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Alexander Megos:"Klettern war ursprünglich die Konfrontation Mensch und Fels"

Macht es das Klettern als Wettbewerb auch für Olympia besonders spannend?

Ich denke schon, weil man nicht genau sagen kann, wer gewinnt. Lediglich beim Speedklettern hat man ähnliche Bedingungen wie beim Schwimmen, weil die Wand, die man im Eiltempo hochklettert, genormt ist. Beim Lead und Bouldern ist es anders, die Routen unterscheiden sich.

Sie werden beim DAV als einer der Favoriten gehandelt.

Ja, wenn ich mich in den nächsten Monaten noch mehr auf den Wettkampf konzentriere, bin ich das sicher auch. Der DAV hätte mich natürlich gerne dabei. Aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen.

Was fasziniert Sie so am Felsklettern?

Für mich ist Felsklettern das wirkliche Klettern, weil Klettern nicht nur eine Sportart ist, sondern eine ganze Lebenseinstellung. Das ist vergleichbar damit, was die Leute übers Surfen sagen. Wenn ich sage, dass ich Kletterer bin, dann meine ich eben nicht nur, dass ich in die Halle oder an den Fels gehe und trainiere. Für andere Leute, die mehr im Wettkampf unterwegs sind, ist es vielleicht anders.

Die aktuelle Wettkampfsaison läuft sehr gut für Sie. Beim Lead Worldcup in Chamonix haben Sie den dritten Platz belegt, in Briançon sogar den ersten Platz. Welche Erwartungen haben Sie an den Boulder Worldcup in München?

Nach München muss ich zumindest nicht so weit fahren, wie zu anderen Wettkämpfen (lacht). Klar, und man hat vielleicht einen Heimvorteil. Wirkliche Vergleichswerte habe ich halt nicht, weil ich bisher nur an zwei Boulder Worldcups teilgenommen habe. Einer davon letztes Jahr in München, bei dem ich den zweiten Platz belegte. Der Unterschied zwischen Bouldern am Fels und dem Indoorbouldern als Wettkampf ist einfach massiv. Das ist ein ganz anderer Style. Sicher bin ich einigermaßen lernfähig. Aber diesen ganzen Style habe ich die letzten Jahren halt nie gemacht.

Wird Olympia das Klettern verändern?

Das wird sich zeigen, wenn wir die ersten Spiele hinter uns haben. Erst dann haben wir überhaupt erst Gewissheit, ob es bei den Olympischen Spielen bleibt oder nicht. Ich denke, dass Felskletterer wie ich, Adam Ondra oder der Slowene Domen Škofic die letzten richtigen Kletterer sind, die an einem Weltcup teilnehmen. Und dass die Generation danach mit dem ursprünglichen Klettern, also dem Felsklettern, einfach nichts mehr zu tun hat. Das Klettern ist jetzt in dieses Format gepresst worden, und so wird es der ganzen Welt bei Olympia präsentiert. Es kommt mir so vor, als wäre dieses ganze Olympia-Format eine Verzerrung der Wirklichkeit.

Und wie sieht Ihre Wirklichkeit aus?

Für mich hat das Felsklettern nichts mit Wettkampf zu tun. Klettern war ursprünglich die Konfrontation Mensch und Fels. Man ist nicht gegen jemand anderes geklettert. Man ist gegen sich selbst geklettert. Man sucht sich sein eigenes Limit und versucht, die Grenzen zu pushen.

Haben Sie auch mal eine Pause vom Klettern?

Jede Nacht.

© SZ vom 17.08.2018/jki
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