dass sein Opfer nach einigen Tagen im Koma starb. King wurde wegen Totschlags verurteilt und nach drei Jahren entlassen. Erst danach wurde aus Donald King, am 20. August 1931 in Cleveland, Ohio geboren, der Box-Promoter Don King, den die ganze Welt kennt, der einige der wichtigsten Boxkämpfe des vergangenen Jahrhunderts organisiert hat und zu seiner eigenen Marke wurde.

Spätestens seit den 1980er-Jahren stand er stets im Bild, wenn irgendwo ein hochklassiger Boxkampf gezeigt wurde. Er wedelte mit kleinen US-Fahnen, als Axel Schulz umstritten nach Punkten gegen George Foreman verlor. Aber auch wenn der frühe Mike Tyson in den Ring stieg, um wenige Minuten später als Sieger wieder heraus zu klettern, meistens einen gebrochenen Mann hinterlassend, war King in der Nähe. Es sagt viel über die Härte und Schläue von King, dass niemand Mike Tyson je so weh tun konnte wie der Box-Promoter, der dem Champion sehr viel Geld abgenommen hat. Tyson verabscheut King angeblich bis heute (mit Evander Holyfield, dem er einst im Kampf ein halbes Ohr abbiss, hat Tyson sich längst versöhnt).

Sein erster und vielleicht größter Coup: der "Rumble in the Jungle", Ali gegen Frazier

Don Kings erster großer Coup war der "Rumble in the Jungle", 1974, George Foreman gegen Muhammad Ali, zur Kunst überhöht durch den Dokumentarfilm "When We Were Kings". King ist in diesem Film immer wieder mal am Rande zu sehen, mit finsterem Blick, der Kampf in Kinshasa wäre ja beinahe ins Wasser gefallen, der Mann war im Stress. King hatte dem Diktator Mobutu Sese Seko viele Millionen Dollar abgequatscht, um den Kampf nach Zaire, in die heutige Republik Kongo, zu holen. Nachdem ihm das gelungen war, organisierte King gleich noch den "Thriller von Manila", den heute ebenfalls legendären dritten Kampf zwischen Ali und Joe Frazier, der unweigerlich folgen musste, für den philippinischen Diktator Ferdinand Marcos. Man muss Don King nicht mögen, nur weil er zwei der größten Schwergewichtskämpfe der Geschichte möglich gemacht hat.

Vitali vs. Wladimir: Die Klitschkos waren zu klug, sein Angebot anzunehmen

Natürlich war es auch Don King, der den alten und bereits von einer Parkinson-Krankheit gezeichneten Ali zu seinem vorletzten Kampf gegen Larry Holmes überredete. Holmes bat den Ringrichter im Verlauf dieser Begegnung, den Kampf abzubrechen, weil er sein einstiges Idol Ali nicht weiter demütigen wollte. Es war eine Weltmeisterschaft mit zwei Verlierern - gewonnen hat nur Don King. King veranstaltete noch viele Kämpfe und promotete weitere Boxer, er bot auch Vitali und Wladimir Klitschko an, gegeneinander anzutreten. In einer Dokumentation über ihr Leben erinnert sich Vitali Klitschko, wie sie bei Don King zu Gast waren und er die damals jungen, unbekannten Boxer unter Vertrag nehmen wollte. King setzte sich an sein Klavier, um den Klitschkos etwas Mozart vorzuspielen, "wir waren beeindruckt", erzählte Klitschko. "Aber ich ging an die Seite und sah, dass das Klavier selbst spielt." Sie lehnten ab.

Andere waren nicht so klug. Die Technik von Don King war der Überlieferung nach, Boxern einen riesigen Haufen Geld vor die Nase zu setzen und sie zur sofortigen Unterschrift zu drängen, ohne vorher noch mit einem Anwalt zu sprechen. Sonst dürften sie das Geld nicht mitnehmen. Einige konnten dieser Versuchung nicht widerstehen. Der Fotograf Neil Leifer, der King einmal mit Säcken voller Geld zwischen den beiden Box-Weltmeistern Evander Holyfield und Lennox Lewis fotografierte, sagt über den Promoter: "Würde ich wollen, dass meine Tochter mit Don King ausgeht? Auf keinen Fall. Andererseits: Wenn Sie Don King treffen, für ein Stück, das zweihundert Zeilen lang werden soll, würden Sie mit Material für zweitausend Zeilen zurückkommen." Don King wusste immer die Macht einer großen Erzählung zu nutzen, so vermarktet er sich und seine Kämpfe.

King hat den Wahlkampf eines anderen großen US-Entertainers unterstützt: Donald Trump. Er machte sich allerdings auch für andere stark, für Hillary Clinton organisierte er Charity-Dinner, auch Barack Obama fand er toll. King prägte den Slogan "Only in America", der eigentlich nichts sagt und trotzdem hängen bleibt. Im fünften und schwächsten Teil der "Rocky"-Saga wird er von Richard Gant kaum verhüllt dargestellt - aber an King kommt kein Schauspieler heran, er agiert immer schon als seine eigene Karikatur. Er raucht dicke Zigarren, trägt funkelnde Uhren und lacht auch, wenn es nichts zu lachen gibt. Man muss Don King wegen all dem nicht mögen, und hier folgt kein "aber". Vielleicht gehört er zu jener Seite des Lebens, die man aushalten können muss, auf der böse Menschen schlechte Dinge tun und damit durchkommen. So wie Don King - an diesem Freitag schon seit 90 Jahren.

© SZ/sjo/aum
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