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Australian Open:Mischa Zverev muss höchste Strafe der Grand-Slam-Geschichte zahlen

Beim Stand von 2:6, 1:4 gab Tennisprofi Mischa Zverev in der ersten Runde der Australian Open auf - wegen eines Infekts und einer Knochenhautentzündung, wie er sagt.

(Foto: AFP)
  • Tennisprofi Mischa Zverev muss wegen seiner Aufgabe in Runde eins der Australian Open 45 000 Dollar Strafe zahlen.
  • Als Grund gibt der Tennis-Weltverband "first round performance" an. Es geht um eine Regel, die Preisgeld-Absahnern entgegenwirken soll.
  • Beim Stand von 2:6, 1:4 gegen den Koreaner Hyeon Chung gab Zverev auf und nannte einen Infekt sowie eine Knochenhautentzündung in der linken Schulter als Grund. Gegen die Strafe will Zverev Berufung einlegen.

Von Gerald Kleffmann, Melbourne

Unscheinbar sieht das Blatt aus, das an einer Säule klebt, im Presseraum der Australian Open. "On-site offences" lautet die Überschrift, darunter sind Namen und Geldbeträge aufgelistet. Es sind die Namen von Spielern, die gegen Regeln verstoßen haben und zahlen müssen. Alle Summen belaufen sich auf eine niedrige vierstellige Summe - an achter Stelle steht: $ 45 000. Eine so hohe Strafe ist außergewöhnlich. Es ist ein deutscher Profi, der sie nun begleichen muss: Mischa Zverev, 30, der zehn Jahre ältere Bruder von Alexander Zverev. Wegen seiner Aufgabe in Runde eins gegen den Koreaner Hyeon Chung, die aus Sicht des Weltverbands, zuständig in solchen Fällen, nicht korrekt ablief.

Als Begründung gab die International Tennis Federation (ITF) "first round performance" an. Viele Jahre kam es oft vor, dass Profis, obwohl angeschlagen oder krank, zur ersten Runde antraten und aufgaben, um das Preisgeld wenigstens zu kassieren. Dieses ist bei den vier Grand Slams deutlich höher als bei Turnieren der ATP Tour. In Melbourne erhielt Zverev als Verlierer umgerechnet 38 400 Euro. Abzüglich der höchsten Strafe (36 750 Euro), die je während eines Grand Slams verhängt wurde, bleiben ihm jetzt 1650 Euro.

Zverev ist der erste Spieler, den eine Änderung getroffen hat. Um Preisgeld-Absahnern entgegenzuwirken, hat Ende 2017 das Grand Slam Board eine im Grunde Profi-freundliche Regel erlassen: Zieht ein Spieler rechtzeitig vorher zurück, darf er die Hälfte des Preisgeldes, das ihm als Erstrunden-Verlierer zustehen würde, behalten. Die andere Hälfte geht an einen Lucky Loser, einen Spieler, der in der Qualifikation gescheitert war und aufrückt. "Mischa hatte vom Viertelfinale aus dem Vorjahr viele Punkte zu verteidigen", erklärte Zverevs Manager Apey in Melbourne, "er hatte gehofft, er steht das Match durch." Das war nicht der Fall. Bei 2:6, 1:4 gab Zverev auf und nannte einen Infekt sowie eine Knochenhautentzündung in der linken Schulter als Grund. Apey bestätigte, dass Mischa Zverev Berufung eingelegt habe.

"Das ist eine harte Strafe", sagte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann, der bereits in Brisbane ist. An der Gold Coast bestreitet die DTB-Auswahl vom 2. bis 4. Februar das Erstrundenduell mit Australien. Eine Delegation ist vorgereist, zu der Einzelspieler Peter Gojowzcyk und Doppelspezialist Tim Pütz zählen. Alexander Zverev wird am Sonntag nach Brisbane fliegen, Jan-Lennard Struff soll nach dem Wunsch Kohlmanns auch erst dann kommen. Der 27-Jährige aus Warstein hat das Halbfinale im Doppel erreicht und spielt nun um einen Grand-Slam-Titel. Mit Ben McLachlan (Japan) besiegte er das weltbeste Duo, Lukasz Kubot aus Polen und Marcelo Melo aus Brasilien, mit 6:4, 6:7 (4), 7:6 (5). Mischa Zverev muss den Davis Cup auslassen, er nimmt nun Antibiotika. Kohlmann belässt den Kader bei vier Profis.

© SZ.de/chge
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