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Rio de Janeiro:Jesus die Finger waschen

Die Restauratorin blieb gelassen und hat die Kirche wissen lassen: "Fertigstellung Ende Juni. Kein Problem. Wenn ihr einen Vertrag mit dem Heiligen Petrus im Himmel gemacht habt." Den wird die Erzdiözese gewiss nicht vorweisen können, aber die Rechte an der Christusfigur besitzt sie in der Tat. Heitor da Silva Costa hatte sie der Kirche übertragen, die ihn einst mit der Planung der Skulptur beauftragt hatte.

Rio de Janeiro

Zwischen Strand und Slums

Soweit sich Márcia erinnert, ist es nun die vierte Restaurierung seit der Einweihung der Skulptur 1931. Bereits vor zehn Jahren hatte sie den Sockelbereich und die Balustraden wieder hergerichtet. Nun hat das Amt für Denkmalschutz die Architektin bei der Erzdiözese für die Komplettsanierung der Christusfigur empfohlen.

Längst ist der Christus von Rio eines der bekanntesten Wahrzeichen der Welt. Erst 2007 wurde es unter die Weltwunder der Neuzeit gewählt. Was für ein Privileg also, so einen Auftrag zu bekommen, der auf umgerechnet drei Millionen Euro angesetzt ist und durch Spenden und Sponsorengelder finanziert werden soll. "Na ja", sagt Márcia, "wenn ich das hier verbocke, kann ich meinen Job an den Nagel hängen und für immer das Land verlassen."

Dann zieht die kleine, quirlige 50-Jährige auch schon wieder ihre Klettergurte fest, setzt einen Bauhelm auf, schlüpft in ihre griffigen Lederhandschuhe und turnt in Windeseile hoch zu den Christushänden, wo die Arbeiter gerade den Kompressor angeschaltet haben, um Jesus die Finger zu waschen.

Seit nun fast 80 Jahren blickt Christus unentwegt auf diese Stadt, was sollte er auch anderes tun. Mit gesenktem Haupt hat ihm sein Erbauer nur die Möglichkeit gelassen, den Blick auf die Menschen von Rio und nicht etwa in den Himmel zu richten, schließlich war Erlösung ja das zentrale Thema. Die Statue sollte, schon von weitem sichtbar, eine religiöse Symbolik haben. So entstand der Christus mit den weit geöffneten Armen als Personifikation des Kreuzes.

Die 1145 Tonnen schwere größte Art-déco-Skulptur der Welt galt damals als Meisterwerk der Ingenieurskunst. Aus Stahlbeton gebaut, misst sie ohne Sockel 30 Meter, 28 Meter beträgt die Spannweite der Arme, allein eine Hand umfasst drei Meter. Eine Skulptur aus nacktem Beton war dem Baumeister jedoch zu hässlich. Mit der üblichen Bronze wollte er seine Figur aber auch nicht überziehen, als er erfuhr, dass dafür eingeschmolzenes Waffenmaterial herhalten sollte.