Sagenhafte Dolomiten Die Prinzessin der bleichen Berge

Es war einmal, vor langer Zeit, da lebte in einem kleinen Seitental des Pustertals die Prinzessin Dolasilla. Und wer sich anstrengt, der findet sie dort heute noch.

Von Birgit Lutz-Temsch

Dolasilla kämpfte, sie hieb mit ihrem Schwert nach rechts und links, sie verteidigte ihr Volk mit allem, was sie hatte. Und sie starb. Weil ihr Vater sie verraten hatte, weil sich ihre Zauberrüstung schwarz verfärbte, weil sie dadurch auf einmal sterblich wurde, und weil ihre Feinde in den Besitz der gefährlichen Silberpfeile gelangt waren.

Dolomiten

Sagenhaftes aus den bleichen Bergen

Sie starb im Kampf, weil sie aus Liebe nicht mehr kämpfen wollte, und ihr Vater das nicht akzeptierte - so tragisch endet die Dolomitenlegende der kämpferischen und tapferen Prinzessin Dolasilla, die einst ihr Volk, das auf der Fanes Alm lebte, in eine Glanzzeit geführt hatte. Glaubt man der Sage, flüchteten sich die Fanes nach dem Ende ihrer Kämpferin zu den Murmeltieren unter die Erde, wo sie heute noch leben.

Derlei Legenden und Sagen gibt es zuhauf, rund um den Kronplatz, sie sind verschlungen und gar nicht so einfach zu verfolgen, sie erzählen von Edelfrauen und Heldenmännern, von Hexen und Waldgeistern, von magischen Goldkronen und geheimnisvollen Kräutern. Kein Wunder, dass sich gerade hier so viele Legenden entwickelt haben.

St. Vigil in Enneberg liegt in einem Seitental des Pustertals. Man kann es nicht durchfahren, und genau das macht es so besonders, weil vor allem ruhig. Während durch das Pustertal der Durchgangsverkehr donnert, schlängelt sich das kleine Seitental bis nach Pederü, wo es endet.

Im Winter kann man den Talschluss auf Langlaufskiern erreichen, im Sommer grünen bis dorthin saftige Wiesen, danach beginnt eine kahle Felswelt, die zauberhafte Welt der Dolomiten. Bevor der Tourismus begann und aus den Bergen ringsum das Skigebiet Kronplatz wurde, verirrte sich im Winter kaum jemand hierher, und bevor es großes Räumgerät gab, waren die Enneberger regelmäßig eingeschneit in ihrem Tal, auf 1200 Metern Höhe.

Was blieb ihnen übrig, als sich Geschichten zu erzählen? Und wer sich hier nicht nur dem Skifahren hingibt, mit den Liften die Berge hinaufschwebt, sondern innehält und die Landschaft rings um St. Vigil betrachtet, der begreift, warum es von Trollen und geheimnisvollen Figuren gerade so wimmelt in den alten Geschichten: Die Landschaft scheint tatsächlich ein Geheimnis zu bergen, beim Wandern nach Pederü vermeint man, bald hier, bald dort hinter den Bäumen ein Rascheln zu vernehmen, von einem Waldgeist oder einem anderen der Sagenwesen.

Im Sommer wechseln sich saftige Wiesen mit dunklen Wäldern ab, klare, selbst in der Hitzeperiode eiskalte Bäche plätschern dahin, und ringsum blickt man auf schroffe Felsen, die den Talschluss markieren. Im Winter ist die Straße teils gar nicht mehr befahrbar, die Bäume biegen sich unter den Schneelasten, wattierte Stille senkt sich über das Tal, eine Ruhe, wie man sie kaum noch zu finden vermeint in Südtirol, noch dazu so nahe an einem der größten Skigebiete.

"Begn odüs" im Dorf

St. Vigil mit seinen 1500 Einwohnern sieht noch aus wie ein Dorf und nicht wie eine künstlich geschaffene alpine Ferienkolonie. Es gibt Dorffeste, die die Einwohner gemeinsam veranstalten, nicht nur für die Touristen, sondern für sich, so wie sie es schon immer gemacht haben. Die alten Mythen und die praktizierten Bräuche sind noch lebendig, und immer wieder hört man die alte Sprache, die in den "bleichen Bergen", wie die Dolomiten auch genannt werden, gesprochen wird: Ladinisch.

"Begn odüs" zum Beispiel heißt Herzlich willkommen, und einer, der diese Worte ziemlich glaubwürdig ausspricht, ist Werner Call, der mit seiner Familie erst im vergangenen Sommer sein Hotel um ein "Castello di Dolasilla" erweitert hat.

Wer den Tag unter Trollen und Berggeistern an der frischen Luft verbracht hat, kann sich hierher zurückziehen, in eine Wellnesswelt, die nach den Figuren der Dolomitensagen benannt ist: Da gibt es die Beautyfarm "La rajeta di Dolasilla", benannt nach dem kostbarsten Juwel der Fanes, den Fitnessraum "Edl de Net", einst der Geliebte der Dolasilla, für den sie die Kampfeslust verlor, und die Saunawelt "Le Regn de Fanes", das Königreich des Fanes-Volks.

Buchen kann man einen Wellnesstag der Prinzessin Lujanta, eine Schwester der Dolasilla, oder die Dolasilla-Behandlung selbst. Call will diese Namen nicht nur als PR-Gag verstanden wissen. "Diese Legenden sind Teil unserer Kultur. Viele Touristen, die hierher kommen, hören zum ersten Mal die ladinische Sprache, kennen natürlich unsere Sagen nicht. Und dabei sind das die Dinge, die unsere Gegend einzigartig macht", sagt er.

Wer will, dem erzählt Call selbst abends an der Bar aus den alten Legenden, von denen er viele auswendig kann. Die Ruhe des Tals will er an seine Gäste weitergeben, sagt er, und ihnen dabei ein bisschen was über die alten Bergvölker beibringen.

Die Prinzessin selbst weilt derweil noch immer unter der Erde, bei den Murmeltieren. Doch wenn sie, wie es die Sage am Ende sagt, wiederkommen wird, und zwar in einem Boot af dem Pragser Wildsee - dann wird ihr das nach ihr benannte Entspannungsschloss gefallen. Und kämpfen wird sie dann sicher nicht mehr.

Reiseinformationen: Anfahrt Auto: Aus Norden kommend über München-Kufstein-Innsbruck-Brenner, Ausfahrt Brixen Nord, Richtung Pustertal. 23 Kilometer auf der Pustertaler Straße, dann bei St. Lorenzen ins Gadertal und über Zwischenwasser nach St. Vigil. Zug: Über München nach Innsbruck, Umsteigen in Franzensfeste und weiter nach Bruneck.

Ski Opening im Hotel Excelsior im Dezember: Sieben Tage zum Preis von sechs für 666 Euro., weitere Informationen und Angebote unter: siehe Link unten.