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2. Bundesliga:Spektakel-Fußball mit Friedhelm Funkel

Fortuna Düsseldorf - Jahn Regensburg

Friedhelm Funkel steht mit der Fortuna auf Platz eins der zweiten Liga.

(Foto: dpa)

Noch nie ist ein Actionfilm-Regisseur von der Fachpresse gefragt worden, warum er nach der Hälfte seines adrenalinfördernden Streifens nicht das Tempo rausgenommen hat. Das würde niemand wagen. Im Fußball schon. Da sollte sich Trainer Friedhelm Funkel nach dem bislang begeisterndsten Spiel des deutschen Profifußballs in dieser Saison dafür rechtfertigen, bei einer 3:0-Führung seiner Düsseldorfer Fortuna gegen den MSV Duisburg nicht sofort Entschleunigung und Kontrolle angeordnet zu haben. Glücklicherweise ist Funkel 63 Jahre alt und über solch destruktive Unterstellungen erhaben. Der Mann genießt aufregende Spiele nämlich selbst. "Ich wollte nicht, dass wir die Führung nur verwalten", sagte er, "ich wollte, dass wir weiter Tore schießen."

Vier Tore, vier Aluminiumtreffer, 41 Torschüsse, Jubelstürme

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Funkels begeisternd fatalistischer Ansatz mündete am Montagabend in ein Zweitligaspiel, das 8:5 hätte ausgehen können. Es endete dann zwar bloß 3:1 (2:0), war aber so actiongeladen wie ein Hollywoodfilm voller Explosionen, Jagden und Hubschrauber-Stunts. Vier Tore, vier Aluminiumtreffer, ein verschossener Elfer, ein Beinahe-Rot für Düsseldorfs daraufhin verletzt ausgewechselten Torwart Raphael Wolf sowie 41 Torschüsse sorgten für Jubelstürme und Applaus bei 41 764 Zuschauern - etwas weniger natürlich bei den etwa 5000 mitgereisten Duisburgern, von denen einige allerdings nur damit beschäftigt waren, Knall- und Leuchtkörper zu zünden. Feuerwerk am Rhein bringt Düsseldorfer aber nicht aus dem Takt.

Nordrhein-Westfalen mag seine Relevanz als Herzkammer der Sozialdemokratie verloren haben, aber im Profifußball ist das bevölkerungsreichste Bundesland zurzeit gleich drei Mal spitze. Borussia Dortmund führt die Bundesliga an, der SC Paderborn die dritte Liga, und am Montagabend eroberte mit der Fortuna auch die Landeshauptstadt ihre Spitzenposition in der zweiten Liga zurück. Funkel, der Duisburg in den Neunzigerjahren mit destruktivem Fußball drei Jahre lang durch die Bundesliga prügelte, lässt in Düsseldorf in dieser Saison den bislang schönsten, ja, sogar einen spektakulären Stil spielen. Gegen den MSV führte die Fortuna nach 111 Sekunden 1:0 und nach sechs Minuten 2:0. Das heimische Publikum rastete aus, als habe der Stadtrat für die bevorstehende Session den Aschermittwoch eliminiert.

Funkel gibt in diesen Tagen ziemlich viele Interviews, die alle den gleichen Tenor haben: Er mache den Job mit seinen 63 Jahren auch nicht groß anders als Julian Nagelsmann, 30, in Hoffenheim oder Domenico Tedesco, 32, auf Schalke. Als Funkel Trainer wurde, war Nagelsmann vier Jahre alt. Damals hieß der Strafraum noch nicht Box, das frühe Stören noch nicht Pressing und das Team hinter dem Trainer noch nicht Staff, weil das Team hinter dem Trainer nur aus dem Co-Trainer bestand. Das sportliche Führungsteam von Düsseldorf kennt die alten Zeiten noch sehr gut: der Chef Funkel, sein Assistent Peter Hermann, 65, und der ehrenamtliche Sportdirektor Erich Rutemöller, 72. Dieses sehr, sehr reife Trio lässt momentan einen sehr, sehr modernen Fußball spielen.

Es sieht tatsächlich so aus, als könnte Funkel im Frühjahr zum sechsten Mal eine Mannschaft in die Bundesliga führen. Den deutschen Trainer-Rekord mit fünf Erstliga-Aufstiegen hält er schon jetzt: zwei Mal mit Uerdingen (1992, 1994), je ein Mal mit Duisburg (1996), Köln (2003) und Frankfurt (2005). Aus diesen Erfahrungen heraus weiß Funkel aber auch, dass man sich mit so einem Aufstieg nicht aus dem Fenster lehnt. "Die Fans dürfen träumen", sagt er, "aber wir arbeiten hart weiter."

Wer freilich glaubt, der Rheinländer habe schon alles gesehen und erlebt, unterschätzt die Dynamik des gegenwärtigen Düsseldorfer Fußballs. In den Adern dieser Spieler fließt eine Art Vollblut, so dass sie am entgegengesetzten Ende der Stadt auch auf der Galopprennbahn mitlaufen könnten. "Darüber bin ich schon überrascht", sagte Funkel am Montagabend über die Unermüdlichkeit seiner Belegschaft, die mit nur schwer kontrollierbarem Risiko bis zur Schlussminute das gegnerische Tor bedrängt - mit diesem Fatalismus aber immerhin sieben von neun Ligaspielen gewonnen hat.

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