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TSV 1860 München:Voll auf die Jugend

TSV 1860 München: Nachwuchs-Spieler Niklas Lang

Nachwuchs im Vordergrund: 1860 München setzt auf eigene Talente wie Niklas Lang, 17.

(Foto: Markus Fischer/imago)

Die Idee, Spieler auszubilden und Ablösen zu generieren, steht künftig noch stärker im Fokus beim TSV 1860 München. Der Kader besteht schon zu mehr als der Hälfte aus eigenen Talenten.

Von Markus Schäflein

Vergangenen Montag veröffentlichte der TSV 1860 München ein Foto, es zeigte links Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel mit Mund-Nasen-Schutz, rechts in angemessenem Abstand den 18-jährigen Innenverteidiger Niklas Lang ohne Maske. Beide deuteten auf das Löwen-Wappen an der Wand. Am Dienstag veröffentliche der Fußball-Drittligist dann ein weiteres Bild, links Gorenzel mit Mund-Nasen-Schutz, rechts der 19-jährige maskenlose Offensivspieler Johann Ngounou Djayo, Abstand, Wappen, alles wie gehabt.

Am Donnerstag folgte die Präsentation von Erik Tallig, der den scheidenden Regisseur Efkan Bekiroglu ersetzen soll: ein externer Zugang, vom Drittliga-Absteiger Chemnitzer FC, 29 Einsätze in der abgelaufenen Saison, zwei Tore, sechs Vorlagen, aber eben: auch erst 20 Jahre alt. Die Sechziger werden in der kommenden Saison in der dritten Fußball-Liga ganz stark auf Nachwuchs setzen.

Sieben Neue

Die vorläufigen Wechsel des TSV 1860 München:

Zugänge Abwehr: Maxim Gresler, Niklas Lang (beide TSV 1860 U17), Mittelfeld: Erik Tallig (Chemnitzer FC), Marco Mannhardt (TSV 1860 U19), Angriff: Johann Ngounou Djayo, Lorenz Knöferl, Milos Cocic (alle TSV 1860 U19). Weggänge Abwehr: Aaron Berzel (Türkgücü München), Mittelfeld: Efkan Bekiroglu (Alanyaspor), Kristian Böhnlein (Schweinfurt 05), Angriff: Markus Ziereis (SpVgg Bayreuth), Noel Niemann, Prince Osei Owusu (beide Arminia Bielefeld).

Es ist begrüßenswert, dass Lang und Djayo keine Maske trugen, denn wer das Geschehen in der zweiten Mannschaft oder in der U19-Bayernliga nicht verfolgt hat, kennt ihre Gesichter ja noch nicht. Und nachdem der Fan-Shop der Merchandising GmbH schon die Trikotbeflockungen zur neuen Saison anbietet, können weitere Spieler auf dem noch nicht abgelichteten Mannschaftsfoto ergänzt werden: Der 17-jährige Nachwuchsspieler Lorenz Knöferl soll die Nummer 18 von Nico Karger erhalten. Mit den beiden 18 Jahre alten Talenten Milos Cocic (30) und Mittelfeldspieler Marco Mannhardt (28) wird ebenfalls fest geplant, auch sie haben bereits Rückennummern zugewiesen bekommen. Linksverteidiger Maxim Gresler, 17, der mit der U17-Mannschaft in die Bundesliga aufstieg, erhielt bereits im März einen Profivertrag bis 2023.

Ein bisschen Erfahrung muss aber auch sein

Zum Kader stoßen könnten dann noch aus der U19 Rechtsverteidiger Ahanna Francis Agbowo, 18, sowie Offensivmann Matthew Durrans, 21, aus der Bayernliga-Mannschaft. Zählt man etwa die schon länger aufgerückten Leon Klassen, Dennis Dressel und Fabian Greilinger dazu, bestünde rund die Hälfte des Drittligakaders aus Talenten aus dem eigenen Nachwuchs.

Nicht umsonst haben die Löwen in Michael Köllner einen "Entwicklungstrainer" verpflichtet, wie es Gorenzel ausdrückt, der "nachweislich auch individuell gerade junge Spieler besser machen kann". Die Idee, Spieler auszubilden und Ablösen zu generieren, soll künftig noch stärker im Fokus stehen. Zu Talligs Begrüßung sagte Gorenzel, der Neue bringe das Potenzial mit, "auch seine individuelle Marktposition weiter zu steigern".

Ein bisschen Erfahrung wird aber schon auch noch im Kader sein, so stehen etwa Angreifer Stefan Lex, Mittelfeldspieler Quirin Moll und Innenverteidiger Dennis Erdmann weiter unter Vertrag, zudem verlängerte der von Aufsteiger Türkgücü umworbene Torjäger Sascha Mölders. Er habe sich zwischen Geld oder Liebe entscheiden müssen, erklärte Mölders - demnach hätte der neue Lokalrivale womöglich mehr Gehalt geboten. Die Löwen müssen ja sparen, der Spieleretat ist gesunken, wenngleich weniger stark als aufgrund von Gorenzels Aussage vom "Basis-Paket" vermutet. Bei diesem Paket, ausgehandelt im Zuge der von Investor Hasan Ismaik gegebenen Sicherheit von 6,3 Millionen Euro für eine positive Fortführungsprognose in Corona-Zeiten, handelt es sich nach SZ-Informationen nicht um den vom früheren Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold entworfenen absoluten Mindestetat von 2,4 Millionen Euro, sondern immerhin um rund drei Millionen. Das ist allerdings immer noch etwa eine halbe Million Euro weniger als in der abgelaufenen Spielzeit.

Etliche bisherige Akteure werden daher keine neue Anstellung mehr erhalten. Ganze 15 Verträge sind ausgelaufen, etliche Weggänge (darunter Bekiroglu, Aaron Berzel und Noel Niemann) wurden bereits bestätigt. Ersatz auf Bekiroglus Spielmacherposition hat Gorenzel in Tallig gefunden, und es würde nach Berzels Abschied auch nicht schaden, sich in der Innenverteidigung noch einmal zu verstärken. Da trifft es sich gut für Gorenzel, dass die bisherigen und noch kommenden Zugänge aus dem eigenen Nachwuchs im Etat noch ein bisschen finanziellen Spielraum übrig lassen werden. Und vielleicht sogar Geld einbringen: Einsatzzeiten von U21-Spielern mit deutscher Staatsangehörigkeit belohnt der Deutsche Fußball-Bund in der dritten Liga mit Zahlungen - und die Jahre der Klubzugehörigkeit werden dabei zum Multiplikator.

© SZ vom 27.07.2020/ebc
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