bedeckt München
vgwortpixel

FC Bayern:Schwärmen für Hansi

Die erste Mini-Krise bewältigt: Bayern-Trainer Hansi Flick.

(Foto: AFP)
  • Im sechsten Gruppenspiel der Champions League holt der FC Bayern gegen Tottenham den sechsten Sieg - mögliche Achtelfinal-Gegner sind nun die beiden Madrider Mannschaften, Chelsea, Neapel, Lyon und Bergamo.
  • Wie es mit Hansi Flick weitergeht, dürfte auch davon abhängen, ob die Bosse ihm im Achtelfinale ein mutigeres Vorgehen zutrauen als Niko Kovac gegen Liverpool.
  • Die Spieler werben jedenfalls für ihren Trainer.

Die Gruppenphase ist auch in der Fußball-Champions-League erst abgeschlossen, wenn mindestens einmal die Frage gestellt wurde, wen man sich in der K.-o.-Runde wünsche (es zählt auch die Frage, wen man sich nicht wünsche). Am späten Mittwochabend hatte Hasan Salihamidzic bereits über die offensive Kreativität des FC Bayern beim 3:1 gegen Tottenham Hotspur gesprochen, über die Verletzung von Kingsley Coman, er hatte es sogar geschafft, über die Geschwindigkeit der Abwehr zu reden, ohne die unübersehbaren Defizite von Javier Martínez und Jérôme Boateng anzusprechen. Der Frage nach der Auslosung entkam der Sportdirektor dennoch nicht.

Nur mal angenommen, Salihamidzic würde auf die Frage wahrheitsgemäß antworten: Was würde er sagen? Vielleicht: Puh, Atlético Madrid besser nicht, das ist immer so unangenehm. Oder: Gegen Real Madrid haben wir nur eine Chance, wenn Robert Lewandowski mindestens vier Tore schießt. Oder: Mal sehen, ob wir der Athletik von Chelsea gewachsen sind. Oder: Neapel, schwer einzuschätzen, besser also nicht. Oder: Lyon, da habe ich als Spieler mal verloren, Sie erinnern sich schon, die Rede von Franz Beckenbauer 2001, die mit der "Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft". Oder: Bergamo, klar, die hauen wir weg.

Champions League Coutinho feiert sein Erweckungserlebnis
FC Bayern in der Champions League

Coutinho feiert sein Erweckungserlebnis

Gegen Tottenham trifft der Münchner Offensivspieler sehenswert - es ist eine dringend benötigte Aufmunterung für ihn und den Klub.   Aus dem Stadion von Tim Brack

Leider hat Salihamidzic die Diskussionen, die einer solchen ehrlichen Antwort gefolgt wären, kommen sehen. Er antwortete daher ganz unverfänglich: "Wir sind offen für alles. Wir nehmen den, der kommt."

Das 3:1 gegen Tottenham war der sechste Sieg der Bayern in dieser Gruppenphase, als erste deutsche Mannschaft ist sie ohne Punktverlust geblieben. Dank der Tordifferenz (plus 19 Treffer) ist das Team statistisch der beste Gruppensieger in der Geschichte des Wettbewerbs (allerdings nicht in der schwersten Gruppe in der Geschichte des Wettbewerbs). Abgesehen von einer kurzen Phase Mitte der ersten Halbzeit war der FC Bayern gegen Tottenham zudem durchgehend spielbestimmend. Die Spieler attackierten früh, ließen den Gästen keine Verschnaufpause, kombinierten mit viel Spielwitz. "Wir haben wieder die Souveränität im Spiel gehabt", sagte Salihamidzic, nach zuletzt zwei 1:2-Niederlagen in der Bundesliga. Doch wo sie sich nach dieser Gruppenphase in Europa einordnen müssen, das wissen die Bayern nicht.

Am Montag wird das Achtelfinale ausgelost, die möglichen Gegner sind die beiden Madrider Mannschaften, Chelsea, Neapel, Lyon, Bergamo. Selbst in Jahren, in denen das Team nur vier oder fünf Vorrundenspiele gewonnen hatte, haben sie im Klub dieser ersten K.-o.-Runden-Auslosung entspannt entgegengesehen, das Achtelfinale haben sie stets als Pflichtaufgabe betrachtet. Doch nachdem es in der vergangenen Saison direkt gegen Liverpool ging, gegen den späteren Champions-League-Sieger, hat die Auslosung eine gestiegene Bedeutung. Noch ein frühes Aus, und der Klub verliert sportlich den Anschluss an die europäische Spitze, ganz abgesehen vom Imageschaden, der sich im modernen Fußball auch in Werbemillionen ablesen lässt. "Die Formel ist einfach: Je weiter du kommst, desto größer ist die Aufmerksamkeit", hatte Klubboss Karl-Heinz Rummenigge schon im Sommer gesagt, versehen mit dem Zusatz: "Ich will jetzt den Trainer nicht unter Druck setzen ..."