bedeckt München 20°

HSV-Profi Bakery Jatta:Freiburg forscht

Karlsruher SC v Hamburger SV - Second Bundesliga

Wuchtig und doch elegant: Bakery Jatta, hier bei einem Treffer gegen den Karlsruher SC.

(Foto: Alexander Scheuber/Getty)

Die Universität Freiburg soll im Auftrag des Hamburger Landeskriminalamtes die Identität des Flügelangreifers klären. Der HSV spricht von einer Kampagne.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Eigentlich ist die Sache ganz einfach mit dem Fußballer Bakery Jatta, der angeblich Bakary Daffeh heißt und alle hinters Licht geführt haben soll. Jatta, sagte sein Trainer Daniel Thioune neulich, brauche im Vergleich zu den anderen HSV-Profis nur "ein bisschen mehr Wärme, ein bisschen mehr Liebe". Und wenn man ihn zusätzlich in den Arm nehme, so Thioune, dann "bringt er ein bisschen mehr PS auf die Straße".

Es drängte sich zuletzt der Eindruck auf, dass Jatta einer penetranten Dauerknuddelei unterzogen wurde: Wie er nach einer kleinen Formkrise nur so über den Rasen fliegt, wuchtig und doch elegant, mit Verve und kindlicher Freude am Ball. An guten Tagen ist Jatta, 22, ein erstklassiger Zweitligakicker, zuletzt war dies bei den HSV-Siegen gegen Karlsruhe und Regensburg zu bestaunen. Der Angreifer erzielte seine Saisontreffer Nummer eins und zwei, jeweils in besonderer Art und Weise. Es steht außer Frage, dass sich in der zweiten Liga niemand so bewegt wie der Flügelflitzer, der die Rückkehr des Hamburger SV zurück an die Tabellenspitze stimuliert hat.

Aber bewegt sich Jatta vielleicht wie Bakary Daffeh aus Gambia, der in seiner Heimat einst Jugendnationalspieler war und seit 2015 in keinem Spielbericht mehr auftaucht? Sind Jatta und Daffeh ein und dieselbe Person? Oder ist Bakery Jatta einfach nur Bakery Jatta, der Wirbelwind aus Gambia, der 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam und Fußballprofi wurde?

Das soll jetzt das Universitätsklinikum Freiburg herausfinden. Der "Fall Jatta", wie er inzwischen heißt, wurde an die Spezialisten des Instituts für Biologische Anthropologie übergeben. Überführen sollen Jatta ausgerechnet seine geschmeidigen Bewegungen, seine Körperhaltung. In wissenschaftlicher Feinarbeit sollen im Auftrag des Hamburger Landeskriminalamtes Filmaufnahmen und Fotos seziert werden - Jatta und Daffeh im Querschnitt für ein professionelles Gutachten.

Bis heute wurde nichts gefunden, was den Verdacht erhärten konnte

Als Erstes berichtete darüber Bild, die vor zwei Jahren auch die ersten Zweifel an der Identität Jattas streute. Die Erzählung handelt von Daffeh, dem Schwindler, der bei seiner Ankunft in Deutschland den Namen Bakery Jatta angenommen und sich zwei Jahre jünger gemacht habe. Vergangenes Jahr waren Reporter desselben Mediums in der Nähe, als die Staatsanwaltschaft Jattas Wohnung in Uhlenhorst durchsucht hat, auch Kontobewegungen und elektronische Datenträger wurden überprüft. Bis heute wurde nichts gefunden, was den Verdacht erhärten konnte. Das Hamburger Bezirksamt Mitte stellte die Ermittlungen ein, weil Gambias Ministerium die Identität Jattas bestätigt hatte. Die Staatsanwaltschaft nahm "den Fall" Monate später wieder auf, offenbar mit besonderem Eifer.

Und nun? Jatta hat die Vorwürfe immer bestritten, sein Verein ebenfalls. Offizielle Stellungnahmen wird es zumindest vorläufig keine mehr geben, wie es beim HSV heißt. Zu abstrus sei der ganze Vorgang mit dem Gutachten; die nächste Volte einer Kampagne, die schon viel zu lange gehe. Und überhaupt sei es schon erstaunlich, dass das Thema ausgerechnet jetzt wieder auftauche. Jetzt, wo Bakery Jatta seine Schwächephase beendet hat und wieder so spielt, wie Fußballdeutschland Bakery Jatta kennengelernt hat: zu schnell für die Verteidiger, zu trickreich, im Grunde zu gut für die zweite Liga. Bakery Jatta, der Straßenkicker, der aus einer Diktatur flüchtete und sich auf dem Rasen einen Namen machte.

Was jedenfalls schon jetzt feststeht, unabhängig vom Ergebnis der Freiburger Forscher: Jatta ist der Protagonist der einzigen Aufstiegsgeschichte, die beim HSV in den vergangenen Jahren geschrieben wurde. Es ist eine schöne Geschichte.

© SZ/bkl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema