Amateurfußball:Wenn ein Hund das Tor verhindert

Amateurfußball: Ein Hund auf dem Spielfeld? Kam nicht nur 2016 bei der Copa Sudamericana zwischen San Lorenzo und Palestino vor, sondern auch beim Kreisligaspiel zwischen Randersacker und Eibelstadt in Unterfranken.

Ein Hund auf dem Spielfeld? Kam nicht nur 2016 bei der Copa Sudamericana zwischen San Lorenzo und Palestino vor, sondern auch beim Kreisligaspiel zwischen Randersacker und Eibelstadt in Unterfranken.

(Foto: Photogamma/Imago)

Weihwasser für die Schuhe, ein Linienrichter in der Notaufnahme und ein ungewöhnlicher Fan auf dem Platz: Kuriositäten aus dem bayerischen Amateurfußball-Jahr 2023.

Von Christoph Leischwitz

Auf den Hund gekommen

"Zum Glück", erzählt Sportleiter Jochen Gruß, "handelte es sich um einen gegnerischen Hund". Wer weiß, was sonst los gewesen wäre beim Heimspiel der SG Randersacker - so aber schadete der Beagle immerhin nur seiner eigenen Mannschaft. Der begeisterungsfähige Auswärtsfan konnte sich einfach nicht beherrschen, er wollte mitspielen. SG-Sportleiter Gruß meint, außer dem Angreifer des 1. FC Eibelstadt und dem Schiedsrichter hätten alle den Hund gesehen, und ergo schon das Spiel eingestellt - weshalb das Tor für Eibelstadt wohl überhaupt nur gefallen sei.

Der Schiri ließ sich von dieser These überzeugen - und nahm das Tor zurück. Die unterfränkische Kreisliga-Partie endete dann 2:2. "Den Schiedsrichter habe ich ein paar Wochen später noch einmal getroffen", erzählt Gruß. Er habe ihm gesagt, dass er jetzt vor dem Anpfiff immer darauf achte, dass anwesende Hunde angeleint sind.

Mit Headset ins Krankenhaus

Mit Headsets für Amateur-Schiedsrichter ist es ein bisschen wie mit Handys: Die Allerersten wurden belächelt, 20 Jahre später jeder eins. Natürlich, die Anschaffung ist bis jetzt noch kostspielig, 1000 Euro pro Set muss man schon mindestens bezahlen. Und man darf sich auch hier fragen, ob das Ganze wirklich die Kommunikation verbessert: Der Schiedsrichter ist ja selten weiter als 30, 40 Meter von einem Assistenten entfernt, auf einem A-Klassen-Platz wirkt so ein Dreigespann vielleicht sogar ein wenig overdressed. Erlaubt ist es aber überall. Und es ist ja auch wichtig, offen zu sein und dazuzulernen.

So wie beim Bayernligaspiel des VfR Garching gegen Schwaben Augsburg Anfang November. Ein Headset hatte sich derart im Ohr eines Assistenten verhakt, dass der in der Halbzeitpause in die Notaufnahme musste, um selbiges entfernen zu lassen. Garching schien plötzlich auch Kommunikationsprobleme zu haben: Nach 1:0-Führung zur Pause verlor der VfR 1:4. Vielleicht könnte man ja mal darüber nachdenken, dass eine ganze Mannschaft mit Headsets spielt.

Ein Spiel dauert 86 oder 95 Minuten

Dass ein Spiel gemäß dem alten Herberger-Spruch nicht mehr 90 Minuten dauert, wissen wir spätestens seit der WM in Katar. Dass aber auch nicht unbedingt Schluss ist, wenn der Schiedsrichter pfeift, ist bislang nur beim FC Wiesla Hof bekannt. Dort waren sie schon ein wenig verdutzt, als der Schiedsrichter die Kreisliga-Partie gegen den ATSV Münchberg-Schlegel nach 86 Minuten abpfiff. Die Gäste feierten schon den knappen 1:0-Erfolg, doch der Assistent wies den Schiri auf den Fehler hin - der wollte diesen gutmachen und pfiff noch einmal an.

"Da haben wir noch einmal alles nach vorn geschmissen", sagt FC-Abteilungsleiter Jonas Högn über den Motivationsschub. In der fünften Minute der Nachspielzeit traf Denis Fischer zum 1:1-Endstand. Natürlich gab es Proteste vom ATSV, aber die hielten sich in Grenzen. "Wir rechnen es dem Gegner hoch an, dass er nicht vors Sportgericht gezogen ist", sagt Höhn. Wiesla Hof überwintert tatsächlich mit einem Punkt Vorsprung auf Münchberg-Schlegel auf Rang sechs. Anmerkung der Redaktion: Geschichten wie diese gibt es womöglich nicht mehr, wenn Headsets (siehe oben) flächendeckend eingeführt werden.

Aus der Hochzeitsnacht ins Tor

Angesichts des Endstands von 2:2 ist es wichtig zu erwähnen, dass sich Torwart Adrian Kießling vom FC Vorwärts Röslau gegen den SC Großschwarzenlohe nichts zuschulden kommen ließ. Das ist dem Vater wichtig zu erwähnen, der 26-Jährige Sohn gehe stets professionell an seine Aufgaben. Sehr wenig geschlafen hatte dieser vor dem Spiel der Landesliga Nordost aber schon, tags zuvor hatte Kießling nämlich seine Hochzeit gefeiert - um dann kurzfristig nach einem Rücktritt als Keeper auszuhelfen.

Auf die Frage, was denn die Frau dazu gesagt habe, dass der Mann nach der Hochzeitsnacht gleich wieder zum Fußball verschwindet, antwortet Vater Siegfried lapidar: "Die ist selbst Fußballerin." Außerdem habe sie selbst schon einmal als Torhüterin ausgeholfen, in der zweiten Mannschaft ihres Klubs. Auf einem Hochzeitsfoto auf der Vereins-Homepage ist die Braut auch zu sehen, wie sie einen Fußball aus dem Weg schießen muss. Vorbei sind also die Zeiten, in denen der Mann im Tor steht und die Frau dahinter: Fußball ist in einer modernen Familie eben der gemeinsame Lebensweg.

Eine Fußballübertragung zur Entspannung

Menschen, die mit der Bayern-1-Sendung "Heute im Stadion" aufgewachsen sind, wissen: Am spannendsten ist es manchmal, wenn man nichts sieht. Diese Spannung kann man freilich, mit viel künstlerischem Geschick, nicht nur vor dem Radio, sondern auch vor dem Bildschirm erzeugen. Ein Versuch: Das Bezirksliga-Duell des ESV Ansbach-Eyb gegen den FC Dombühl, es steht 0:1 nach fünf Minuten, der Ausgleich fällt gleich nach der Pause. Auf sportotal.tv war der Zwischenstand die ganze Zeit oben links eingeblendet. Zu sehen war aber: ein leeres Feld. Und dazu die spannenden, von der Kamera aufgefangenen Geräusche. Ein Rauschen. Was ist das? Ah, ein Zug! Güterwaggons tuckern minutenlang durchs Bild. Dazu kann man sich jetzt auch einfach nur mal vorstellen, wie David Scherb und Jan Teutscher die Tore erzielen. Schauen Sie einfach nur den Mittelkreis an, fokussieren Sie den Punkt in der Mitte, Ihre Augen werden schwer ... nee, ist doch nicht so spannend.

Wer braucht schon "Deutschlands schönste Bahnstrecken" oder ein Lagerfeuer auf dem Flatscreen, wenn er sporttotal.tv hat! Der Zähler auf der Website verrät: 933 Personen sahen sich das Spiel an, das da nicht zu sehen war: Es wurde wegen Unbespielbarkeit des Rasens nicht in Ansbach, sondern in Dombühl ausgetragen.

Halleluja nach 2,9 Sekunden

Die Hand Gottes gab es ja schon, den Fuß Gottes überraschenderweise noch nicht. Bisher: Florian Rupprecht benetzt laut einem BR-Bericht neue Fußballschuhe immer drei Wochen lang mit Weihwasser. Nun hat der Angreifer des Bezirksligisten SC Langengeisling in der laufenden Saison zwar erst viermal getroffen, unsterblich gemacht hat er sich trotzdem. Mit dem vielleicht spektakulärsten Tor des Jahres, als der Ball dem Himmel sehr nah kam: Nach 2,9 Spielsekunden lag er nach einer einzigen Ballberührung am Anstoßpunkt im Netz, hinter dem verzweifelt hinterher springenden Keeper des SVN München. Halleluja!

Einmal hatte Rupprecht es mit diesem Trick schon versucht, erzählte er der SZ, damals erfolglos. Diesmal passte bei dem perfekten Schuss nicht einmal mehr eine Hostie zwischen Ball und Latte, wie auf Instagram zu sehen ist. Gesegnet wurde das Tor auch noch, vom bayerischen Verband: als Bayerntreffer des Monats November.

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