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Arminia Bielefeld:Über Erkenschwick und Essen

VfL Osnabrück - Arminia Bielefeld

Montagabend-Spitzenspiel gegen den Hamburger SV: Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)
  • Uwe Neuhaus hat als Trainer von Arminia Bielefeld gezeigt, wo sein Qualitäten liegen.
  • Die Arminia ist stärkster Verein des Jahres 2019. In dem Traditionsverein beginnt das Träumen von der ersten Liga. Schließlich weiß Neuhaus, wie das mit dem Aufsteigen funktioniert.
  • Heute Abend treffen die Ostwestphalen auf Tabellenführer HSV.

Akzeptanzprobleme in Ostwestfalen hatte der Fußballtrainer Uwe Neuhaus bislang nur als Hundehalter, sportlich hingegen läuft es richtig gut. Arminia Bielefeld ist unter Neuhaus die beste Zweitligamannschaft des Kalenderjahres 2019 - vor jenem Hamburger SV, der am Montagabend zum Spitzenspiel zu Gast ist. Neuhaus, seit zehn Monaten im Amt, lässt bei der Arminia nicht erwartete Erstligaträume gedeihen - bei einem Traditionsverein, der sich vor zehn Jahren zum bisher letzten Mal aus der obersten Spielklasse verabschiedet hat.

Den Respekt bei den Ostwestfalen musste sich Neuhaus, ein Westfale aus dem südlichen Ruhrgebiet, anderweitig allerdings härter erarbeiten. Der Lokalzeitung schilderte er seine ersten Begegnungen mit der örtlichen Mentalität so: "Wir sind viel mit den Hunden draußen, und wenn man da Jemandem freundlich 'Guten Tag' wünscht, kommt oft erst mal keine Reaktion; beim dritten oder vierten Mal gibt es vielleicht ein 'Tach', beim fünften oder sechsten Mal Blickkontakt - danach bleibt man sogar mal stehen und unterhält sich."

Neuhaus selbst ist mitunter ähnlich verschlossen, aber das ist berufsbedingt. Als er im Sommer von Journalisten nach möglichen Zugängen gefragt wurde, antwortete er: "Von mir erfahren Sie nichts, da bin ich Nordkorea." Neuhaus pflegt einen lakonischen Humor, doch vor dem Ligagipfel gegen den HSV bleibt er ernst. Dass die Bielefeld-Kenner Bruno Labbadia und Thomas von Heesen die Arminia bereits öffentlich zu einem der Aufstiegsfavoriten erheben, gefällt Neuhaus nur bedingt: "Ich weiß gar nicht, ob ich mich darüber freuen soll", sagt er, "denn je länger man in diesem Punkt Ruhe hat, desto besser."

Neuhaus weiß, wie das mit dem Aufsteigen funktioniert

Ende November wird Neuhaus 60 Jahre alt. Als Trainer hat er 200 Spiele in der dritten und 282 Spiele in der zweiten Liga auf dem Buckel, aber kein einziges in der Bundesliga - jedenfalls nicht als Chefcoach. Von 1998 bis 2004 war Neuhaus Assistenztrainer bei Borussia Dortmund, dabei wurde er 2002 Meister und stand im Finale des Uefa-Pokals (2:3 gegen Rotterdam), aber den maßgeblichen Ruhm erntete damals der Chefcoach: Matthias Sammer.

Selbst Cheftrainer wurde Neuhaus erst 2004, bei der zweiten Mannschaft des BVB. Anschließend wechselte er zu Rot-Weiss Essen (2005), Union Berlin (2007) und Dynamo Dresden (2015). Mit allen drei Traditionsklubs ist er in die zweite Liga aufgestiegen: 2006 mit Essen, 2009 mit Union, 2016 mit Dresden. Das waren gute Referenzen für Bielefeld, wo er im Dezember 2018 seinen Dienst antrat - aber diesmal geht es um den Aufstieg in die erste Liga: "Für Hirngespinste sind die Medien zuständig", spöttelte Neuhaus neulich auf die Frage nach dem Aufstieg, doch schon im Frühjahr hatte er verraten: "Als Spieler bin ich spät Profi geworden und habe die Bundesliga erst mit 30 in Wattenscheid erreicht. Warum sollte mir das als Trainer nicht wieder gelingen? Das bleibt mein Ziel, so lange, bis es nicht mehr erfüllbar ist."

Er machte eine Ausbildung, er reparierte Hubschrauber - nur das mit dem Gefängnis war nichts für ihn

Neuhaus ist ein bodenständiger, ein realistischer Typ. Mitte der Siebzigerjahre machte er eine Ausbildung zum Elektriker in der Stahlgießerei Henrichshütte seiner Geburtsstadt Hattingen. Danach reparierte er bei der Bundeswehr vier Jahre lang Hubschrauber. Er wollte sogar mal Justizvollzugsbeamter werden, doch nach dreimonatiger Probezeit in Gefängnissen in Essen und Castrop-Rauxel schmiss Neuhaus hin, weil das nichts für ihn war und weil sich der Schichtdienst schlecht mit dem Fußballtraining vereinbaren ließ.

Über Erkenschwick und Essen landete Neuhaus als Spieler bei der SG Wattenscheid, für die er in den Neunzigerjahren als Abwehrchef 102 Bundesligaspiele absolvierte. Sein 103. möchte er als Trainer erleben - und gerne noch ein paar mehr.

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Neuhaus wird stets ein guter Draht zu seinen Spielern nachgesagt, aber er selbst tut das ein bisschen ab. Als Trainer von Union Berlin hatte er 2008 mal gesagt: "Wer mich als Spielerversteher bezeichnet, der hat keine Ahnung. Ich verstehe Spieler nur, wenn sie ihre Leistung so bringen, wie ich mir das vorstelle." Das scheint in Bielefeld ganz gut zu funktionieren.

Besonders viel Verständnis bringt Neuhaus für Mittelstürmer Fabian Klos auf, der mit 31 Jahren seine bislang beste Zeit erlebt und mit sechs Treffern und vier Vorlagen Topscorer der zweiten Liga ist. Klos, der sich früher mit Schokocroissants fürs Training gestärkt haben soll, lebt heute professioneller denn je. Gut möglich also, dass Neuhaus beim Gassigehen in Ostwestfalen künftig noch stärker beachtet wird; dass andere Hundehalter ihm sogar Plaudereien gewähren oder dass man ihn womöglich bei der örtlichen Sportlerwahl berücksichtigt. In Berlin war er 2009 bei der Wahl zum "Trainer" des Jahres' trotz des Aufstiegs mit Union bloß Zweiter geworden - hinter dem Boxtrainer Ulli Wegner.

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