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Rügen: Prora:Irritationen durch Werbebroschüre

Die Herberge wirbt außerdem mit "Erlebnis-Programmen", die sich speziell an Klassenfahrten oder Familienurlauber richten. "Aber es ist auch ein Ort, an dem man sich mit Geschichte auseinandersetzt", sagt Kathrin Röder vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH).

Nazi-Anlage Prora - Teilumbau zur Jugendherberge

Aus Block 5 des denkmalgeschützten Komplexes Prora ist eine Jugendherberge geworden.

(Foto: dpa)

"Ein Halbsatz, über den man stolpern kann"

In unmittelbarer Nähe zur Jugendherberge liegt das Prora-Zentrum, das als gemeinnütziger Verein regelmäßig Führungen durch den historischen Bau des NS-Regimes anbietet.

Den Nazi-Schatten wird der Bau nicht los, obwohl der Komplex nie als "Kraft durch Freude"-Ferienbad in Betrieb ging. In Internetforen feiert die rechte Szene die Eröffnung der Jugendherberge bereits als Erfolg und als Fortsetzung der von den Nationalsozialisten verfolgten Strategie, billigen Urlaub für ein Massenpublikum zu bieten.

Umso mehr ruft eine DJH-Broschüre Irritationen hervor, in der von den "weltberühmten Proraer KdF-Bauten" die Rede ist. Perke Kühnel vom Dokumentationszentrum Prora, das eine Dauerausstellung über die NS-Sozialgeschichte und den Bau betreibt, spricht von einer fragwürdigen Bezeichnung. Der Begriff "weltberühmte KdF-Bauten" sei nicht nur historisch unkorrekt, da der Bau nie in seiner ursprünglich zugedachten Funktion in Betrieb gegangen sei. "Große Bauchschmerzen" habe sie auch mit dem positiv assoziierten Adjektiv "weltberühmt".

Jochen Schmidt, Chef der Landeszentrale für politische Bildung, räumt ein, dies sei "ein Halbsatz, über den man stolpern kann". Mit den Verantwortlichen werde das Gespräch gesucht. "Es gibt einen Konsens, mit der Geschichte verantwortungsvoll umzugehen." DJH-Sprecherin Röder versichert, dass die Formulierung in den nächsten Broschüren nicht mehr verwendet werde. Erst 2013 soll die Bildungsstätte, die eng mit der Jugendherberge kooperieren soll, in Betrieb gehen. Noch ist die Finanzierung in Höhe von drei Millionen Euro nicht abgesichert.

Wer noch in diesem Sommer seine Ferien in der geschichtsträchtigen Herberge verbringen möchte, kommt allerdings zu spät: Die Anlage sei bereits ausgebucht, sagt DJH-Sprecherin Kathrin Röder.

© Philipp Laage, Martina Rathke, dpa/dd
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