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Affäre um Amerell:Zwanziger: Ansätze für strafbare Handlungen

DFB-Chef Zwanziger deutet an, dass es zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kommen könnte - und weist Kritik an seinem Krisenmanagement zurück.

DFB-Präsident Theo Zwanziger schließt nicht aus, dass gegen den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter und Funktionär Manfred Amerell wegen sexueller Nötigung staatsanwaltlich ermittelt werden könnte. "Es gibt in diesem Fall Ansätze, die auf strafbare Handlungen hindeuten", meinte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zwanziger sagte weiter, dass der DFB bei einem Strafrechtler ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, "das Anfang kommender Woche fertig sein soll".

Der Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter hatte den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen Amerell erhoben. Laut DFB soll es noch weitere Fälle geben. Amerell hat allen Vorwürfen widersprochen. Anfang März kommt es vor dem Landgericht München zu einer Anhörung, in der es "um die Prüfung der Frage gehen, ob Herr Amerell, wie vom DFB behauptet, in der Vergangenheit mehrere Personen bedrängt und/oder belästigt hat, und ob es zu den behaupteten Übergriffen gekommen ist", sagte Amerells Anwalt Jürgen Langer. Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen trat Amerell unter anderem von seinem Posten als Mitglied des DFB-Schiedsrichterausschusses zurück.

In dem Zeitungsinterview wies Zwanziger Kritik an seinem Krisenmanagement zurück. Unter anderem hatte Amerells Anwalt dem DFB vorgeworfen, die Intimsphäre seines Mandanten zu verletzen. "Ich weiß nicht, wie er darauf kommt. Erst durch Amerells Aussage, er wäre völlig unschuldig, mussten wir reagieren und unsere Sichtweise darstellen", sagte Zwanziger.

Gleichzeitig stärkte der DFB-Präsident Kempter den Rücken und begrüßte den Schritt des 27-Jährigen in die Öffentlichkeit. Kempter hatte in der vergangenen Woche Manfred Amerell in verschiedenen Medien mit intimsten Details schwer belastet. "Es ist doch der einzig richtige Weg, diese Schweigekartelle zu beseitigen und damit für mehr Transparenz zu sorgen. Einer muss doch damit anfangen", erklärte Zwanziger.

Nach seinem Wunsch soll Kempter "so schnell wie möglich" wieder pfeifen. Kempter müsse aber auch "physisch und psychisch in der Lage sein, seine Aufgaben zu erledigen." Offenbar ist sogar ein Einsatz des Sauldorfers am kommenden Wochenende in der zweiten Liga geplant. Zwanziger ist sich allerdings der Brisanz der Kempter-Rückkehr bewusst. "Neben den rein sportlichen Dingen gibt es nun auch eine gesellschaftliche Ebene zu berücksichtigen - also die Reaktion in den Stadien. Wir müssen das gemeinsam besprechen", meinte Zwanziger.

Er betonte, dass es dem DFB stets um den Schutz "dieser jungen mutigen Leute" gehe: "Wir wollten das weder so stehenlassen noch denjenigen zumuten, die sich bei uns mit so viel Mut offenbart hatten. Wir haben andere Erkenntnisse als der Anwalt von Herrn Amerell."