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Bundesliga:Flick braucht den Spritsparmodus

Bundesliga - Borussia Moenchengladbach v Bayern Munich

Hansi Flick am Spielfeldrand bei der 2:3-Niederlage in Mönchengladbach.

(Foto: Wolfgang Rattay/Pool/Reuters)

Der FC Bayern fängt sich ungewöhnlich viele Gegentore - und diese nach dem fast immer gleichen Muster. Trainer Hansi Flick hat die optimale Antwort auf die hohe Belastung dieser Saison noch nicht gefunden.

Kommentar von Martin Schneider

Es gab eine Zeit, da war Pep Guardiola Trainer in München, da waren die Spiele des FC Bayern unfassbar langweilig. Das Spannendste war noch die Aufstellung, weil man sich fragte, welche taktische Idee sich der Katalane diesmal ausgedacht hatte, aber im Kern liefen die Partien fast alle gleich: Bayern hatte den Ball und hatte den Ball und hatte den Ball und hatte den Ball, und irgendwann fiel ein Tor, und danach verhinderten die Münchner gegnerische Chancen, indem sie den Ball hatten und dabei weitere Tore schossen. Manchmal fror Manuel Neuer.

Diese Würgeschlangen-Taktik war nicht immer schön anzuschauen. Aber sie war in der Bundesliga brutal erfolgreich, vor allem gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte, die keinerlei Mittel gegen die ewige Ballzirkulation fanden.

Nun sind die Spiele des FC Bayern überhaupt nicht mehr langweilig, sie bieten allerbeste Unterhaltung, sogar das Skript ändert sich. Achtmal lagen die Münchner in Rückstand und drehten die Partie noch mindesten zum Remis. Gegen Gladbach war es anders: Da führten sie 2:0 und fingen sich noch drei Tore. Nach 15 Spieltagen hat der Rekordmeister die Gegentorstatistik (24) eines Abstiegskandidaten. Nur Mainz, Schalke, Hoffenheim und Köln stehen schlechter da, und Bayern würde auch schlechter dastehen, wenn Manuel Neuer nicht halten würde, wie er gerade wieder hält.

Die Gegentreffer fallen nahezu alle nach dem gleichen Muster: Die Mannschaft steht hoch, verliert den Ball, das Gegenpressing greift nicht, zwei schnelle Pässe, ab und zu ein Sprintduell, Tor. Diese Situationen sind in Hansi Flicks Plan durchaus einkalkuliert, und mit diesem Stil gewann er vergangene Saison alles. Auch in dieser Spielzeit sorgt der Stil für eine unglaubliche Power in der Offensive; dass sich Robert Lewandowski auf dem Weg zum ewigen Gerd-Müller-Torrekord befindet, ist kein Zufall.

Aber diese Spielzeit ist anders, sie kostet mehr Kraft, und Flick sucht darauf noch die optimale Antwort. Er bräuchte dringend eine Art Spritsparmodus.

Gegen Gladbach sah man den Versuch der Temporeduzierung in den ersten 30 Minuten - Bayern spielte vorsichtiger, kontrollierter, nicht jeder Pass musste steil gehen. Leon Goretzka meinte nach dem Spiel, dass diese Minuten die besten seit Langem waren. Doch nach der 2:0-Führung gab es kein Verwalten, kein Nach-Hause-Spielen. Gladbach agierte aggressiver und bestrafte die Fehler effizient.

Flicks allumfassender Erfolg in der vergangenen Saison basierte neben seinem Stil auf einer Achse, einer klaren Stammformation. Beim FC Bayern fährt man damit besonders gut, denn eine eindeutige erste Elf sorgt für eine feste Hierarchie in der Kabine. Aktuell ist so eine Stammformation aber schwer zu finden: Verletzungen und die Dauerbelastung verhindern sie, und Flick lässt immer mal wieder durchblicken, dass er dem einen oder anderen Neuzugang nicht maximal vertraut - gegen Gladbach nutzte er bloß eine von fünf Auswechslungen und die für den auffällig schwachen Douglas Costa, einen Neuzugang.

Die nächsten Gegner sind Kiel, Freiburg und Augsburg. Nicht das Niveau des FC Bayern, aber Mannschaften, die einem Favoriten weh tun können. Und verwundbar ist der FC Bayern trotz seiner immer noch währenden Tabellenführung definitiv.

© SZ/chge
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