bedeckt München 23°

Angriff gegen die Sportjustiz:Pechsteins Kampf

Berufungsverhandlung Pechstein gegen Eislauf-Weltverband

Jubelt nach der Urteilsverkündung: Claudia Pechstein

(Foto: dpa)

Es ist zu erwarten, dass sich die Sportjustiz nach dem OLG-Urteil zu Reformen gezwungen sieht. Claudia Pechstein hat damit viel erreicht - auch für die anderen Athleten. Dabei sind ihre Methoden und Argumente oft fragwürdig.

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Immer noch trägt Claudia Pechstein diesen Titel mit Stolz: "erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin". Fünf Olympiasiege hat die Eisschnellläuferin seit 1992 gesammelt, jetzt ist sie bald 43 und läuft immer noch auf Schlittschuhen im Kreis. Aber seit 2009, seit die Internationale Eislauf-Union ISU sie wegen auffälliger Blutwerte zwei Jahre sperrte, klebt eben noch ein zweiter Titel an der Berlinerin: Pechstein, die von den Sportgerichten als Doperin sanktionierte Athletin.

Experten haben ihr später eine vererbte Blutanomalie bescheinigt. Andere Experten haben bezweifelt, dass das als Erklärung ausreicht. Und während die Wissenschaftler stritten, hat sich Pechstein im deutschen Sport nicht beliebt gemacht mit ihrem Kampf um Rehabilitation. Sie hat in ihrem Furor bisweilen auch fragwürdige Argumente und Methoden bemüht, sie hat ein weitgehend unerträgliches Buch geschrieben, sie hat dann zwischendurch eine Currywurstbude eröffnet, um im Gespräch zu bleiben, und ihr Lebensgefährte hat im Bundestag angerufen und angekündigt, Mitglieder des Sportausschusses "zu stellen". Die Parlamentarier empfanden das als Bedrohung.

Manchmal sind es eben die falschen Leute, die für die richtige Sache kämpfen.

In erster Linie kämpft natürlich auch Pechstein für sich selbst - sie kämpft um Rehabilitierung und Schadenersatz. Mehr als vier Millionen Euro fordert sie von der ISU. Diese Summe ist aber nicht die eigentliche Dimension ihres Weges durch die Instanzen. Nach dem Spruch des Oberlandesgerichts (OLG) München vom Donnerstag ist Pechstein endgültig zur Vorkämpferin für alle Spitzensportler avanciert, die sich im Laufe ihrer Karriere in den Regeln der Sportgerichtsbarkeit verheddert haben oder noch verheddern werden: denen man zum Beispiel Doping vorwirft, und die das bestreiten - und die sich dann auf die Suche machen nach einem unabhängigen Richter.

Das Oberlandesgericht München erschüttert plötzlich ein System

Das OLG München sagt nun sinngemäß: In den autonomen, abgeschotteten Zirkeln des Sports findet der Athlet diesen Richter nicht. Außerhalb der Zirkel des Sports durften sich Athleten ihren Richter aber bisher nicht suchen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB