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Afrikas Fußballverband:Eine Klub-WM, wie sie der Fifa vorschwebt, kann es ohne Uefa und Conmebol nicht geben

Infantino, seit 2016 im Amt, half dem unbekannten, schon damals stark belasteten Ahmad an die Caf-Spitze. Der Afrika-Verband allein mit seinen 56 Nationalverbänden sichert ja einem Fifa-Boss die halbe Wahl, und das Gros der Caf-Vertreter ist traditionell empfänglich für Entwicklungshilfen. 2017 eroberte Ahmad den Caf-Thron; im Jahr zuvor hatte er Infantino eine persönliche Vertraute zugeführt: Fatma Samoura, 57. Zwar hatte die langjährige UN-Mitarbeiterin nie irgendeinen Fachbezug zum Sport, trotzdem machte Infantino sie zur obersten Fifa-Hauptamtlichen.

Als Ahmad 2019 ins Visier Pariser Fahnder geriet, forcierte die Fifa keineswegs die Bearbeitung der Akte Ahmad durch ihre Ethiker. Vielmehr vernahm sie einen bizarren Hilferuf aus Afrika: Man möge die Generalsekretärin, Ahmads Vertraute Samoura, als Regentin in die Caf-Zentrale nach Kairo schicken. Das geschah - aber bald kam es zum Bruch der alten Verbündeten. Samoura soll etwa versucht haben, im Caf die beliebten Cash-Zahlungen zu unterbinden.

Für ein Misstrauensvotum würde eine einfache Mehrheit reichen

Die Verwerfungen in Afrika treffen Infantino zur Unzeit. Im Weltfußball versucht er gerade hartnäckig, die werthaltigsten Rechte an Investoren zu veräußern. Gut dokumentiert ist das in einem Arbeitspapier, das die SZ 2018 publizierte. Darin hatte er den Ausverkauf fast aller Fifa-Rechte für 25 Milliarden Dollar an einen arabischen Investorenstab skizziert; für ihn selbst war in der neuen Rechte-Agentur der Job als Aufsichtsratschef geplant.

Der Deal scheiterte damals am Widerstand der Europa-Union Uefa. Seither versucht Infantino, die weltbesten Großklubs für ein Superliga-Format unterm Dach der Fifa zu gewinnen - was die Kontinentalverbände ihrer Haupteinnahmequellen berauben würde. In Europa etwa sieht die Uefa ihre Champions League bedroht. Erste Schritte sind getan, im Herbst rief in der Zürcher Fifa-Zentrale Real Madrids Klubchef Florentino Perez einen Weltverbund der Großklubs ins Leben. Und in Hinblick auf die kurzfristig von sieben auf 25 Teilnehmerteams aufgeblähte Klub-WM 2021 in China ließ Infantino Rechtefirmen diskret Konzepte für neue Turnierformate erstellen.

Aber mit dem jüngsten Alleingang düpierte er neben der Uefa auch den Südamerika-Verband Conmebol. Dessen Boss Alejandro Dominguez, vormals Infantinos Getreer, trifft sich am Mittwoch in Nyon mit der Uefa-Spitze um Aleksander Ceferin, auf der Agenda steht das gemeinsame Vorgehen in Sachen Klub-WM. Die kann es ohne Uefa und Conmebol kaum geben. sie allein verfügen über global attraktive Vereine. In Wartestellung ist zudem der Asien-Verband AFC. Der wies Infantinos Versuch, in der asiatischen Hemisphäre neue Klub-Formate anzuzetteln, schon im Herbst zurück. Sollte dieses Trio paktieren, während Infantinos Afrikaner im Chaos versinken, wäre beim Fifa-Kongress im Juni in Addis Abeba sogar ein Umsturz möglich. Für ein Misstrauensvotum gegen den Präsidenten, der zentrale Fußballregionen verprellt, würde eine einfache Mehrheit reichen.

Womöglich erklärt das Infantinos jüngstes Angebot an die Caf: Noch am 1. Februar hatte er in Marokko geschwärmt, man wolle eine Milliarde Dollar am Finanzmarkt erlösen und in Afrikas Fußball stecken. Aber der PwC-Report dürfte Investoren eher abschrecken. Und seinen einzigen Milliardenpartner hat der Caf jüngst ja ausgerechnet unter Samouras Fifa-Regie verloren: Gekündigt wurde der TV-Vertrag mit der Agentur Lagardère. Dafür will der Pariser Rechtekonzern nun 90 Millionen Dollar Entschädigung. Und Afrikas Fußball? Der steht jetzt ohne TV-Sender dar, weshalb die WM-Qualifikationsspiele für Katar 2022 in den Herbst verschoben werden mussten.

© SZ vom 11.02.2020/chge
A papier mache caricature depicting former international Beckenbauer is pictured during preparations for the upcoming Rose Monday carnival parade in Mainz; Collage WM 2006

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