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Steiermark: Graz:Weltkulturerbe mit Designelementen

Das Zeitgenössische mit dem Historischen verbinden: Wie man aus dieser Mischung ein gelungenes Stadtbild formen kann, zeigt sich in Graz.

Elisabeth Soos ist eine unaufgeregte Frau - aber vor einem hat sie Angst: Motten. Deswegen beäugt sie genau, was in ihrem kleinen Laden in der Grazer Färbergasse an den Wänden klettert und fliegt. Soos ist Designerin, ihr Werkstoff ist Loden. Der gute, alte, steirische Stoff, der fast ausschließlich in der traditionellen Trachtenmode seine Verwendung findet. Schade findet die 28-Jährige das. "Das ist so ein schönes Material, aus dem sich Kleidung für das ganze Jahr gestalten lässt."

Giftgrün sind ihre Lodenjacken und pink, orange, rot und lila. Aber auch Mäntel in dezenten Farben hängen auf den Kleiderstangen. Alles wird in Kleinserien produziert, die Stücke kosten um die 300 Euro. Sie ist nicht die einzige Jungdesignerin, die ihre Entwürfe in den trubeligen Gassen der Weltkulturerbe-Stadt anbietet: Vom Schmuckdesign über Modelabels, von Industriedesign bis zur Architektur gibt es kaum etwas, das es nicht gibt.

Die kreative Generation findet in der Stadt an der Mur die besten Voraussetzungen: "Allein vier Unis haben wir hier, die Fachhochschulen und Akademien nicht mitgezählt", sagt der Historiker Wolfgang Petermandl. Das spiegelt sich auch in der Einwohnerzahl der zweitgrößten Stadt des Landes wieder: Von den 260.000 Grazern sind 50.000 Studenten. Auch Elisabeth Soos lebt gern hier - sie hat eine Zeit lang im Ausland gearbeitet, wollte aber wieder zurück in ihre Geburtstadt: "Ich mag es, wenn man dauernd Bekannte trifft und in einer doch recht provinziellen Stadt ist."

Graz ist sicher nicht Wien - braucht sich aber nicht vor der österreichischen Hauptstadt zu verstecken. Graz hat das größte und traditionellste Kaufhaus Österreichs und das Zeughaus, das mit seinen 32.000 Waffen das besterhaltene seiner Art auf der ganzen Welt ist. Graz hat einen Dom, die Oper und ein Schauspielhaus, zahlreiche Parks, Gärten und Märkte, auf denen eine besondere Spezialität verkauft wird: das steirische Kürbiskernöl.

Über allem thront der Schlossberg, auf den 260 Treppenstufen führen, eine Standseilbahn und ein hochmoderner Aufzug mitten durch den Fels.

Graz ist keine altbackene Stadt, aber auch keine Stadt der ultramodernen Gebäude - vielmehr prägt die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und Dutzenden Innenhöfen das Bild. Aber Graz hat moderne Architektur aus Glas, Beton und Stahl. "Man hat aber immer versucht, das Zeitgenössische mit dem Weltkulturerbe der Altstadt zu vereinen", sagt Historiker Petermandl.

Das Kunsthaus ist eines dieser Bauwerke, die hier eigentlich fehl am Platz sind und sich dennoch in das Stadtbild einfügen. Von oben sieht man den Entwurf eines britischen Architektenduos am besten - Polyacryl über Stahl, ein bisschen schaut das Bauwerk aus wie ein Spenderorgan. Auch die stählerne Insel in der Mur, eigentlich ein Schiff und von beiden Uferseiten aus begehbar, hat etwas von einem Ufo mitten in Graz - und ist dennoch mit ihrem Café ein beliebtes Ziel für Einheimische und Besucher gleichermaßen.

Graz, die Provinzstadt, die sich lange Zeit selbst als Österreichs heimliche Liebe bezeichnete, hat sich emanzipiert - spätestens, seit sie 2003 Europäische Kulturhauptstadt war und nun den Beinamen City of Design tragen darf. Vor zwei Jahren hatte sich Graz bei der Unesco darum beworben - und ist nun Mitglied eines Creative Cities Network, dem auch Buenos Aires, Montreal und Shanghai angehören.

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