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Borussia Dortmund:Ärger mit Tradition

Meinungsverschiedenheit: Schiedsrichter Marco Fritz und die Dortmunder Marwin Hitz, Emre Can und Mats Hummels (v.l.)

(Foto: Andreas Gebert/AFP)

Nicht zum ersten Mal fühlt sich der BVB nach einer Niederlage gegen den FC Bayern vom Schiedsrichter benachteiligt.

Für Borussia Dortmund war die Sache klar, auch am Sonntag noch, als die Gemüter sich abgekühlt hatten. Aus BVB-Sicht hatte Schiedsrichter Marco Fritz das Spiel zugunsten des FC Bayern zumindest mit entschieden. "Wäre die Szene umgekehrt gewesen, hätte der Schiedsrichter Foul für die Bayern gepfiffen, hundertprozentig", reklamierte BVB-Kapitän Marco Reus ungewohnt deutlich, "so eine Kleinigkeit entscheidet am Ende das Spiel." Und auch Dortmunds Trainer Edin Terzic schlug bei der Bewertung der fraglichen Szene, unmittelbar vor dem Bayern-Treffer zum 3:2, in dieselbe Kerbe: "Es ist ein klares Foulspiel. Andere solcher Zweikämpfe sind zuvor gegen uns gepfiffen worden. Das war die Schlüsselszene des Spiels. Deshalb fahren wir ohne Punkt nach Hause."

Was war geschehen? In der 87. Minute hatte Leroy Sané bei einem Mittelfeld-Laufduell Dortmunds Emre Can umgerempelt. Die wichtigste Balleroberung des Spiels, denn ein paar Sekunden später fiel das 3:2 für München. Fritz bewertete die Aktion von Sané offenbar als erlaubte Härte. Auch die VAR-Assistenz mochte ihn nicht korrigieren.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schloss sich dagegen seinen Spielern und seinem Trainer an: "Auch einen großen, athletischen Mann wie Can kann man mit so einem Bodycheck umhauen. Wer Fußball gespielt hat, weiß, dass es in vollem Lauf nur den richtigen Moment für den Impuls braucht, und man wirft jeden um." Can wollte sogar insgesamt wahrgenommen haben, dass "in der zweiten Halbzeit nur noch gegen uns" gepfiffen wurde.

Dortmund hat eine gewisse Historie, sich in den Duellen mit dem Münchner Rivalen benachteiligt zu fühlen. Vor zehn Monaten das letzte Mal, als Jérôme Boateng im Liegen den Ellbogen abwinkelte, und einen Schuss von Erling Haaland im Strafraum ablenkte. Statt eines Elfmeters, der vielleicht den Ausgleich für den BVB gebracht hätte, gewannen mal wieder die Bayern, 1:0. Am allerbesten ist in Dortmund aber noch immer jene Fehlentscheidung von Schiedsrichter Florian Meyer aus dem Pokal-Endspiel 2014 in Erinnerung. Ein Kopfball von Mats Hummels hatte fast einen ganzen Meter die Bayern-Torlinie überquert, wie Videobilder und Fotos belegten. Statt einer vorentscheidenden Führung für den BVB siegten am Ende die Bayern.

Nun waren bei einigen Aufeinandertreffen in der jüngeren Vergangenheit allerdings auch oft keine wegweisenden Schiedsrichterentscheidungen notwendig; 0:4, 0:5 und 0:6 gingen etwa die vorangegangenen Gastspiele in München in der Liga verloren. Und auch am Samstag war die Dominanz des FC Bayern nach Dortmunds starker Anfangsphase recht eindeutig. Der BVB sei "insgesamt nicht gut genug" gewesen, sagte Can.

Über die Schiedsrichterentscheidung ärgerte sich Watzke trotzdem am Sonntag noch. "Als unser Mo Dahoud vor einer Woche in Gladbach in ganz ähnlicher Weise rempelt, wie jetzt hier Sané, bekommt er dafür eine Gelb-Rote Karte, aber hier gibt es nicht einmal ein Foulspiel." Dortmund monierte außerdem, dass Joshua Kimmich Marco Reus im Strafraum von hinten umgestoßen hatte, und es auch da keinen Pfiff von Fritz gab.

Weitere eher schlechte Nachrichten für den BVB kamen aus dem Lazarett. Zwar kann der in München angeschlagen ausgewechselte Haaland im Champions League-Achtelfinale gegen den FC Sevilla (Hinspiel 3:2 für Dortmund) am Dienstag wieder spielen. Jadon Sancho fällt allerdings aus, mit einer "nicht leichten Muskelverletzung", wie Sportchef Michael Zorc sagte. Auch der Einsatz von Raphael Guerreiro und Giovanni Reyna ist fraglich. Bayern ist zur Zeit nicht Dortmunds Maßstab. Sevilla ist wichtiger, und Platz drei oder vier in der Bundesliga.

© SZ/fse/sjo
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