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Deutsche Nationalmannschaft:Erschreckend schwach gegen die Basketball-Zwerge

Kenneth Ogbe of Germany, Andreas Seiferth of Germany, Ismet Akpinar of Germany, Christian Sengfelder of Germany, Karim J

Hängende Köpfe: Andreas Seiferth (rechts) zieht nach dem letzten EM-Qualifikationsspiel mit seinen Teamkollegen niedergeschlagen aus der Halle.

(Foto: Nikola Krstic/Eibner/Imago)

Die deutschen Funktionäre reagieren mit Optimismus auf den letzten Platz in der unbedeutenden EM-Quali - sie haben ein bedeutenderes Ereignis vor Augen.

Von Joachim Mölter

Großbritannien gehört gemeinhin zu den führenden Sportnationen, allerdings nicht im Basketball, und Montenegro ist als Kleinstteil der einstigen Basketball-Großmacht Jugoslawien auch nicht furchteinflößend. Der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) ist es übers Wochenende dennoch gelungen, die beiden Zwergstaaten dieses Sports als Riesen erscheinen zu lassen. Zum Abschluss der EM-Qualifikation beugten sich die Deutschen am Samstag erst den Briten (81:83) und am Montag dann auch den Montenegrinern (75:82). Nun sind sie Letzter ihrer Qualifikationsgruppe, mit einem Sieg aus sechs Spielen, gleich zu Beginn gegen Gruppensieger Frankreich.

Wenn man gesehen hat, wie niedergeschlagen die deutschen Spieler aus der Halle in Podgorica schlichen, kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie fröhlich verloren haben. Wenn man gehört hat, wie ihre Funktionäre über die Pleiten sprachen, kann man jedoch glauben, es habe sich um ein zumindest optimistisches Verlieren gehandelt. DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt befand jedenfalls beim Sender Magentasport: "Wir haben das geschafft, wofür wir die Länderspiele nutzen wollten, auch wenn es nicht an den nackten Zahlen abzulesen ist. Die Mannschaft hat viel, viel mehr Potenzial, als wir jetzt sehen können."

So kann man reden, wenn der letzte Platz in der Qualifikation keine unmittelbaren Konsequenzen hat, was für das DBB-Team ja zutrifft. Als Co-Gastgeber der EM 2022 darf Deutschland sowieso mitmachen, die Teilnahme an der Qualifikationsrunde war bloß eine Beschäftigungstherapie. Bundestrainer Henrik Rödl testete rund ein halbes Dutzend Neulinge, allerdings nicht ganz freiwillig. Die besten Deutschen stehen in der NBA und in der Euroleague unter Vertrag, und für Länderspiele des Weltverbandes Fiba unterbrechen diese beiden als Privatunternehmen organisieren Ligen weder ihren Betrieb, noch geben sie ihre Angestellten frei.

Die EM-Qualifikation war eine Chance für die zweite Garde - genutzt hat sie fast keiner

Rödl fehlten deshalb sechs NBA-Profis: Dennis Schröder (Los Angeles Lakers), Daniel Theis (Boston Celtics), Maxi Kleber (Dallas Mavericks), Moritz Wagner, Isaac Bonga (beide Washington Wizards) und Isaiah Hartenstein (Denver Nuggets). Und dazu sechs Euroleague-Spieler: Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau), Danilo Barthel (Fenerbahce Istanbul), Paul Zipser (Bayern München), Niels Giffey, Maodo Lo und Johannes Thiemann (alle Alba Berlin). Damit hat man schon einen Zwölf-Mann-Kader von ganz anderem Kaliber beisammen.

Auch deshalb hakte Generalsekretär Brenscheidt die sowieso bedeutungslose EM-Qualifikation schnell ab und widmete sich umgehend einem bedeutenderen Ereignis - der Olympia-Qualifikation vom 29. Juni bis 4. Juli in Split/Kroatien. "Es geht klar darum, sich für Olympia zu qualifizieren", bekräftigte er.

In Split wird man zweifellos eine ganz andere deutsche Mannschaft sehen, es ist allerdings auch im Sommer nicht so, dass alle Profis zur Verfügung stehen. Wegen der Corona-Pandemie hat es den üblichen Terminplan der NBA verschoben, die Playoffs um den Titel überlappen sich mit der Olympia-Qualifikation, so dass einige Akteure wohl noch in den USA beschäftigt sein werden. Der DBB hatte die EM-Qualifikation deshalb als Chance für die zweite Garde deklariert, sich für weitere Aufgaben zu empfehlen.

Akpinar erzielt gegen Montenegro die meisten Punkte

Das gelang freilich nur wenigen. Kapitän Robin Benzing dürfte einen Treuebonus beim DBB haben, er bestritt am Montag sein 150. Länderspiel, und im Verband hält man es ihm heute noch zugute, dass er bei der EM 2017 mitgemacht hat, obwohl seine Frau da gerade das erste Kind erwartete. Ansonsten drängten sich nur Ismet Akpinar und mit Abstrichen noch Kenneth Ogbe auf - vor allem, weil sie zu den kleineren Spielern gehören, von denen es unter den NBA- und Euroleague-Routiniers nur wenige gibt.

Akpinar erzielte gegen Montenegro die meisten Punkte, 19, aber was ihn hervorhob, war, dass er im zweiten Viertel überhaupt welche erzielte. In diesem Spielabschnitt blieb die DBB-Auswahl sechseinhalb Minuten ohne Punkt, so dass sich Montenegro entscheidend auf 19 Zähler (43:24) absetzte. "Es sah so aus, als könnten wir Montenegro überhaupt nicht stoppen", haderte Rödl, dessen Ansprachen in zwei Auszeiten wirkungslos geblieben waren. Kapitän Benzing fand: "Wir haben einfach alles zugelassen und uns nicht gewehrt."

Erst Akpinar tat das, als er wieder ins Spiel kam. Der Guard bot den Montenegrinern im Wortsinn die Stirn, als er mit einem Kontrahenten aneinandergeriet, Kopf an Kopf. Es war ein dringend benötigtes Zeichen des Widerstands, des Aufbäumens. Abgesehen davon war der Auftritt der DBB-Auswahl erschreckend schwach, allen fehlenden Spielern zum Trotz. Denn bei der im Herbst beginnenden Qualifikation für die WM 2023 hat Bundestrainer Rödl wieder nur die Spieler zur Verfügung, die er jetzt auch hatte. Und dann hat der DBB keinen Bonus als Ausrichter.

© SZ/mp
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