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Neuer Trainer in Leverkusen:"Deutschland hat nicht den richtigen Peter Bosz gesehen"

Vorstellung Peter Bosz bei Bayer Leverkusen

„Man kann nur offensiven Fußball spielen, wenn die Verteidigung gut organisiert ist“: Diese Erkenntnis hat Peter Bosz aus seiner turbulenten Zeit in Dortmund mit nach Leverkusen gebracht.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Bei Borussia Dortmund scheiterte Peter Bosz mit seinem kompromisslosen Offensiv-Fußball. Nun will er bei Bayer 04 seine Fehler korrigieren.
  • Ausschlaggebend für die Verpflichtung war aber sein hervorragender Ruf als Ausbildungstrainer.
  • In Leverkusen bekommt er eine Mannschaft aus vielversprechenden Talenten.

Ulrich Hartmann

Am Freitag wurde Peter Bosz als Trainer von Bayer Leverkusen vorgestellt und dabei sehr für seinen Fußball gelobt. "Peter Bosz steht für offensiven und attraktiven Fußball", schwärmte Sportdirektor Simon Rolfes. Am Freitag war es eineinhalb Jahre her, dass Bosz als Trainer in Dortmund vorgestellt und dabei auch sehr für seinen Fußball gelobt worden war. Im Juni 2017 hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc den Bosz-Fußball als "frisch und attackierend" angekündigt, "mit ausgeprägter Struktur im Ballbesitz, gutem Gegenpressing und guter Balance". Das mit der Balance hat sich allerdings als falsch herausgestellt. Das Verhalten nach Ballverlusten war katastrophal. Nach 163 Tagen wurde Bosz im Dezember 2017 entlassen.

"Seit damals wollte ich zurück in die Bundesliga", sagte der 55-Jährige am Freitag, "ich war noch nicht fertig mit der Bundesliga, die Menschen in Deutschland haben noch nicht den richtigen Trainer Peter Bosz gesehen." In den ersten sieben Liga-Spielen unter Bosz waren Dortmund sechs Siege und ein Unentschieden gelungen, in den nächsten acht Spielen gab es drei Unentschieden und fünf Niederlagen.

Dortmunds damaliger Absturz hat der Reputation des Niederländers Schrammen versetzt. "Viele Faktoren haben in Dortmund aber nicht gerade zu einer harmonischen Saison beigetragen", behauptet Bayers Sportvorstand Rudi Völler, "deshalb war es auch für Peter Bosz schwierig, und es ändert nichts an seinen Qualitäten." Die Leverkusener hatten Bosz bereits im Sommer 2017 verpflichten wollen. Nach dessen Absage entschied der Klub sich für Heiko Herrlich, den man nun wegen "stagnierender Leistungen" beurlaubt hat. Leverkusen ist Tabellenneunter.

Seinen guten Ruf hat Bosz vor knapp zwei Jahren erworben, als er mit einem jungen, attraktiv spielenden Ajax Amsterdam ins Endspiel der Europa League eingezogen war, wo sein Team 0:2 gegen Manchester United verlor. Für Ajax spielten damals Davy Klassen (heute Bremen), Justin Kluivert (heute AS Rom) oder Jairo Riedewald (heute Crystal Palace) sowie bis heute Frenkie de Jong, 21, und Matthijs de Ligt, 19, um die sich europäische Topklubs streiten. Bosz war eine Saison bei Ajax, hat diese Talente aber auf den Weg gebracht.

Selbiges erhoffen sich die Leverkusener: attraktiven und erfolgreichen Fußball mit jungen Burschen, die so ansehnlich spielen, dass sie bei wachsendem Interesse kontinentaler Großklubs wenigstens eine respektable Ablöse einbringen. Bei Bayer heißen diese Talente: Paulinho, 18, Kai Havertz, 19, Leon Bailey, 21, Julian Brandt, 22, Jonathan Tah, 22, Tin Jedvaj, 23, und Dominik Kohr, 24. Der älteste Feldspieler ist Julian Baumgartlinger, 31.

Natürlich wurde Bosz gefragt, was er in Dortmund falsch gemacht hat und welche Fehler er nicht wiederholen wolle. Er antwortete sehr oberflächlich. "Alle Fehler, die ich in Dortmund gemacht habe, muss ich in Leverkusen nicht mehr machen", sagte er. "Ich glaube, ich habe dort Fehler gemacht, aber es geht nun darum, daraus zu lernen." Die Essenz seiner Fehler in Dortmund und dessen, was er fortan besser machen will, fand sich in diesem einen Satz von Bosz: "Offensiver und attraktiver Fußball muss immer kompakt sein, wir müssen als Mannschaft nach vorne kompakt stehen und nach hinten - man kann nur offensiven Fußball spielen, wenn die Verteidigung gut organisiert ist."

Bei Völler weckt Bosz Hoffnungen auf attraktiven und erfolgreichen Fußball, wie ihn Bayer von 2014 bis 2017 unter Roger Schmidt gespielt hat. "Auch Peter Bosz steht für einen Fußball, der unseren Spielern entgegenkommt, weil sie jung und schnell und gut am Ball sind und einen gewissen Vorwärtsdrang haben." Diesen Fußball, sagt Völler, "hat Peter in Dortmund sicher nicht so rüberbringen können, wie er es gerne gehabt hätte".

In Leverkusen bekommt Bosz also eine zweite Chance. Aber er hat auch hier nicht viel Zeit. Schon am 19. Januar geht die Rückrunde los. Die ersten Gegner heißen Mönchengladbach, Wolfsburg und Bayern München.

© SZ vom 05.01.2019/schm
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