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Belastung im Fußball:Die vielleicht einzige Chance gegen Bayern

European Super Cup - Bayern Munich v Sevilla

Manuel Neuer bewahrt David Alaba und Serge Gnabry vor Wadenkrämpfen im Supercup-Finale.

(Foto: Pool via REUTERS)

Die Münchner gehen die eng getaktete Spielzeit aktuell mit einem sehr kleinen Kader an. In einem müde gespielten Meister könnte die Hoffnung auf eine spannende Saison liegen.

Kommentar von Sebastian Fischer

Wahrscheinlich muss man sich als Fußballprofi langsam beeilen, sonst sind die feinsten Zimmer mit Meerblick auf Mykonos oder Ibiza demnächst schon ausgebucht - für den Sommer 2023. Das könnte das Sehnsuchtsdatum sein, zumindest für Nationalspieler, wenn nun eine Saison beginnt, wie es sie noch nie gegeben hat, der sich eine weitere Saison anschließt, wie es sie noch nie gegeben hat. 2020/2021 ist durch Corona eine Spielzeit ohne Pause, es folgen EM und Olympia sowie 2022 eine WM in der Winterhitze von Katar. 2023 könnten Nationalspieler womöglich erstmals wieder so richtig Urlaub machen - vorausgesetzt natürlich, den Verbänden fallen bis dahin nicht noch ein paar Supercups und Superligen ein, die sich in Risiko- oder sonstigen Krisengebieten ausrichten ließen. 2023: Welches soziale Netzwerk dann wohl das angesagteste für Urlaubsfotos sein wird?

"Es hat zum Schluss vielen sehr wehgetan", das hat Trainer Hansi Flick nach dem 2:1 des FC Bayern im Supercup gegen den FC Sevilla gesagt. Man muss deshalb nicht unbedingt Mitleid haben, aber die Szenen in der Verlängerung in Budapest waren das erste Indiz für den Irrsinn, den der Terminkalender in diesem Jahr auslöst. Selbst Leon Goretzka, der mit seiner in der Corona-Pause erworbenen Fitness auf einschlägigen Messen auftreten könnte, war müde. Weil bei den Bayern auf dem Platz gerade alles klappt, war zwar auch das noch für etwas gut - so war es natürlich naheliegend, nach 99 Minuten den Siegtorschützen Javi Martinez einzuwechseln. Und trotzdem: Die Saison hat ja gerade erst angefangen.

Im Rhythmus der ersten Woche geht es weiter, immer weiter: Sonntag Hoffenheim, Mittwoch Dortmund (klar, noch mal Supercup), Sonntag Berlin. Dann sind wieder Länderspiele, insgesamt sechs binnen sechs Wochen. Bundestrainer Joachim Löw muss wohl bei Flick, seinem einstigen Assistenten, höflich darum bitten, die Münchner Spieler einladen zu dürfen. Auch Löw beschwert sich zwar über die Terminplanung (stellvertretend für die Spieler, er selbst ist da wohl eher entspannt), aber ein paar Spielzüge würde er vielleicht trotzdem gerne mit seiner Stammelf einüben, die zur Hälfte aus der Stammelf des FC Bayern besteht.

Wenn Hansi es sich mit Jogi nicht verscherzen will, bleibt eigentlich nur eine Möglichkeit für ein paar Pausen für seine Schlüsselspieler, und davon hat Flick auch in Budapest wieder gesprochen: Transfers für mehr Qualität auf der Ersatzbank, Nachfolger für Thiago, Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Alvaro Odriozola. Die Münchner haben die womöglich anstrengendste Saison überhaupt bekanntlich mit dem kleinsten Kader überhaupt begonnen. Doch auch der Transfermarkt ist gerade komplizierter als sonst: Als Einkäufer wünscht man sich Pandemie-Sonderpreise, für alle Verkäufer ist der FC Bayern der Quadruple-Sieger.

Umso länger sich die Verpflichtungen hinziehen, für die nur noch bis zum 5. Oktober Zeit ist, desto häufiger ist auch von ein paar Spielern die Rede, die schon in München sind. Für die Abwehr der gerade noch verletzte Tanguy Nianzou Kouassi, 18, in diesem Sommer aus Paris gekommen. Fürs Mittelfeld zum Beispiel Jamal Musiala, 17, der neulich das 8:0 gegen Schalke erzielte, oder der im vergangenen Sommer angeblich zwölf Millionen Euro teure Mickaël Cuisance, 21. Und im Angriff Nicolas Kühn, 20, Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester deutscher U 19-Juniorenspieler 2019.

Mehr Einsatzzeiten für die eigenen Talente, das würde nicht nur Sportvorstand Hasan Salihamidzic freuen, der sie geholt hat, sondern vielleicht auch die Bundesliga: Die könnte dann das ein oder andere Mal versuchen, so konkurrenzfähig zu sein wie der FC Sevilla am Donnerstag.

© SZ vom 26.09.2020
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