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Berlin-Marathon:Comeback im November?

FILE PHOTO: Berlin Marathon

„Wir können nicht 60 000 Leute annehmen und die Verluste, die wir jetzt irgendwo machen, wieder auffangen“: Szene vom Berlin-Marathon 2018.

(Foto: Fabrizio Bensch/Reuters)

Der Berliner Senat verbietet Großveranstaltungen bis zum 24. Oktober. Die Veranstalter des Berlin-Marathons versuchen nun zu retten, was zu retten ist.

Als das Telefon bei Jürgen Lock am Dienstagnachmittag klingelte, musste sich der Geschäftsführer des SCC Berlin erst einmal sammeln. Ein Journalist wollte ein erstes Statement einholen, was der Organisator des Berlin-Marathons zur Absage des Berlin-Marathons zu sagen habe, Lock selber wusste von den Neuigkeiten allerdings noch gar nichts. Am Morgen hatte der Berliner Senat beschlossen, Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis einschließlich 24. Oktober aufgrund der Corona-Pandemie zu verbieten, und am Nachmittag dazu eine Pressekonferenz veranstaltet. "Ich hätte mir gewünscht, dass man zwischendurch mal zum Telefonhörer greift und mich informiert", sagt Lock.

Am 27. September hätte der größte Marathon Deutschlands stattfinden sollen, dieser Termin ist nun Geschichte. Derzeit prüft Lock mit seinen Mitarbeitern, ob das Massenevent nicht doch noch in diesem Jahr veranstaltet werden kann; also statt abgesagt auf einen Termin nach dem 24. Oktober verlegt wird. Denn ein Jahr ohne Marathon ist ein verlorenes Jahr für den Veranstalter, bei laufenden Kosten und 70 Mitarbeitern entsteht ein Schaden, der nicht so einfach behoben werden kann. Das Teilnehmerfeld etwa im kommenden Jahr aufzustocken ist kein realistisches Szenario, weil die Sicherheitskonzepte nicht mehr als die jetzt angemeldeten 44 000 Teilnehmer zulassen. "Wir können nicht 60 000 Leute annehmen und die Verluste, die wir jetzt irgendwo machen, wieder auffangen", sagt Lock. "Was weg ist, ist weg."

Der Grübelmodus ist nun also angelaufen, irgendwie noch zu retten, was zu retten ist. "Der November ist jetzt nicht der schönste Monat in Berlin", sagt Lock über einen möglichen Alternativtermin noch in diesem Jahr, zudem muss jede Menge koordiniert werden: mit den Teilnehmern aus aller Welt, die unterschiedlichsten Reisebeschränkungen unterliegen, mit den verfügbaren Mitarbeitern, Helfern, Dienstleistern, mit Parallelveranstaltungen in der Stadt. Verständnis für den Senatsbeschluss hat Lock auf jeden Fall, die Corona-Pandemie sei nicht klein zu reden. Allerdings werde zu wenig diskutiert, "was die Sportbranche für die Wirtschaft ausmacht. Da hängen so viele Dienstleister und Branchen mit dran und damit auch Menschen und Arbeitsplätze, die das nächste Dreivierteljahr keinen Geschäftszweck mehr haben".

Auch das traditionelle Leichtathletik-Meeting Istaf, das am 13. September im Berliner Olympiastadion stattfinden soll, ist von den Berliner Beschlüssen betroffen. Man wolle keine voreiligen Schlüsse ziehen und nun alle "erdenklichen Szenarien durchspielen", teilte am Mittwoch Meeting-Direktor Martin Seeber mit. Eine Veranstaltung vor leeren Zuschauerrängen würde allerdings die Haupteinnahmequelle zum Versiegen bringen.

Wie für einen Großteil der Menschheit waren die vergangenen Wochen für die Veranstalter von Ungewissheit geprägt; und für Jürgen Lock sind ja schon diverse Events weggebrochen. Am 5. April hätte der Halbmarathon stattfinden sollen, der Frauenlauf am 16. Mai hätte 10 000 Teilnehmerinnen auf die Straßen gebracht, im Juni die Team-Staffel über 30 000 Läufer angelockt. "Wir sind als Sportbranche genauso betroffen wie die Gastronomie oder der Handel", findet Lock. Dass die Fußball-Bundesliga im Mai wohl wieder starten wird (wenn auch vor leeren Rängen), kann er aus wirtschaftlicher Sicht verstehen, zu vergleichen sei das mit Massenevents wie den Läufen in Berlin nicht. Und doch würde er sich mehr Weitblick in der Politik wünschen. "Man darf nicht außer Acht lassen, dass es noch andere Sportvereine in anderen Sportarten gibt, denen es genauso schlecht geht oder noch schlechter."

© SZ vom 23.04.2020/schm
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