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Beachhandball:Wenn der Bikini stört

2019 07 04 Stare Jablonki Pilka reczna plazowa Kobiet Mistrzostwa Europy EURO 2019 Polska Norwegia; Katinka Haltvik Beachhandball Norwegen

Bei der EM waren die Hosen der Norwegerinnen (vorne im Bild Katinka Haltvik) etwas kürzer, aber immer noch zu lang (Archivbild).

(Foto: Marcin Bulanda/Imago)

Norwegens Beachhandball-Spielerinnen werden bestraft, weil sie mit eng anliegenden Shorts antreten - und nicht in Bikini-Höschen. Es ist eine Eskalation mit Ansage.

Von Saskia Aleythe

Es geht um ein paar Zentimeter Stoff, und die Sache mit der Kleidung ist Katinka Haltvik schon länger ein Anliegen. Die 30-Jährige ist nicht irgendwer im Beachhandball, mit den Norwegerinnen hat sie schon einige Medaillen gewonnen, die Mutter war einst in der Halle Welthandballerin. Doch wohlgefühlt hat sich Haltvik bei ihren Auftritten auf Sand nicht immer.

Grund ist die Kleidervorschrift, vor allem die Bikini-Höschen, die sie verpflichtend tragen soll. "Man beschäftigt sich mehr damit, dass sie nicht verrutschen, als mit Handball", hat Haltvik einmal gesagt und gegenüber dem norwegischen Sender NRK auch ganz deutlich gemacht: Sie kenne Leute, die sich deswegen erst gar nicht an den Sport herantrauen.

Erst im vergangenen Jahr war der Weltverband (IHF) daran gescheitert, Beachhandball ins olympische Programm zu heben, in besonders gutem Licht stehen die Verbände nun auch nicht da: Weil sich Haltvik und ihre Kolleginnen bei der jüngst beendeten Europameisterschaft in Bulgarien im Spiel um Platz drei weigerten, in Bikinihosen aufzutreten und stattdessen in eng anliegenden Shorts aufliefen, brummte ihnen der Europäische Handballverband (EHF) eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro auf, 150 Euro für jede Spielerin. Die Begründung: "unangemessene Bekleidung". Nur zehn Zentimeter breit darf die Hose an den Seiten sein. Es ist eine Eskalation mit Ansage: Schon seit Jahren versuchen die Offiziellen aus Norwegen, sich gegen den Dresscode zu wehren.

"Die Spielerinnen sagen mir, sie fühlen sich unwohl, nackt und beobachtet", sagt eine Trainerin

Vom eigenen Verband erhielten die Norwegerinnen daher auch volle Unterstützung, Präsident Kare Geir Lio hatte noch im April im Guten versucht, die Änderung der Kleiderordnung bei der EHF anzustoßen und beim Dachverband IHF durchzubringen. "Wir haben es satt, dass die Kleidung eine Einschränkung für Leute ist, die Beachhandball spielen wollen", sagt Lio damals. Der europäische Verband wollte sich schließlich mit dem Weltverband darüber austauschen, aber passiert war bis zu dieser EM - die das deutsche Team mit dem Titel beendete - nichts.

Also stellten die Norweger erneut einen Antrag. Dieser wurde abgelehnt mit dem Verweis auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Euro pro Person und Spiel, so Haltvik. Die Norwegerinnen wollten das akzeptieren, der eigene Verband war bereit, die Gebühr zu zahlen, darauffolgend hätte man ihnen mit Disqualifikation gedroht. Der europäische Verband bestreitet das, man werde die Regelung nun überprüfen.

Tatsächlich hat der Vorfall für einigen Wirbel in der Szene gesorgt, auch aus anderen Nationen solidarisieren sich Sportlerinnen mit den Norwegerinnen. Frankreichs Nationaltrainerin Valerie Nicolas sagte der Zeitung Verdens Gang, auch sie kenne Spielerinnen, die wegen der Kleidung den Sport aufgegeben hätten: "Die Spielerinnen sagen mir, sie fühlen sich unwohl, nackt und beobachtet. Das ist ein Sport mit viel Bewegung, da stört ein Bikini. Es gibt keinen Komfort in der Hinsicht auf Menstruation oder auch in Verbindung mit religiösen Gründen." Und am eindrücklichsten fasste schließlich Katinka Haltvik die Lage zusammen: Der Sport solle inklusiv sein und niemanden ausschließen. Daran sollten nicht zuletzt die Verbände gesteigertes Interesse haben.

© SZ/ebc/tbr
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