Biathlon "Es ist nicht so, dass Laura Trübsal bläst"

Laura Dahlmeier hat schon immer auf einer Art Parallel-Auszeit bestanden, sie braucht neben dem Biathlon einen Ausgleich, der über Lesen, Netflix und Shoppen hinaus geht. Dahlmeier fährt manchmal für die Bergwacht verletzte Skifahrer mit dem Akia zu Tal, sie kletterte schon auf den El Capitan im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien, sie wanderte im Himalaya und in den Anden und in diesem Sommer eben in Georgien, ausgehend vom Basislager in Uschguli. Dort, berichtete sie dem Münchner Merkur, "bist du wirklich eingetaucht in eine ganz andere Welt".

Die Frage, ob diese ganz andere Welt nicht demnächst faszinierender ist als Goldmedaillen und Blumensträuße, stellt sich schon länger, und vermutlich wird sie immer dringender. Für die deutschen Biathletinnen wäre es dennoch wichtig, dass Dahlmeier das Biathlon, den Zweikampf gegen Erschöpfung und die eigenen Nerven, noch ein paar Jahre herausfordernd genug findet und weitermacht. Denn das restliche Frauenteam besteht eingangs des nächsten Zyklus in Richtung Olympia 2022 mehrheitlich aus älteren Kolleginnen mit unsicherer Prognose.

Doch wie es aussieht, ist die Sorge vor einem plötzlichen Rückzug Dahlmeiers übertrieben. Fürs Biathlon, sagt sie, brauche sie drei Dinge; zunächst Ehrgeiz und Spaß, beides hatte sie sich nach dem Winterstress unter anderem in Georgien zurückgeholt; im Sommer erklärte sie, sie sei wieder "supermotiviert". Hinter dieser schwer abschätzbar langen Auszeit dürften also keine Motivationsprobleme stecken, wie sie zuweilen große Skispringer ereilen. "Es ist nicht so, dass Laura Trübsal bläst", sagt DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach.

Bleibt noch die dritte Komponente, die Dahlmeier für ihren Sport braucht, nämlich die Gesundheit. Da hat sich einiges im Zeitplan verzögert, jedoch nicht so stark, dass die ganze Saison samt der Weltmeisterschaften in Schweden in Gefahr wäre. Ein Rückzug samt neuem Anlauf ist in ihrer Lage wohl die klügste Entscheidung, gerade weil die WM erst im März stattfindet.

Dennoch, die Entscheidung, mal alles ruhen zu lassen, "fällt mir wirklich nicht leicht", hat Dahlmeier noch gesagt, und auch, dass ihr Ziel weiterhin die WM 2020 in Antholz/Südtirol sei. So ein Bekenntnis klingt bei vielen Sportlern beschwichtigend, aber die Akia-Fahrerin und Kletterin Dahlmeier wirkt nicht so, sie meint das schon, was sie sagt.

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