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Val di Sogno:Malcesine sehen - und zwei Kilometer weiterfahren

Fast jeder Gardasee-Urlauber kennt das schmucke, aber reichlich überlaufene Städtchen am Ostufer. Ein paar Kilometer weiter ist es genauso schön. Und ruhiger.

Den berühmtesten Gast der Stadt hätten sie fast in den Kerker geworfen. Dabei war er mit Papier und Bleistift vergleichsweise übersichtlich bewaffnet: Als Johann Wolfgang von Goethe im September vor fast 117 Jahren per Boot von Torbole nach Malcesine reiste, geriet er beim Anblick des Städtchens derart in Verzückung, dass er gleich nach der Landung hinauf zur "Rocca", dem dekorativen steinernen Wahrzeichen des Orts, eilte, um die wunderschöne Stimmung rund um den Turm auf seinen Zeichenblock zu bannen. Doch scheinbar hatte das Konterfei des hessischen Schöngeistes noch nicht bis zum Ostufer des Gardasees Verbreitung erlangt: Das aufmerksame Wachpersonal wollte unseren harmlosen Wanderer auf seiner "Italienischen Reise" glatt verhaften. Der Vorwurf: Spionage.

Malcesine, damals Teil der Republik Venedig und zugleich Sitz des Hauptmanns vom Gardasee, hatte bereits eine wechselhafte Historie hinter sich (Besetzung durch Etrusker, Römer, Longobarden, die Scaliger von Verona, später noch die Österreicher), und seine mehr als 2000 Einwohner begegneten Fremden damals eher skeptisch. Auch das hat sich im Laufe der Jahre natürlich geändert. Heute quellen schon mal ganze Busladungen mit Zeichenblock und Aquarellfarben bewehrte Urlauber vom Parkplatz Richtung Schloss, ohne dass auch nur irgendjemand auf die Idee kommt, diesen Menschen Misstrauen entgegen zu bringen. Sie leben schließlich von ihnen. Und das schon lange. Und gut.

Malcesine ist ein Klassiker des Gardasees, ein Standard-Stopp wie Riva, Torbole oder Limone. Der Prozentsatz der Gardasee-Touristen, die noch nie in Malcesine waren, dürfte verschwindend gering sein. So malerisch und pittoresk das Städtchen auch ist: Der kontinuierliche Urlauber-Strom verursacht vor allem in den Hauptreisezeiten Stress. Platzsuche in den Restaurants direkt am See, Parkplatznot im weitgehend autofreien Stadtinneren, und auch die Quartiersuche kann sich in die Länge ziehen. Wer aber trotzdem nicht auf die besondere Atmosphäre Malcesines und die spektakulären Wander- und Mountainbike-Touren am Monte Baldo (1738 Meter) verzichten will, muss auswandern. Nur ein paar Kilometer die Uferstraße entlang. Nach Süden. Nach Val di Sogno.

20 Minuten dauert der Fußmarsch am See entlang, vorbei an Kiesstränden, schicken Strandvillen, kleinen Pinienwäldern - genau die richtige Distanz für einen Verdauungsspaziergang oder einen gemächlichen Faulenzer-Schlenderei. Val di Sogno ist eine fast halbkreisförmige Bucht, die von zwei schmucken Hotels aus genossen werden kann: dem eher mondänen "Maximilian" samt Beauty-Center, Tennisplatz und komfortabler Designer-Einrichtung oder dem vergleichweise bodenständigen "Val di Sogno" mit den großen Portionen auf den Tellern, eigenem Bootssteg und benachbarter Segel- und Surfschule. Der Blick geht hier nach Süden, Richtung Bardolino, hinein in den Sonnenuntergang mit seinen Farbenspielen.

Diese Atmosphäre inspirierte auch unseren großen Dichter, der sich in Malcesine ausführlich zur "Farbenlehre" ausließ; ein kleines Museum am Schloss, welches er als "schönen Gegenstand" bezeichnete, zeigt Zeichnungen und Texte von damals. Bis Val di Sogno kam Goethe nie. Seine "Italienische Reise" führte ihn von Malcesine mit dem Schiff weiter nach Bardolino, vorbei an der Isola dell' Olivo und der Bucht von Val di Sogno. Gefallen hätte es ihm dort sicherlich auch.

Hotel Maximilian: Tel. 0039 0457 400 317, www.hotelmaximilian.com Hotel Val di Sogno: Tel. 0039 0457 400 108, www.malcesine.com/valdisogno