Ärger um Bas Dost:"Das ist Egoismus, den brauchen wir nicht"

563325255

Zwei Treffer, aber Rüffel vom Trainer: Bas Dost

(Foto: AFP)

Von Javier Cáceres, Wolfsburg

Unter normalen Umständen haben Siege eine besänftigende Wirkung. Erst recht, wenn sie dazu führen, dass man sich in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren kann. Doch am Samstag war in Wolfsburg alles anders: Mit 2:0 (0:0) hatte der VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC gewonnen, und der Pokalsieger und Meisterschaftszweite der vergangenen Spielzeit hatte nicht nur mit brennender Geduld eine überaus tüchtige Berliner Mannschaft niedergerungen. Sondern er reist nun auch als Tabellendritter am Dienstag zum FC Bayern München. Trainer Dieter Hecking verlor dennoch die Fassung. Denn bei ihm hatte sich schon seit Tagen Ärger aufgestaut - ausgerechnet auf den Mann, der sich nun zum Helden des Spiels erhob: Auf Bas Dost, den niederländischen Doppeltorschützen (76./88. Minute), mithin den Matchwinner.

Am Dienstag, beim Champions-League-Auftaktsieg gegen ZSKA Moskau, hatte Hecking eben diesen Dost zur Halbzeit ausgewechselt. Danach schmollte Dost drei Tage lang - und stellte offenkundig jede Kommunikation zur Außenwelt ein. Hecking selbst machte dies überaus deutlich öffentlich. Dost habe sich verhalten, "als habe man ihm gerade das Spielzeug weggenommen", ätzte der Trainer: "Das ist ein Egoismus, den brauchen wir hier nicht." Doch selbst damit war es Hecking noch lange nicht genug. Dost tue gut daran, "seine Einstellung zur Mannschaft zu überdenken", denn "wenn er meint, dass das der richtige Weg ist, dann ist er hier in Wolfsburg fehl am Platz."

Dost trifft und macht raumgreifende Gesten

Heckings Philippika war insofern überraschend, als Dost tatsächlich eine gute Leistung geboten hatte in den 20 Minuten, in denen er auf dem Platz stand. Er war in der 71. Minute für den Dänen Nicklas Bendtner eingewechselt worden; nur fünf Minuten später konnte der niederländische Mittelstürmer bereits jubeln. Der ebenfalls eingewechselte Mittelfeldspieler Maximilian Arnold hatte nach einem Konter den Ball mustergültig in den Rücken der Berliner Abwehrspieler gepasst, Offensivkraft Daniel Caligiuri leitete das Spielgerät uneigennützig auf Dost weiter, der nur noch einschieben musste.

Danach bedankte sich Dost auf seine Weise, mit raumgreifenden Gesten und lauten sowie offenkundig rechthaberischen Worten, nach dem Motto: So und nicht anders wird das gemacht! Dass das die Richtung war, in die er argumentiert hatte, bekannte Dost persönlich. Man wisse ja, sagte er später, dass er sich mit Caligiuri gut verstehe, Diskussionen gebe es dennoch hin und wieder - so auch aus Anlass der Partie gegen Moskau. Da hatte Caligiuri in einer Szene selbst den Abschluss gesucht - und Dost übersehen. "Diesmal hat er das sehr, sehr gut gemacht", lobte der Niederländer. Wenn Caligiuri sich weiter so verhalte, könne er noch "ein brutal guter Spieler werden", versicherte Dost.

Er selbst zeigte sich überrascht, dass er danach noch den Elfmeter zum 2:0 verwandeln durfte. Der aus Schalke hinzugestoßene Julian Draxler, der wieder mit einigen brillanten technischen Gesten bestach, hatte zwei Minuten vor Schluss den Berliner Kapitän Fabian Lustenberger im Berliner Strafraum mit einem Hackentrick düpiert; der Schweizer brachte Draxler zu Fall. Der etatmäßige Elfmeterschütze Ricardo Rodriguez saß - zum Zwecke der Schonung für das Spiel beim FC Bayern am Dienstag - auf der Bank, die Schützen zwei und drei (Max Kruse und Bendtner) waren ausgewechselt worden. Er sei davon ausgegangen, dass Draxler selbst schießen würde - "es war ja sein Elfmeter". Doch Draxler übergab dem Niederländer den Ball - und dieser jagte ihn mit Gewalt durch die Mitte ins Netz.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB