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Städtereise in Russland:Klassisches und neues Sankt Petersburg im Kombi-Paket

Anna Solotowa vom Komitee für touristische Entwicklung ist stolz auf die Attraktivität der Metropole als städtisches Reiseziel. 7,2 Millionen Touristen hätten Sankt Petersburg im vergangenen Jahr besucht: "Die meisten von ihnen kamen aus China und 293 000 Besucher aus Deutschland, das damit unter den Top Ten der Nationen rangiert, aus denen Gäste zu uns kommen", sagt sie. Bei diesen Zahlen sind die Warteschlangen vor traditionellen Sehenswürdigkeiten oft lang. Allein durch Peterhof drängeln sich im Sommer jeden Tag 60 000 Menschen.

Dabei gibt es inzwischen verschiedene Möglichkeiten, das "klassische" und das "neue" - weniger stark überlaufene - Sankt Petersburg miteinander zu verbinden. Eine der unkompliziertesten: einfach den Rossi-Trakt des Generalstabsgebäudes am Palastplatz besichtigen. Zu den Hausherren der monumentalen neoklassischen Anlage gehört seit den Neunzigerjahren auch die Eremitage, mit drei Millionen Kunstschätzen und 16 000 Gemälden eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt.

Die Eremitage gehört zu den meistbesuchten Museen der Welt. In der Reisesaison müssen die Urlauber vor dem Hauptgebäude, dem ehemaligen Winterpalast der Zaren, lange warten, bis sie dort einen Blick auf einige der Hauptwerke von Rubens, Rembrandt, Tizian oder Leonardo da Vinci werfen können.

Sankt Petersburg

Große Kulisse für ein Selfie: Besucher der Eremitage im Generalstabsgebäude.

(Foto: Paul Katzenberger)

Warum aber so viel weniger Besucher die Gemälde der wichtigsten Vertreter der modernen Kunst wie Renoir, Cezanne, Gauguin, Liebermann oder Picasso im Generalstabsgebäude direkt gegenüber vom Winterpalast sehen möchten, erschließt sich Reiseführerin Olga Vanyashova nicht: "Warum wollen immer alle in den Winterpalast mit seinen barock überladenen Räumen?", fragt sie. "Hier in der Sammlung moderner Kunst ist es doch viel interessanter", sagt die studierte Kunsthistorikerin.

Tatsächlich bietet das Generalstabsgebäude nicht nur kunsthistorische Schätze von Weltrang, sondern seit seiner Renovierung im Jahre 2014 auch eine spektakuläre Innenarchitektur. Der russische Stararchitekt Nikita Yavein und sein Studio 44 schufen im Innenhof des Gebäudes monumentale und lichtdurchflutete Räume, die in ihrer edlen Schlichtheit nicht nur zur modernen Kunst der hier ausgestellten Werke Picassos, Rodins oder van Goghs passen, sondern auch mit dem historischen Umfeld der Anlage bestens harmonieren.

Von Sehenswürdigkeit zu Sehenswertem fahren

Wer nun doch noch die typische Bucket-List für Sankt Petersburg abhaken will, kann dies etwa bei einer zweistündigen Segway-Tour, die kaum eine der klassischen Sehenswürdigkeiten auslässt, seien dies die zwei Sphinxen am Universitätskai, die Peter-und-Paul-Festung oder der Eherne Reiter am Senatsplatz.

Sankt Petersburg

Nach kurzer Schulung geht's los: Stadtführung per Segway in Sankt Petersburg - hier am "Ehernen Reiter".

(Foto: SegwaySPb)

Für deutsche Reisende, die anders als die Touristen aus China, Finnland und Osteuropa ein besonders hohes Durchschnittsalter aufweisen, kommt die Segway-Führung allerdings oft nicht in Frage. Denn die Fahrt mit dem Transporter erfordert eine gute Körperbeherrschung, immerhin müssen einige hohe Bordsteine bewältigt werden: "Mein bisher ältester Gast war 72", sagt Reiseführer Denis Klimchuk von "Segway SPb", der seine Gruppen immerhin über zwei lange Brücken über die Neva führt.

Wer nicht auf dem Segway auf russischen Straßen unterwegs sein oder schlicht sparen möchte, nimmt einfach einen Trolleybus (Oberleitungsbus) der Linien 1 und 5 (hier geht es zum Linienplan).

Linie 1 fährt die Hauptgeschäftsstraße Newski Prospekt vom Newski-Kloster bis zur Admiralität am Palastplatz der gesamten Länge nach ab und kommt dabei an etlichen Sehenswürdigkeiten vorbei: dem Moskauer Bahnhof, dem Warenhaus Gostiny Dwor, dem Singerhaus und der Kasaner Kathedrale. Und wer den Blick am Gribojedow-Kanal nach rechts wendet, kann auch in einiger Entfernung die Blutskirche sehen.

Russland Russischer Frühling
Transsibirische Eisenbahn

Russischer Frühling

Eis auf dem Baikalsee, Arien im Schnee und Krautsuppe bei Altgläubigen: Unterwegs auf der Transsib durch ein kaltes Land, zu warmherzigen Menschen.

Die Fahrt geht vom Palastplatz direkt an der Eremitage über die Palastbrücke auf die Wassiljewski-Insel mit den Ehrensäulen (Columna Rostrata) und von dort über die Börsenbrücke auf die Petrograder Insel hinter der Peter-und-Paul-Festung vorbei und endet bei der Parkanlage zu Ehren des Komponisten Andrei Petrow.

Auch der Trolleybus der Linie 5 fährt den wichtigsten Abschnitt des Newski-Prospektes vom Moskauer Bahnhof bis kurz vor den Palastplatz ab. Dieser Bus biegt dann aber nach links in die Malaja Morskaja Uliza ab, was gegenüber der Linie 1 den Vorteil hat, dass der Bus an der Isaaks-Kathedrale vorbeikommt. Linie 5 endet am Alexandergarten in der Nähe des Ehernen Reiters.

Alle Busse haben einen Kontrolleur an Bord, der das Ticket für eine Fahrt beliebiger Länge verkauft, das 40 Rubel kostet (55 Cent).