10:0 beim Confed-Cup in Brasilien:Weltmeister Spanien fährt Rekordsieg gegen Tahiti ein

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Weltmeister gegen den 138. der Tabelle: Tahitis Marama Vahirua (rechts) und Spaniens Cesc Fabregas

(Foto: AFP)

Mit B-Besetzung und halber Kraft siegt Spanien gegen den Außenseiter Tahiti. Das 10:0-Endergebnis übertrifft den bisherigen Confed-Cup-Rekord. Spanien ist damit so gut wie sicher weiter - doch bejubelt wurden dennoch die Gegner.

Kurz vor dem Spiel machte Tahiti noch einmal Werbung in eigener Sache. Jeder Tahitianer - auch die Ersatzleute - überreichte seinem Gegenspieler ein Halskettchen und einen kleinen Wimpel. Vielleicht, um die spanischen "Fußballgöter" gnädig zu stimmen? Geholfen hat es ebensowenig wie die Fünfer-Abwehrkette.

Im Schongang und mit einer B-Besetzung hat Spanien den erwarteten Rekordsieg beim Confederations Cup eingefahren. Gegen den tapfer kämpfenden Außenseiter Tahiti kam der Fußball-Weltmeister im legendären Maracana-Stadion von Rio de Janeiro zu einem 10:0 (4:0)-Erfolg und hat damit das Halbfinale beim WM-Testlauf in Brasilien so gut wie erreicht. Mit dem Kantersieg überboten die Spanier das bisherige Confed-Cup-Rekordresultat der Brasilianer, die 1997 Saudi-Arabien mit 8:2 geschlagen hatten.

Fernando Torres (5./33./57./78. Minute), David Silva (31./89.), David Villa (39./49./64.) und Juan Mata (66.) erzielten vor 70.806 Zuschauern die Tore für die Iberer, bei denen Javier Martínez vom FC Bayern München in der Startelf stand. Der heiß ersehnte Torerfolg blieb Ozeanchampion Tahiti im Gegensatz zum 1:6 gegen Nigeria diesmal verwehrt.

Bis auf Abwehrspieler Sergio Ramos hatte Spaniens Trainer Vicente Del Bosque seine gegen Uruguay siegreiche Mannschaft für das ungleiche Duell gegen den 138. der FIFA-Weltrangliste komplett ausgetauscht. So kam auch Martinez in einer Partie zum Zuge, die für den Weltmeister kaum mehr als eine Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen darstellte.

Es überraschte allerdings, wie ideenlos der haushohe Favorit eine halbe Stunde lang zu Werke ging. Der Sympathien der Fans im voll besetzten Maracana konnte sich der Außenseiter sicher sein. Jeder gelungene Pass von Tahiti wurde lautstark bejubelt. Bei Ballbesitz spielten die Amateure munter nach vorne. In der 19. Minute forderte das ganze Stadion Elfmeter, als Chong Hue im Strafraum nach einem Zweikampf mit Cesar Azpilicueta zu Fall kam.

Kombinationsfußball mit halber Kraft

Die zweite Garnitur der Spanier zeigte Kombinationsfußball mit halber Kraft, der den Insulanern trotz des frühen Rückstands immer wieder die Gelegenheit zum Verschnaufen gab. In der 5. Minute hatten die Tahitianer allerdings nicht aufgepasst und Torres auf dem linken Flügel davonziehen lassen. Der Angreifer des FC Chelsea schloss sein Solo mit einem Schuss aus spitzem Winkel ab, bei dem sich Torhüter Mikael Roche auf dem falschen Fuß erwischen ließ.

Das 2:0 durch David Silva nach einer langen Phase des Leerlaufs quittierten die Zuschauer mit Buh-Rufen, als wären Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff oder FIFA-Boss Joseph Blatter im Stadion. Doch die Missfallenskundgebungen schienen die Spanier anzustacheln. Torres und Villa schraubten das Resultat gegen einen in der Defensive viel zu weit aufgerückten Gegner bis zur Pause auf ein 4:0.

Vier Minuten nach Wiederbeginn leitete Villa das erwartete spanische Schützenfest ein, bei dem Torres seine Trefferanzahl auf vier erhöhte. Dabei leistete sich der Angreifer zwölf Minuten vor dem Spielende sogar noch den Luxus, einen Handelfmeter an die Latte zu schießen. In der Schlussphase waren die Tahitianer vor allem darum bemüht, das zehnte Gegentor zu verhindern - ohne Erfolg.

Uruguay wahrt Halbfinal-Chance

Der zweimalige Weltmeister Uruguay darf dank Jubilar Diego Forlán weiter davon träumen. Der 34-Jährige schoss die "Celeste" in Salvador da Bahia mit seinem 34. Tor in seinem 100. Länderspiel zu einem 2:1 (1:1)-Sieg gegen Afrikameister Nigeria. Uruguays Rekordtorschütze Forlán traf nach Vorarbeit seiner Sturm-Kollegen Luis Suárez und Edinson Cavani aus halblinker Position (51.). Zuvor hatte er die Führung durch Kapitän Diego Lugano (19.) beim ersten Confed-Cup-Spiel in der Arena Fonte Nova vorbereitet. Nigeria glich durch John Obi Mikel zwischenzeitlich aus, als dieser Lugano per Körpertäuschung versetzte (37.).

Damit haben beide Mannschaften drei Punkte. Uruguay trifft zum Abschluss der Vorrunde am Sonntag auf Außenseiter Tahiti, dann ohne Lugano, der seine zweite Gelbe Karte im Turnierverlauf sah. Nigeria bekommt es mit dem bislang zwei Mal erfolgreichen Spitzenreiter der Gruppe B, Welt- und Europameister Spanien, zu tun. Da alle Mannschaften mit Ausnahme von Tahiti noch auf sechs Zähler kommen können, ist noch kein Team für die Vorschlussrunde qualifiziert. Bei Nigeria wurde Joseph Akpala von Werder Bremen in der 74. Minute eingewechselt, Anthony Ujah (1. FC Köln) blieb auf der Bank.

Vor dem Spiel zogen in Salvador 20.000 Demonstranten in Richtung Stadion. Einige versuchten die Polizeisperre zu durchbrechen, um in die Bannmeile einzudringen. Sie wurden allerdings mit Tränengas und Gummigeschossen zurückgetrieben. Danach löste sich die Demo auf.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/sks
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