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Sieg von Borussia Mönchengladbach:Gladbach feiert spektakuläre Premiere

VfL Borussia Moenchengladbach v Sevilla FC - UEFA Champions League

Selbst wenn er nicht traf, lieferte er Hingucker: Lars Stindl beim Fallrückzieher.

(Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images)

Aus dem Stadion von Ulrich Hartmann

Auch beim Fußball gilt: Je bedeutsamer das Ereignis, desto größer die Karossen vor der Haustür. Auf dem Stadionvorplatz im Borussia-Park standen am Mittwochabend zum vorerst letzten Mal mehrere gewaltige Übertragungslastwagen mit solch riesigen Satellitenschüsseln auf dem Dach, als müssten alle Neuigkeiten aus dem Stadion direkt ins All gefunkt werden.

Tatsächlich sendeten sie Livebilder des vorerst letzten Champions-League-Heimspiels von Mönchengladbach immerhin in die weite Welt hinaus. Schon vor dem Anpfiff der Partie gegen den FC Sevilla hatte ja festgestanden, dass Gladbach die kontinentale Meisterklasse nach der Gruppenphase verlassen muss. Wehmut wollte man am Niederrhein trotzdem keine aufkommen lassen.

Erster Champions-League-Sieg ist spektakulär

Die Borussen lieferten dem spanischen Tabellenelften einen leidenschaftlichen Kampf und errangen im fünften Spiel mit einem spektakulären 4:2 (1:0) endlich ihren ersten Champions-League-Sieg. "Wir hatten uns vorgenommen, uns nicht abkochen zu lassen. Das hat heute ganz gut geklappt", sagte Trainer André Schubert. Die Voraussetzungen, zum Trost wenigstens in der Europa League überwintern zu dürfen, bleiben wegen des verlorenen direkten Vergleichs (0:3 im Hinspiel) dennoch herausfordernd. Denn sollte Sevilla das letzte Gruppenspiel am 8. Dezember daheim gegen den Tabellenersten Juventus Turin gewinnen, dann müsste auch Gladbach beim Tabellenzweiten Manchester City drei Punkte holen. Bereits zum vierten Mal binnen zehn Monaten hatten es die Gladbacher am Mittwoch mit dem FC Sevilla zu tun: nach zwei verlorenen, zum Teil atemberaubenden Spielen in der vergangenen Saison im Sechzehntelfinale der Europa League (0:1 und 2:3) hatten sie auch das erste Aufeinandertreffern in der Champions League vor zwei Monaten mit 0:3 verloren. Drei Niederlagen in drei Spielen hatten ihnen das Gefühl aufgedrängt, sich diesmal aber ganz unbedingt revanchieren zu müssen. "Wir haben aus den Spielen gegen Sevilla einiges gelernt", sagte Schubert. "Wir haben mutig und couragiert gespielt und das gut durchgezogen. Ich bin glücklich über den Sieg." Bei Gladbach war der zuletzt gesperrte Kapitän Granit Xhaka als Mittelfeldstabilisator zurück gekehrt. Havard Nordtveit war in die Innenverteidigung gewechselt.

Ansehnliche Offensive, anfällige Defensive

Eine dritte Änderung musste der Trainer nur 13 Minuten nach Spielbeginn zwangsweise vornehmen und Josip Drmic für den Rechtsaußen Ibrahima Traoré bringen, der sich nach wenigen Minuten den Oberschenkel gezerrt hatte. Drmic war vor der Saison für gut zehn Millionen Euro aus Leverkusen gekommen und gilt bei Skeptikern als Fehlkauf. Diesmal konnte er sich aber zumindest rühmen, drittletzte Station vor dem 1:0 in der 29. Minute gewesen zu sein. Von rechts hüben drosch er den Ball nach ganz links drüben, wo Wendt auf Xhaka abprallen ließ und dieser quer durch die löchrige Sevilla-Abwehr hindurch Lars Stindl zum 1:0 bediente.

Doch so ansehnlich das Gladbacher Offensivspiel in der 13. Pflichtpartie unter dem Trainer Schubert auch wieder ausfiel, so anfällig agierte die Defensive, in der sich die Gäste-Stürmer Gameiro und Konoplyanka recht frei austoben konnten. Allerdings durften ebenso freimütig die Haare raufen, weil sie ihre trefflichen Chancen nicht zu Treffern nutzten. Gladbachs skandinavische Abwehrreihe mit dem Norweger Nordtveit, dem Dänen Andreas Christensen und dem Schweden Oscar Wendt wirkte in brenzligen Situationen leicht unterkühlt. Wärme spendete dann mit seinen Rettungstaten wenigstens der Schweizer Torwart namens Yann Sommer.

Johnson schlenzt schön zum 2:0

Zwei Remis gegen Juventus Turin waren zuvor das höchste der Gladbacher Gefühle in diesem Wettbewerb gewesen, weshalb die Fans in einer schönen Choreografie vor dem Abpfiff an die Sternstunden der Vereinsgeschichte erinnert hatten. Von historischen Sternstunden muss die gegenwärtige Mannschaft weiter träumen, immerhin aber hielt sie mit dem FC Sevilla am Mittwoch den zuletzt zweimaligen Europa-League-Triumphator in Schach.

Und nicht nur das: Als die Schüsse der Andalusier mit zunehmender Spielzeit immer knapper am Gladbacher Tor vorbeisausten, erlöste Johnson die Gladbacher (nach Vorlage des omnipräsenten Stindl) mit einem Schlenzer zum 2:0 (68.). In der turbulenten Schlussphase erhöhte Raffael auf 3:0 (78.), doch das 3:1 durch Vitolo in der 82. Minute beraubte die Gladbacher der Hoffnung, den direkten Vergleich mit Sevilla sogar noch gewinnen zu können. Da half auch Stindls Treffer zum 4:1 nur eine Minute später nichts mehr - zumal Banega in der Nachspielzeit per Foulelfmeter auf 4:2 verkürzte.

© SZ vom 26.11.2015
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