America's Cup:Die Neuseeländer haben Barker nach der Niederlage regelrecht entsorgt

"Bei jeder Niederlage lernt man etwas über sich als Segler und als Mensch. Ich habe nach der Verlust des Pokals im Jahr 2003 behauptet, es sei die schlimmste Zeit in meinem Leben gewesen. Dann habe ich vier Jahre später eine noch schlimmere Niederlage kassiert - und dann kam die Regatta vor vier Jahren", sagt Barker: "Ich kann mich nicht in meinem Unglück suhlen. Ich muss weitermachen, weil ich sonst ein miesepetriger Typ werden würde."

Die Neuseeländer haben ihn nach der Niederlage regelrecht entsorgt und durch den erst 26 Jahre alten Olympiasieger Peter Curling ersetzt. Barker erfuhr von seinem Rauswurf aus den Medien, selbst danach sprach keiner der Verantwortlichen mit ihm - es gab nur eine knappe E-Mail. "Das war enttäuschend, ich kann die Art und Weise noch immer nicht nachvollziehen", sagt Barker. Selbst Spithill stimmt zu: "Wenn eine Mannschaft sportliche Veränderungen vornehmen will, ist das in Ordnung. Aber so kann man nicht mit einem umgehen, der sich stets loyal verhalten und alles für sein Land gegeben hat."

Das führt zurück zu diesem kalifornischen Software-Milliardär, der wahrlich nicht im Verdacht steht, sentimental zu sein. Larry Ellison erkannte, dass sich die Werbeflächen in Bermuda schwieriger verkaufen lassen als in San Francisco, er wollte zudem unbedingt den asiatischen Markt erschließen - und wäre die Möglichkeit einer Revanche zwischen Barker und Spithill nicht eine wunderbare Geschichte? Ellison fädelte einen Deal mit dem neu gegründeten Team Japan ein, das seinem Milliardärs-Freund Masayoshi Son gehört und das Katamaran-Design von den Amerikanern bekommt. Die Rivalen Barker und Spithill wurden quasi zu Kollegen. Sie teilten sich ein paar Monate lang ein Büro in Bermuda, sprachen über die Konstruktion der neuen Katamarane und trainierten miteinander. "Ich glaube, dass wir beide darüber nachgedacht haben, was der andere damals durchgemacht hat", sagt Spithill: "Ich war der Sieger, klar - aber ich habe live mitbekommen, wie er verloren hat."

Die Rennen werden in Great Sound ausgetragen, einer Bucht in der Nähe der Hauptstadt Hamilton, die auf drei Seiten von Land umgeben und auf der zum Atlantischen Ozean geöffneten Seite von einem Riff geschützt ist. Es dürfte kaum hohe Wellen, unberechenbare Winde oder gar Regen wie in San Francisco geben, dafür packende Duelle zwischen ebenbürtigen Teams. Beim Training in der vergangenen Woche kollidierte kürzlich das britische Boot mit dem aus Neuseeland; seitdem wird gestritten, ob es ein Missgeschick oder Absicht war. "Es zeigt auf jeden Fall, wie aggressiv bereits im Training gefahren wird", sagt Barker.

Seine Mannschaft gilt als Außenseiter dafür, sich für den am 17. Juni beginnenden America's Cup zu qualifizieren. Er sagt jedoch: "Was ich beim Training gelernt habe: Es gibt keinen Favoriten. Jeder kann jeden schlagen." Barker hat wieder mal alles in den America's Cup investiert, seit zwei Jahren lebt er mit seiner Familie nur deshalb in Bermuda. Unter dem Wappen des Atlantik-Archipels steht: "Quo Fata Ferunt" - wohin uns das Schicksal treibt. Dieser Satz gilt nun auch für Barker.

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