Texas:"Jeder ist willkommen. Das ist der Sinn dieses Ortes"

George Westby ist in Seattle geboren, irgendwann zog es ihn beruflich nach Dallas. Aber seine Mutter stammte aus Fort Worth. Um zu verstehen, dass es für ihn eine Grundsatzentscheidung war, nach Fort Worth zu gehen, muss man wissen, wie schlecht es das um das Verhältnis der Twin Citys steht. Wer die eine Stadt mag, hasst meist die andere. Die Banken- und Verwaltungsstadt Dallas mit ihren Wolkenkratzern ist hypermodern, Männer mit Cowboyhüten sieht man so gut wie gar nicht. Zwischen den beiden Millionenstädten liegen 50 Meilen, aber sie trennen Welten.

Abgesehen vom Museumsdistrikt erinnert Fort Worth tatsächlich an vielen Stellen an eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert. Selbst das Zentrum hat etwas Verschlafenes. Westby wusste also sehr genau, was er tat, als er sich für Fort Worth entschied. Lange hat er sich im Gespräch seine liebenswürdige Zurückhaltung bewahrt, aber irgendwann platzt es aus ihm heraus: "In Dallas beurteilen dich die Leute nach der Größe deines Autos, sie wollen immer als Erstes wissen, womit du dein Geld verdienst. Sie interessiert nur die Fassade", erzählt er regelrecht aufgebracht. In Fort Worth sei es anders. "Hier zählt nur, wie du als Mensch bist. Die Leute sind direkt und unverstellt. Sie sind echt."

Katholik? Baptist? Egal.

Westby hatte seinen Platz gefunden. Aber etwas fehlte noch. Er ging zu der jährlichen Cowboy-Zusammenkunft, die der Countrysänger Red Steagall veranstaltete. Es gab ein Konzert und auch einen Gottesdienst. "Der Gottesdienst war weder baptistisch, lutheranisch noch katholisch - er war nur Jesus und Gott gewidmet, er war einfach, ehrlich und ungekünstelt", sagt Westby. Lässig, entspannt. So sollte es immer sein, sagte er halblaut vor sich hin, und eine kleine Frau neben ihm erwiderte: "Warum machen wir das hier nicht genauso? " Und dann habe sie auf die weitgehend leer stehenden Stockyards gezeigt.

Westby war begeistert. Er begann, mit Gleichgesinnten Treffen zu organisieren, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Katholik? Baptist? Egal. Am Anfang waren sie fünf, eine Woche später zehn. Ein Jahr lang trafen sie sich im Auktionsareal, wo bis heute Longhorns verkauft werden, um gemeinsam Gospels zu singen. Eine Predigt gibt es bis heute nicht. Westby liest immer nur einen Text aus dem Neuen Testament vor, Kapitel für Kapitel. Heute Römer drei, nächstes Mal Römer vier. Einem reichen Ehepaar gefiel das so gut, dass sie ihm die Räume in den Stockyards eingerichtet und kostenlos zur Verfügung gestellt haben. "Jeder ist willkommen. Das ist der Sinn dieses Ortes", sagt Westby. Von Spendenaufrufen hält er nichts. Am Eingang liegt ein Cowboyhut, in den man Geld werfen kann. Es kommt den Bedürftigen im armen Bezirk Northside zugute, wo viele Latinos leben.

Die Cowboy-Kirche steht für den unprätentiösen, einfachen Lebensstil, der bis heute den Beruf des Cowboys ausmacht. Ein bisschen ist sie wie die Frage, die den Fremden gestellt wurde, wenn sie ans Lagerfeuer traten, nur hier heißt es: Gebet gefällig?

Reiseinformationen

Anreise: Flug mit United Airlines ab München mit Zwischenstopp nach Dallas / Forth Worth, hin und zurück ab etwa 1000 Euro, www.united.com

Unterkunft: Omni Fort Worth Hotel, DZ ab umgerechnet 90 Euro, www.omnihotels.com

Stockyards: Fr./ Sa. 20 Uhr, Stockyards Championship Rodeo im Historic Fort Worth Cowtown Coliseum, www.fortworthstockyards.org

Gastronomie: H3 Ranch, ausgezeichnete Steaks, 109 East Exchange Av., www.h3ranch.com

Museum: National Cowgirl Museum and Hall of Fame, 1720 Gendy Street, www.cowgirl.net

Weitere Auskünfte: Fremdenverkehrsbüro Dallas und Fort Worth, Scheidswaldstraße 73, Frankfurt am Main, www.fortworth.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ vom 30.05.2018
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