bedeckt München 17°
vgwortpixel

Abschiedsspiel von Birgit Prinz:Eine seltene Stärke im Spitzensport

Darauf berief Prinz ihrerseits eine Pressekonferenz ein, das erste Mal in ihrem Leben. Offen und schonungslos mit sich selbst sprach sie über den Druck, dem sie sich ausgesetzt sah, und über den Versuch, damit klarzukommen. Sie gestand Schwäche ein und bewies damit eine Stärke, die selten ist im Spitzensport. Sie wusste, dass sie in dem Moment der Mannschaft nicht helfen konnte, und wollte doch als Einzelne nicht ihr Gesicht verlieren. Das Verhältnis zur Bundestrainerin hat darunter gelitten.

"Ich bereue nichts", sagt Birgit Prinz am Ende ihrer Karriere.

(Foto: lks)

Seit über einem Jahr war da Prinz, die zuvor Physiotherapeutin gelernt hatte, schon studierte Diplom-Psychologin. Doch Psychologen sind oft hilflos, wenn es um sie selbst geht. Anders als viele Profisportler hatte sie keine Fern-Uni gewählt, sondern ein Präsenzstudium an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Prinz genoss die Zeit, in der sie eintauchen konnte ins Studentenleben. In einem Umfeld, in dem sie sich völlig neu definieren musste. Was Prinz dabei am meisten interessiert, ist nicht die Interpretation der Dinge, denn die ist immer subjektiv. Birgit Prinz ging es immer um die optimale Beeinflussung all der Faktoren, die man beeinflussen kann.

Irgendwann soll die Psychologin Birgit Prinz im Vordergrund stehen

Das war es, was sie zu all ihren Erfolgen und Titeln gebracht hatte. Das ist es auch, was sie mit in ihr neues Leben nehmen will. Am soeben gegründeten "Institut für Performance-Psychologie" in Frankfurt will sie mit Spitzensportlern und Managern arbeiten. Derzeit hospitiert sie am Leistungszentrum der TSG Hoffenheim. Prinz ist bewusst, dass "ich da natürlich häufig erstmal als die Fußballerin Birgit Prinz gesehen werde, aber irgendwann wird die Psychologin Birgit Prinz im Vordergrund stehen".

Am Dienstag wird nun noch ein letztes Mal die Fußballerin Birgit Prinz zu sehen sein. Die Nationalelf wird im Stadion am Bornheimer Hang gegen ihren alten Klub, den 1. FFC Frankfurt antreten, neben Prinz werden auch Kerstin Garefrekes, Sonja Fuss und Ursula Holl vor dem Anpfiff mit Blumen verabschiedet. Daneben laufen alte Weggefährtinnen von Prinz auf wie die Norwegerin Hege Riise, die Dänin Louise Hansen oder Steffi Jones, die heutige DFB-Direktorin. Ariane Hingst konnte nicht, sie ist noch in Australien.

Ob Birgit Prinz irgendetwas bereut in ihrer langen, erfolgreichen Karriere? "Nein", sagt Prinz, "ich bereue nichts. Ich denke, ich war Teil einer Zeit im Frauenfußball, in der sich unheimlich viel entwickelt hat, und daran habe ich meinen Anteil. Auch, wenn ich nicht immer so funktioniere, wie man es sich wünscht."

© SZ vom 27.03.2012/cop/gba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite