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3. Liga:"Nazis raus"-Rufe in Münster

Preußen Münster - Würzburger Kickers

Wurde rassistisch beleidigt: Leroy Kwadwo (M) von den Würzburger Kickers während des Spiels Preußen Münster.

(Foto: Carsten Pöhler/dpa)

Als ein Preußen-Anhänger einen Spieler rassistisch beleidigt, setzen die anderen Fans ein Zeichen. Die deutsche Biathlon-Staffel von 2014 darf nachträglich auf Olympia-Gold hoffen. Der HSV holt einen Punkt in Hannover.

3. Liga, Münster: Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken "Nazis raus"-Rufen haben Fans des Bundesliga-Gründungsmitglieds Preußen Münster auf einen Rassismusvorfall reagiert. In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in dessen Richtung gemacht. Nach Vereinsgaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans "Nazis raus". Kwadwo lobte das Verhalten dieser Fans in einem Beitrag bei Instagram ausdrücklich: "Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet." Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: "Danke für Eure Menschlichkeit."

Die Beleidigung selbst habe ihn aber "einfach nur traurig und wütend" gemacht, teilte Kwadwo mit: "Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren." Und der Abwehrspieler hob hervor: "Ich bin einer von Euch." Der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Vorfall und lobte die Reaktionen darauf. "So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo" gewesen sei, "so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf", twitterte der DFB am Samstagmorgen auf seinem Account zur 3. Liga.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem Spiegel die Beleidigungen. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der "Spiegel" weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: "Geh zurück in dein Loch." Nach Informationen der "Westfälischen Nachrichten" handelt es sich um einen 29-Jährigen aus Steinfurt. Auf Fotos auf der Preußen-Vereinsseite ist zu sehen, dass der 23 Jahre alte Abwehrspieler Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf den Vorfall aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte. Die Gastgeber entschuldigten sich sofort bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. "Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht", sagte Preußen-Vereinspräsident Christoph Strässer.

Auch die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Klub hervor. "Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz. Kickers-Kapitän Sebastian Schuppan äußerte sich "schockiert". "Mal wieder kamen Affen-Laute von den Rängen. Aber anders als in vielen vorherigen Situationen hat das Stadion sehr gut reagiert. Die Polizei hat ihn festgenommen, und ich hoffe, er darf nie wieder ein Fußballspiel besuchen", twitterte der 33 Jahre alte Routinier.

Biathlon, Doping: Die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp können nachträglich auf olympisches Staffel-Gold von 2014 hoffen. Der Biathlon-Weltverband befand den Russen Jewgeni Ustjugow des Dopings für schuldig, wie die IBU am Samstag bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz mitteilte. Die IBU erklärte alle Ergebnisse des 34-Jährigen vom 27. August 2013 bis zum Ende der Weltcupsaison 2013/14 für ungültig und verhängte eine Zweijahressperre. Ustjugow gehörte zum Sieg-Quartett der Russen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Die IBU disqualifizierte ihn dafür nun nachträglich.

Sollte das Internationale Olympische Komitee dieser Entscheidung folgen, würde den Russen das Olympia-Gold aberkannt werden. Ustjugow kann aber innerhalb von 21 Tage Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegen. Neben Ustjugow wurde am Samstag auch Olympiasiegerin Swetlana Slepzowa wegen Dopings im Zeitraum zwischen dem 22. März 2013 bis Ende der Saison 2013/14 für zwei Jahre gesperrt. Beide haben Doping immer bestritten und ihre Karrieren bereits beendet. Die IBU hatte bereits im November 2018 die Verfahren gegen Ustjugow, Slepzowa und zwei weitere russische Biathleten auf Grundlage der Moskauer LIMS-Daten eröffnet. Bereits damals hatte die IBU eng mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zusammengearbeitet. Die Russen, so urteilte der Biathlon-Verband, hätten die Daten von Ustjugow und auch von Slepzowa, der Staffel-Olympiasiegerin von 2010, im Moskauer Kontrolllabor manipuliert.

2. Liga, Hannover: Durch ein Tor in der Nachspielzeit hat der Hamburger SV im Nordduell bei Hannover 96 wenigstens einen Punkt gerettet. Im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga ist dieses 1:1 (0:0) vor der Erstliga-Kulisse von 49 000 Zuschauern trotzdem ein Rückschlag. Denn eine Woche vor dem Hamburger Derby gegen den FC St. Pauli wuchs der Rückstand des HSV auf Spitzenreiter Bielefeld auf drei Punkte an. Der eingewechselte Joel Pohjanpalo glich Hannovers Führung durch Cedric Teuchert (51.) erst in der fünften Minute der Nachspielzeit aus (90.+5). Der Tabellenzweite kam nach dem Rückstand besser ins Spiel und vergab durch Bakery Jatta (56.), Sonny Kittel (57.) und David Kinsombi (90.+4) mehrere Großchancen. Insgesamt enttäuschte der HSV vor rund 15 000 eigenen mitgereisten Fans aber zumeist. Bei Hannover wurde eine konzentrierte Abwehrleistung nicht belohnt.

Rodeln, WM: Die Rodel-Doppelsitzer Toni Eggert und Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl) haben ihren dritten WM-Titel in Serie gefeiert. Bei den Weltmeisterschaften in Sotschi setzten sich die Thüringer am Samstag vor den Russen Alexander Denisew/Wladislaw Antonow durch, die auf ihrer Heimbahn gut eine Zehntelsekunde Rückstand hatten. Die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt (Berchtesgaden/Königssee) landeten nach zwei Läufen auf dem dritten Rang (+0,142). Das dritte deutsche Duo Robin Geueke/David Gamm (beide Winterberg/+0,754) belegte den neunten Platz. Mit der Fortsetzung ihrer Siegesserie auf WM-Niveau zeigten Eggert/Benecken erneut, dass sie in den vergangenen Jahren tendenziell stärker sind als die ewigen Rivalen Wendl/Arlt. Der Gesamtweltcup ging zuletzt ebenfalls dreimal nach Thüringen, auch in dieser Saison führen die beiden das Klassement auf der Zielgeraden an. Auf der größten Bühne hatten aber Wendl/Arlt zweimal die Nase vorn: Olympia-Gold ging 2014 und 2018 an die Bayern.

Super-G, Dreßen: Skirennläufer Thomas Dreßen ist einen Tag nach seinem dritten Saisonsieg erneut aufs Weltcup-Podium gestürmt. Der 26-Jährige raste im Super-G von Saalbach-Hinterglemm bei fast schon irregulären Verhältnissen auf aufgeweichter Piste auf den starken dritten Platz. "Ich muss sagen, ich bin wieder brutal happy, das Podium ist super", sagte Dreßen im ZDF. Wegen der weichen Verhältnisse auf der Schneekristall-Piste, über die viele Konkurrenten zurecht klagten, habe er mit der ungünstigen Startnummer 19 "mit brutal viel Gefühl fahren" müssen. Die Bedingungen nannte er "grenzwertig, aber ich mache mir kein Kopf drüber. Wenn gefahren wird, wird gefahren." Von der Topzeit des Norwegers Aleksander Aamodt Kilde (58,30 Sekunden) trennten Dreßen nach einem wahren Sprint-Rennen auf der wegen Schneefalls und Wind verkürzten Strecke 0,31 Sekunden.

© SZ.de/dpa/sid/ebc
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