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Verbote und Fettnäpfchen auf Reisen:Stirb an einem anderen Ort

Sterben

"Die another day" als Devise für den Tagesausflug zur Westminster Abbey? Lange hieß es, dass Sterben dort untersagt sei, da dem Toten sonst ein kostenintensives Staatsbegräbnis zustünde. Das ist ein Gerücht. Tatsächlich meiden sollten bereits schwächelnde Touristen jedoch Longyearbyen auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen, wo das Dahinscheiden seit 1950 verboten ist, da auf dem Friedhof wegen des Permafrostbodens seit 70 Jahren keine Bestattungen mehr stattfinden.

Die französische Kommune Sarpourenx ist ebenfalls kein guter Ort für die Reise ins Jenseits: Dort verbot der Bürgermeister 2008 unter Androhung schwerer Strafe das Sterben - es war wohl ein Akt symbolischen Protests gegen den Platzmangel am örtlichen Friedhof. Auch auf der japanischen Insel Itsukushima gibt es bis heute weder einen Friedhof noch ein Krankenhaus. So rät man Schwangeren und Schwerkranken davon ab, die Insel zu besuchen, auf der ein besonders wichtiger Shinto-Schrein steht.

Heilige Berge besteigen

Lange hielt nur ein ungeschriebenes Gesetz Abenteurer vom Klettern auf dem fragilen Steinbogen Delicate Arch ab, der als Symbol des US-Bundesstaates Utah gilt. Weil es nicht ausdrücklich verboten war, wagte 2006 der Profikletterer Dean Potter in Begleitung eines Kameramannes die Begehung des Felsens. Dies führte zwar nicht zu einer gerichtlichen Verurteilung, löste allerdings in der Kletterszene eine heftige Kontroverse aus, sodass Potters langjähriger Hauptsponsor ihm die Unterstützung entzog. Der betroffene Nationalpark änderte daraufhin sein Regelwerk und verbot aus Sicherheitsgründen das Besteigen aller "Arches" und "Natural Bridges".

Am Uluru, auch Ayers Rock genannt, herrscht eine widersprüchliche Situation. Für die einheimischen Aborigines ist es ihr heiliger Berg. Auf Tafeln wird darum gebeten, ihn nicht zu besteigen, während die Nationalparkverwaltung in Fels eigens Metallleitern montiert hat, damit die Menschen leichter hochkommen. Immer schon sehr ernst genommen wurde im tibetischen Hochland das Verbot, den heiligen Berg Kailash zu besteigen. Eine Ausnahmegenehmigung erhielt 1985 Reinhold Messner, der aber auf den Aufstieg verzichtete. Bisher, so heißt es, sei noch niemand auf dem Gipfel des Kailash gewesen.

Schuhe tragen

Auf Capri ist es seit 1960 verboten, mit Holzschuhen durch die Gassen der Insel zu klappern. Bei Nichtbeachtung zahlt man 50 Euro Strafe. In Griechenland verbietet man in antiken Stätten das Tragen von High Heels, um die empfindlichen Gemäuer zu schützen. Auch Flipflops sind dort ungern gesehen, denn auf dem glatten Marmor besteht Rutschgefahr.

Bücher lesen

In Nordkorea gilt zwar theoretisch Religionsfreiheit, praktisch sieht die Sache jedoch anders aus. 2012 wurde ein US-Amerikaner fünf Monate lang gefangen gehalten, weil er auf einer nordkoreanischen Toilette eine Bibel zurückgelassen hatte. Damit kam er noch glimpflich davon, denn bereits der Besitz einer Bibel kann mit der Deportation in ein Arbeitslager bestraft werden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten führt oft schon ein Gesundheitsratgeber zu einem Einreiseverbot, in dem ein entblößter Busen zu sehen ist: Pornografie ist dort ein weit gefasster Begriff.

© SZ vom 04.08.2016/ihe
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