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1. FC Köln:"Die Leiche hat am Sarg geklopft"

1. FC Köln - Bayer Leverkusen

Und jetzt bitte jubeln: Simon Zoller (links) wartet auf Jonas Hector.

(Foto: dpa)
  • Der 1. FC Köln verlässt nach Wochen den letzten Tabellenplatz und macht sich neue Hoffnung auf den Klassenerhalt.
  • Dabei spielt das Team bisweilen Fußball, der gar nicht an eine Mannschaft erinnert, die sich im Abstiegskampf befindet.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.

Das Bild des Tages war zweifellos jenes vom Konflikt des Kölner Mittelfeldspielers Vincent Koziello mit dem Leverkusener Abwehrspieler Jonathan Tah. Dieses Bild sollte als Beispiel für die wahre Kraft der Kleinen und vermeintlich Schwachen um die Welt gehen, denn wenn jemals im Zusammenhang mit Fußball die Metapher von David & Goliath eine Berechtigung hatte, dann in diesem Moment - als sich Koziello und Tah fauchend gegenüberstanden: der eine 1,68 Meter klein und 58 Kilo leicht, der andere 1,92 Meter groß und 92 Kilo schwer. Es sah aus, als ob sich ein Schulkind aus der Obertertia mit einem olympischen Faustkämpfer der Oberklasse anlegen wollte, und genauso war es auch: Nicht Tah, sondern Koziello hatte mit einer forschen Grätsche den Streit begonnen, und wahrscheinlich muss der Riese aus Leverkusen dafür dankbar sein, dass zügig der Schiedsrichter dazwischen ging - so kam Tah unversehrt davon.

An diesem Tag geschah nämlich alles ein bisschen anders als erwartet. Womit zum Beispiel kaum jemand gerechnet hatte: Dass Bayer-Torwart Bernd Leno nach dem Derby mitteilen würde, man habe "hier hochverdient 0:2 verloren".

Köln glaubt wieder an das Unmögliche

Die zuletzt so selbstbewussten Leverkusener waren nicht der Gegner, den die Kölner sich gewünscht hatten, um ihre diesmal aber wirklich letzte Chance im Abstiegskampf zu nutzen: "Heute hatten uns nur die wenigsten etwas zugetraut", meinte FC-Torwart Timo Horn, als er den Erfolg gegen die Nachbarn von der anderen Rheinseite rekapitulierte. Er sagte das weder in Bitternis noch im Rausch des Glücks, allenfalls in der Erleichterung des Verdammten, der noch mal eine kleine Chance bekommt: "Bisher haben wir nur den letzten Platz verlassen", fasste Horn zusammen, "das tut extrem gut, aber es sind immer noch fünf Punkte Rückstand, es wird immer noch verdammt schwer."

Bundesliga Endlich klappt die Auferstehung
1. FC Köln

Endlich klappt die Auferstehung

Der 1. FC Köln verlässt nach einem überraschend souveränen 2:0 über Leverkusen den letzten Tabellenplatz in der Bundesliga - vor allem der zweite Treffer war besonders kunstvoll.   Von Philipp Selldorf

Doch immerhin ist es noch nicht vorbei, wie Flügelstürmer Leonardo Bittencourt, am Sonntag ein Hauptdarsteller des Kölner Spiels, betonte: "Das Unmögliche ist jetzt nicht mehr so unmöglich."

Der FC hat gegen die favorisierten Leverkusener die gleiche Botschaft an die Liga gesendet, die er bereits seit Wochen sendet, diesmal allerdings ist die Botschaft tatsächlich zugestellt und ordnungsgemäß in der Tabelle vermerkt worden. Empfänger der Nachricht war unter anderem der Tabellennachbar Mainz 05, der sein nächstes Auswärtsspiel in Müngersdorf bestreiten muss und deswegen Grund zur Beunruhigung hat. Während mancher FC-Anhänger zuletzt durch die Niederlagen gegen Stuttgart (2:3) und in Bremen (1:3) in Versuchung geraten war, die Hoffnung auf den Klassenverbleib aufzugeben, hat die Mannschaft ein weiteres Mal gezeigt, dass sie verblüffende Widerstandskräfte besitzt und zur Kapitulation nicht bereit ist.

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich hatte dies schon vor dem Treffen punktgenau geweissagt, seine Spieler schienen ihm allerdings nicht zugehört zu haben. Bei den Gegentoren patzten erst Torwart Leno, dann Aranguiz mit verunglückter Rückgabe. Und Stürmer Lucas Alario half dem Gegner durch seinen Ellbogencheck gegen den Kölner Maroh, der mit einer frühen roten Karte bestraft wurde (33.) - und am Montag vom DFB mit drei Spielen Sperre und 10 000 Euro Geldbuße. "Wir waren von der ersten Minute nicht im Spiel, unser Spiel war genauso wie der Rasen", fand Leno. Er übte damit Kritik an den Kollegen und auch an der holprigen Spielfläche, eine Ausrede hatte er aber nicht im Sinn - dass man auf diesem Rasen schon Fußball spielen konnte, hatten ja die Kölner vorgeführt.