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Wandern in Schottland:Muscheln, Moos und Massaker

Weiter am nächsten Tag, nach Glencoe im Westen. Durchzogen von Lochs, weiten, vom Moos bedeckten Ebenen und in die Höhe ragenden Bergen: Man fühlt sich wie in einer anderen Zeit.

Grund genug, eine Weile zu bleiben. Es regnet etwas, aber das ist egal. Grün, überall grün - in allen Facetten. Lilafarbene Tupfer wirken wie auf dieses Stilleben gekleckst. Es sind die Disteln, die dem Wetter standhalten. Vielleicht sind sie deshalb das Nationalsymbol hier... Das ist Schottland. Man muss an den Film "Braveheart" denken.

"Welcome in God's own country"

Ein Mann begegnet einer kleinen Wandergruppe in den dunklen Tälern. "Welcome in God's own country" ruft er ihnen zu und breitet die Arme aus, als müsse er die Dimension noch einmal verdeutlichen.

Hier lebt die Geschichte. Eine kennt jeder Schotte: das Massaker von Glencoe. 1692 wurde fast der gesamte Clan der MacDonalds auf hintertückische Weise ausgerottet - wohl auf Geheiß des englischen Königs.

Die Schotten lieben ihre Historie und verehren ihre Helden, wahrscheinlich wegen der Tragik, die ihnen meistens wiederfuhr. In jeder noch so kleinen Stadt erinnern Monumente und Denkmäler an längst vergangene Zeiten und Geschichten, wie sie heute nicht mehr geschrieben werden.

Auf dem Weg erzählt eine Wanderin, die Mitte fünfzig ist und aus Kanada kommt: Durch Schottland zu laufen sei ihr Traum. Sie läuft auf dem berühmten "West Highland Way", der von einem Vorort von Glasgow aus, vorbei am Loch Lomond und dem Ben Nevis bis nach Fort William führt.

Das romantischste aller Fotomotive

Sie wolle noch bis nach Inverness hoch in den Norden. Das sind noch ungefähr 70 Kilometer. Ihr Mann war ein begeisterter Wanderer, sagt sie. Vor fünf Jahren ist er gestorben. Er wäre begeistert gewesen. Mit ihm war sie auch schon im Schwarzwald auf Tour.

Schlösser und Burgen: Das ist das zweite, was einem sofort einfällt, wenn man an Schottland denkt. Und davon gibt es wirklich genug. Viele Urlauber mutieren auf der Reise quasi zu "Castle-Jägern".

Das Castle Stalker, ein Schloss, das auf einer Insel mitten im Loch Laich liegt und eines der wohl romantischsten Fotomotive bietet, Castle Kilchurn, am Lochawe und Eilean Donnan Castle, am Loch Duich, das als Kulisse für den Film "Highlander" diente, sind wohl die drei bekanntesten Schlösser der Westküste.

Doch achtet man am Straßenrand ein kleines bisschen auf die Schilder und folgt ihnen, dann bekommt man manches Kleinod zu sehen. Ruinen, von der Witterung zersetzte Wehrmauern, liebevoll restaurierte Festungsanlagen oder versteckte Burgfriede, sogenannte "Keeps".

Letzter Halt auf der Reise ist Loch Ness. Eigentlich eine Touristenfalle, aber wenn man schon einmal in der Nähe ist... Das "Monster" hat sich natürlich nicht gezeigt.

© sueddeutsche.de

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