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Hippe kleine Städteschwestern:Ansehen: Glockenläuten für Anfänger und Knast für Profis

Der Start war friedlich, dann wurde es wild in Corks bewegter Geschichte. Gegründet wurde die Stadt am River Lee etwa 600 nach Christus vom Heiligen Finbarr - als Kloster. Wann immer es in den folgenden Jahrhunderten auf der grünen Insel Ärger gab, Cork war mit dabei. Kein Wunder also, dass die "Rebel City" das Herz des irischen Unabhängigkeitskampfes war, woraufhin britische Hilfstruppen 1920 Teile von Corks Innenstadt niederbrannten.

Eine Erkundungstour durch die Stadt lässt sich chronologisch beginnen: Die Saint Fin Barre's Cathedral soll genau dort stehen, wo der namensgebende Stadtgründer einst Corks Grundstein legte. Die heutige Kathedrale mit ihren Türmchen und Wasserspeiern, den farbenprächtigen Fenstern und detailreichen Marmormosaiken ist allerdings das Ergebnis eines Architektur-Wettbewerbs, der 1863 veranstaltet wurde. Ein gewisser William Burges gewann die Ausschreibung, um dann prompt seine Pläne ein wenig auszuweiten. Statt der veranschlagten 15 000 £ wurden es schließlich 100 000 £ - man kennt das ja heute. Dank der großzügigen Unterstützung durch den Bischof konnte das Kunstwerk im Stil der französischen Gotik immerhin pünktlich 1870 eröffnet werden.

Auch die St. Anne's Church im Stadtteil Shandon ist einen Besuch wert. Vor allem der Kirchturm hat ein paar Finessen zu bieten. Zwei Seiten sind in rotem Sandstein gehalten, zwei Seiten bestehen aus weißem Kalkstein - und sind damit ganz in den Farben von Corks Sportteams gehalten. "Four-faced-liar" wird der Turm auch liebevoll genannt; zeigen die vier Uhren bisweilen nicht die selbe Uhrzeit an. Der Wetterhahn ist in diesem Fall ein Wetterfisch. "De goldie fish" nennen die Einheimischen den goldenen Lachs, der die Flossen nach dem Wind richtet. Besonderes Highlight: Die Kirchenglocken dürfen von Besuchern selbst gespielt werden. Stecken Sie daher noch die Noten vom Lieblingslied ein - dann müssen Ihre ersten Glöckner-Versuche nicht mit "Alle meine Entchen" enden.

Von außen sieht der Cork City Gaol ein bisschen wie ein Schloss aus - doch der erste Eindruck trügt. Wie schon der englische Name "Gaol" verrät, handelt es sich um ein ehemaliges Gefängnis. Heute gibt ein Museum Einblicke in das Leben von Häftlingen im 19. Jahrhundert. Das war durchaus kläglich, auch wenn das Corker Gefängnis einst als Vorzeigeprojekt gefeiert wurde. Wer aufmüpfig war, musste zur Strafe ein Tretrad antreiben, Frauen dazu noch stricken (so viel zum weiblichen Multitasking). Die meisten der armen Hunde, die in den georgianisch-gotischen Hallen einsaßen, hatten sich übrigens nicht mehr zu Schulden kommen lassen, als Essen oder Kleidung zu klauen. Selbst Neunjährige mussten hier ihre Strafe absitzen (vielleicht eine interessante Information, falls Sie mit eigenem, aufmüpfigem Nachwuchs unterwegs sind). Nach Besuchsschluss um 16, beziehungsweise um 17 Uhr im Sommer, wird noch eine abendliche Führung um 17:45 Uhr angeboten.

Butter, Kunst und der Stein der Quasselstrippen

Die kleine feine Crawford Art Gallery zeigt die Arbeit irischer und internationaler Künstler vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In wechselnden Ausstellungen werden zeitgenössische Kunstwerke präsentiert. Hervorzuheben ist die Sammlung von Bildern irischer Künstlerinnen seit 1886.

Moderner präsentiert sich die Lewis Glucksman Gallery, benannt nach einem Banker und Philanthropen, der die Einrichtung mit seiner Frau gegründet hat. Kunst trifft auf Wissenschaft und Technik. Eine aktuelle Ausstellung widmet sich den ästhetischen Seiten der Mathematik. Auch das Gebäude auf dem ebenfalls sehenswerten Gelände des University Colleges Cork ist eindrucksvoll.

Mehr noch als Whiskey ist Butter das irischste aller Lebensmittel. Sie war der Schmierstoff für Corks wirtschaftliche Entwicklung. Von hier aus wurde im 19. und 20. Jahrhundert die gesalzene irische Markenbutter tonnenweise in die ganze Welt, bis nach Australien und in die Karibik verschifft. Teil des Erfolgs waren die Gründung des irischen Molkereiausschusses und vor allem die Kampagne einer amerikanischen Werbeagentur, die die Marke Kerrygold geschaffen und vermarktet hat. Molkereigeschichte, aber auch Dosenbutter und eine Einwickelpapier-Sammlung zeigt das Butter-Museum von Cork.

Wer von Cork aus noch einen Ausflug ins Umland machen möchte, kann sich bei einem Spaziergang an der etwa eine Autostunde entfernten Steilküste des Ballycotton Cliff die irische Seeluft um die Nase wehen lassen. Vor den Toren der Stadt befindet sich Blarney Castle. Außer verwitterten Burgruinen ist der sagenumwobene "Blarney Stone" in greifbarer Nähe. Wer sich rücklings über den Abgrund robbt und an einer Stahlkonstruktion festklammert, kann den Stein mit den Lippen berühren - um sodann von der Muse der Beredsamkeit geküsst zu werden. Wer bereits als Plappertasche durchs Leben läuft, hat vielleicht Spaß am Giftpflanzen-Garten.

Vom Hafenvorort Cobh aus startete die Titanic ihre unglückliche Reise. Tausende Iren verließen über den größten Hafen Irlands Europa, um ihre Reise in die große, neue Welt Amerika zu beginnen. Heutige Touristen können sich mit einem Tagesausflug begnügen, um auf den Spuren der Auswanderer zu wandeln.

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