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Tourismus:Was Griechenland-Reisende wissen müssen

Pensioners And Greek Banks Amid Record Deposit Outflows

Touristen könnten Probleme haben, genug Bargeld zu erhalten.

(Foto: Konstantinos Tsakalidis/Bloomberg)

Auch in der Schuldenkrise ist Griechenland ein beliebtes Urlaubsziel. Aber was, wenn der Grexit kommt?

Von Luisa Seeling

Die Debatte um einen möglichen "Grexit" verunsichert Touristen: Was passiert, wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt? So genau weiß es niemand - es wäre schließlich das erste Mal, dass ein Land aus dem Euro ausscheidet. Noch dazu eines, das zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen zählt - mit 2,5 Millionen Besuchen wurde vergangenes Jahr ein neuer Rekord erreicht.

Welche Folgen hätte ein Grexit für Reisende?

Wahrscheinlich entstünde Pauschalurlaubern, die bei einem Veranstalter gebucht haben, kein Nachteil. Leistungen wie Flüge, Hotelübernachtungen und Bustransfers sind im Voraus eingekauft und vertraglich abgesichert. Entsprechend entspannt geben sich die großen Reiseveranstalter. Ein Sprecher von Thomas Cook sagt: "Für die Reiseverträge und das Urlaubserlebnis in diesem Jahr hätte das keine Auswirkungen." Und Tui teilt mit: "Selbst wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen sollte, hätte das für unsere Gäste keine Auswirkungen auf ihre gebuchten Reisemodalitäten." Wer längerfristig eine Reise nach Griechenland plant, dem empfiehlt Thomas Bausch, Tourismus-Experte an der Hochschule München, seine Reise möglichst bei einem Reiseveranstalter mit Sitz in der EU, noch besser in Deutschland zu buchen. "Er erhält dann den Reisesicherungsschein, der seine Reise auch im Falle der Insolvenz eines Leistungsträgers absichert." Individualreisende, die ihre Flüge und Hotels selbst buchen, hätten weniger Sicherheiten.

Die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen wird immer wahrscheinlicher. Was heißt das für Urlauber?

Wenn die Regierung in Athen Kapitalverkehrskontrollen einführt, bekommen Touristen das vor allem am Geldautomaten zu spüren: Dort würden dann nur noch geringe Beträge pro Tag ausgegeben. Experten raten daher, dass sich Reisende mit ausreichend Bargeld ausstatten - gerade auch mit kleinen Scheinen, um die Dinge des Alltags bezahlen zu können, ohne auf Wechselgeld angewiesen zu sein. Wobei größere Bargeldsummen auch ein höheres Diebstahlrisiko mit sich bringen. Alexander Kritikos, Ökonom beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), will Reisewillige beruhigen: "Es gibt für Touristen keinen Grund zu befürchten, dass sie auf dem Trockenen sitzen werden oder nichts mehr einkaufen können." Die Kartenzahlung mit Kredit- oder Debitkarten werde schließlich weiter funktionieren. "Diese greifen nicht auf griechische, sondern auf ausländische Konten zu", sagt Kritikos.

Falls es wirklich zum Grexit kommt: Kann man dann noch in Euro zahlen?

Man bewege sich da im "äußerst spekulativen Raum", sagt Tourismus-Experte Bausch. "Selbst wenn Griechenland zum 1. Juli nicht mehr zahlungsfähig ist, weiß keiner, wie die nächsten Schritte aussehen." Kaum jemand aber rechnet damit, dass von jetzt auf gleich nur noch die Drachme gilt. Im Ernstfall würde es wohl eine Übergangsregelung geben, bei der Euro und Drachme parallel akzeptiert würden. "Es wird sicher immer irgendeine Währung geben, mit der man bezahlen kann", sagt auch Kritikos. Außerdem gebe es so etwas wie eine griechische Lebensregel: "Man lässt nie jemanden hängen. Schon gar keine Touristen." Schließlich wüssten die Griechen genau, wie wichtig der Tourismus als Wirtschaftszweig für ihr Land sei. Mittelfristig könnten Reisende sogar von einem Grexit profitieren - denn es gilt als sicher, dass die Drachme im Vergleich zum Euro abgewertet würde.

Und wie steht es um die Sicherheit?

Das Auswärtige Amt rät ganz allgemein, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden und sich über die aktuelle Lage zu informieren. Auch mögliche Flug-, Fähr- oder Zugausfälle aufgrund von Streiks sollte man im Auge behalten. Falls es wirklich zum Grexit kommt, sind Unruhen und Ausschreitungen nicht ausgeschlossen. "Viele Menschen wären darüber sehr zornig", sagt DIW-Experte Kritikos. Das beträfe aber eher Großstädte wie Athen, nicht die Inseln. Dort ist mit politischen Kundgebungen eher nicht zu rechnen.

© SZ vom 20.06.2015

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